Etwa 170 Bürger kamen zur Veranstaltung über den geplanten Bau von fünf Windrändern im Vierkirchner Holz. Das Interesse der Bevölkerung an dem Projekt ist groß, die Kritik gering.
Röhrmoos – Dass der Bau von fünf Windrädern im Vierkirchner Holz bei den Bürgern auf großes Interesse stößt, konnte man bei der Infoveranstaltung der Projektentwicklungsgesellschaft „Vierkirchner Holz“ erleben, die 170 Frauen und Männer im Schützenheim der Riedenzhofener Schützen besuchten. Die Besucher stellten viele Fragen, kritikähnliche Äußerungen an dem Mammutprojekt gab es aber nur von ganz wenigen Besuchern.
Klarer Befürworter der fünf Windräder mit einer Höhe von jeweils 262,5 Meter ist Bürgermeister Dieter Kugler (CSU). Er zeigte auf, dass die Änderung der Bayerischen Bauordnung seit November 2022 für die Gemeinden und deren Bürgerinnen und Bürger Chancen einräumt, in einem begrenzten Zeitraum solche Windkraftanlagen zu bauen. „Wenn man nicht selbst reagiert, würden auswärtige Investoren die Flächen nach der Festsetzung des Regionalen Planungsverbandes ausnutzen. Die hier mögliche Bürgerbeteiligung und die Wertschöpfung vor Ort wäre nur in sehr geringem Umfang gesichert“, sagte Bürgermeister Kugler, der seinen Bürgermeisterkollegen Harald Dirlenbach aus Vierkirchen wegen Krankheit entschuldigen musste, aber stattdessen seine Stellvertreter begrüßen konnte. „Die vier Partner, die Gemeinde Röhrmoos, Planer Peter Beermann, die Viktoria-von Butler-Stiftung in Schönbrunn und die Stadtwerke Dachau, haben die Voraussetzung für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit beim Bau der fünf Windräder geschaffen“, so Kugler weiter.
Viele Gemeinden, Stiftung und Landwirte mit im Boot
In Planung seien zunächst nur vier Windräder gewesen, weil sich nun aber auch die Gemeinde Vierkirchen beteiligen will, sollen es fünf Windräder werden. Anfangs habe eine nordbayerische Investorengesellschaft Interesse am Windradbau gezeigt, dann aber ihr Vorhaben zurückgezogen, was zu dem Projekt mit mehreren Partnern geführt habe. „Wichtig ist, dass wir breit aufgestellt sind und auch die Viktoria-von-Butler-Stiftung im Boot ist“, sagte Kugler. Sowohl in der Projektentwicklungsgesellschaft, als auch in der späteren Betreibergesellschaft wirken nämlich auch die Landwirte Peter Goßmann-Neuhäusler, Tobias Pabst, Christian Glas und Georg Riedmeier mit.
Zur künftigen Betreibergesellschaft sollen auch die Gemeinde Vierkirchen, die Bürgergenossenschaft Röhrmoos-Vierkirchen und „Bürgerenergie Dachauer Land“ gehören, deren Vorstand Martin Bednarz die Bürgergenossenschaft Röhrmoos-Vierkirchen keinesfalls als Konkurrent für die Bürgerenergie Dachauer Land sieht. „Günstige und sichere Stromversorgung in der Region ist uns enorm wichtig, wir wollen keine Investoren“, so Bednarz, der für Mitgliedschaften in beiden Energie-Organisationen warb. „Bürgerenergie Dachauer Land“, gibt es seit dem letzten Jahr, hat mittlerweile 631 Mitglieder, die schon 7798 Anteile zeichneten. Bednarz könne sich nichts Besseres als Energie in Bürgerhand vorstellen.
Keine Bedenken beim Artenschutz
Peter Beermann, dessen Büro schon enorme Erfahrung im Bau von Windkraftanlagen gesammelt hat, holte in seinem Vortrag weit aus und ging dabei auf Bereiche wie Anlagentechnik, Windgeschwindigkeiten, Flächenbedarf, Schall und Schatten, Artenschutz, Naturschutz, Landschaftsschutz, Wetterradar und Netzanschluss näher ein. Er betonte, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Werte bei den geplanten Anlagen eingehalten werden. Die Abstände zu Wohngebieten seien zuletzt nochmals vergrößert worden, sodass selbst zu Dorf-Mischgebieten der 1000-Meter-Abstand erreicht werde. Für das eine Windrad nahe der Bahnlinie gelte ein Abstand von 500 Metern.
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Noch seien viele Dinge für eine Genehmigung der fünf Windräder in Klärung, doch Beermann erwarte keine größeren Probleme, auch nicht in Richtung Artenschutz. Die Windräder sollen zum Schutz der Fledermäuse mit einer Abschalt-Automatik ausgestattet werden. Auch der Rückbau der Anlagen werde schon im Genehmigungsverfahren geregelt. Vom Pasenbacher Landwirt Peter Großmann-Neuhäusler war zu erfahren, dass die Projektentwicklungsgesellschaft allein bis zur Plangenehmigung schon über 500 000 Euro gesteckt habe und so kein unerhebliches Risiko trägt.
Kosten von rund 50 Millionen Euro
„Wir müssen Gas geben für eine Chance für uns alle“, so Großmann-Neuhäusler mit dem Hinweis, dass spätere Gewinne in der Bürgergenossenschaft ausgeschüttet werden, aber zunächst Kosten von rund 50 Millionen Euro entstehen. Die Bürgerbeteiligung soll die Hälfte dieses Geldes zusammenbringen. Für den Bau eines Umspannwerkes im Süden von Röhrmoos müsse man mit weiteren 5 Millionen Euro rechnen. Seitens der betroffenen Waldbesitzer zeichne sich keine Projekt-Abneigung ab. Bürgermeister Kugler hofft, durch das Projekt eines fernen Tages auch Gewerbesteuer erzielen zu können. Entsprechend dem Zeitplan sollen die Windräder 2027/2028 in Betrieb gehen.
Dass er fünf so hohe Windräder auf der geplanten Fläche für überzogen hält, brachte nur der Vorsitzende der Bund Naturschutz-Ortsgruppe Röhrmoos, Horst Pillhöfer, zum Ausdruck.