Der Eissport in Dachau bekommt eine Zukunft

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Ein Herz für den Eissport bewiesen die Dachauer Stadträte. Sie ermöglichen dem ESV, seine Zukunft in die eigene Hand zu nehmen. Die Stadt stellt für die neue Eisfläche kein Geld, sondern lediglich das Grundstück zur Verfügung. © Norbert Habschied

Der Haupt- und Finanzausschuss war sich einig: Der Eissport in Dachau darf nicht sterben. Deshalb soll der ESV auch die Erlaubnis bekommen, eine neue Kunsteisbahn in Eigenregie zu bauen und zu betreiben.

Dachau – Vielleicht war es die typische Jahresend-Erschöpfung oder der Vorweihnachtsstress. Fakt ist, dass sich die Stadträte in ihren Haushaltsberatungen im vergangenen Dezember beinahe kampflos gefügt hatten in ihr Schicksal, sparen zu müssen. Dabei hatten sie vielleicht ein wenig unterschätzt, wie beliebt der Eissport in Stadt und Landkreis Dachau ist. Zum Jahresende jedenfalls stand fest: Der ESV Dachau und tausende Hobbyläufer werden sich mittel- bis langfristig eine andere Sportstätte suchen müssen. Denn die Kunsteisbahn neben der Georg-Scherer-Halle beim ASV Dachau wird abgerissen, und für einen Ersatzbau fehlt das Geld.

Eine Online-Petition „Eis für Dachau – Unsere Stadt braucht eine Kunsteisbahn“ (siehe Kasten), die Anfang Januar ins Leben gerufen worden war und aus dem Stand tausende Unterschriften gesammelt hatte – sogar aus Frankreich, Zypern und Mecklenburg-Vorpommern – sollte dann aber zu einem Umdenken bei den Stadträten führen. Florian Schiller, Sprecher der CSU-Fraktion, meinte denn auch am Mittwoch im Haupt- und Finanzausschuss selbstkritisch: „Die Petition hat uns gezeigt, dass die Eisfläche eine Bedeutung hat.“ Die Petition habe alle „aufgeweckt“ und am Ende hätten alle begriffen: „Dachau braucht so eine Eisfläche!“

„Eis für Dachau“: Entsetzt von Beschluss

Die Macher der am Mittwoch in der Sitzung so gelobten Online-Initiative „Eis für Dachau“ sind, anders als der Vorstand des ESV Dachau, explizit nicht zufrieden mit dem Beschluss des Ausschusses. Indem der ESV sich nun allein um die Finanzierung der Eisbahn kümmern soll, „entlässt man die Stadt völlig aus der Verantwortung“, so Daniel Sommer. Die gestrige Entscheidung sei daher eine „absolute Katastrophe“ und „Harakiri“. Seine Initiative distanziere sich daher von dem Vorgehen.

Ein neues Kapitel für den Eissport in Dachau

Diese Erkenntnis führte am Mittwoch, zur Erleichterung aller Eissportfreunde, tatsächlich dazu, dass die Stadträte einem verwegenen Plan zustimmten, den sie vor fünf Jahren noch mehrheitlich abgelehnt hatten: Der ESV soll nun doch in Eigenregie eine neue Kunsteisbahn bauen und anschließend betreiben dürfen. Vertraglich soll festgelegt werden, dass neben den Sportlern des Eissportvereins auch Schulkinder und Hobbyläufer die Anlage nutzen dürfen.

Finanziert werden soll das Projekt, das ESV-Vorsitzender Stefan Steurer auf „6 bis 7 Millionen Euro“ schätzt, durch Fördergelder des Bayerischen Landes-Sportverbands, des Freistaats, Sponsoren und diverse Crowdfunding-Maßnahmen. Der Beitrag der Stadt besteht darin, dass sie das Grundstück am südlichen Ende des ASV-Geländes zur Verfügung stellt. Oberbürgermeister Florian Hartmann versprach, die Fläche „gerodet und mit entsprechendem Untergrund“ zu übergeben. Zur Erinnerung: Dort, wo in wenigen Jahren Schlittschuhläufer ihre Runden drehen sollen, stehen heute noch vier Tennisplätze und dahinter ein Stück Wald.

Die Stadträte waren am Mittwoch einhellig zufrieden mit der Lösung, zollten den Ehrenamtlichen des 350-Mitglieder-Vereins ihren Respekt und wünschten Glück für das Projekt. Der OB meinte etwa: „Unter den aktuellen Begebenheiten ist das das Angebot, das am ehesten und sehr gut funktionieren kann.“ Sportreferent Günter Dietz (CSU) betonte: „Das ist eine Mammutleistung“, die der ESV da vollbringe. Anke Drexler fand es „wirklich beeindruckend“, dass der ESV nun „zum zweiten Mal“ anbiete, der Stadt zu einer zeitgemäßen Kunsteisbahn zu verhelfen. Und CSU-Mann Schiller lobte: „Das ist der richtige Standort, das richtige bauliche Konzept und der richtige Bauherr!“

Bauliches Konzept und kritische Stimmen

Das bauliche Konzept sieht dabei ein Vorgehen in zwei Schritten vor: Erst wird eine Freieisfläche, die auch im Sommer von Inlinern genutzt werden soll, samt Funktionsräumen errichtet. In einem zweiten Schritt soll dann eine Überdachung mit Photovoltaiknutzung folgen.

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Der einzige Stadtrat, der am Mittwoch zumindest leise Kritik an den Plänen äußerte, war Jürgen Seidl (FDP). Er wollte nur unter dem Vorbehalt zustimmen, dass er erfährt, welche Kosten für die Vorarbeiten auf die Stadt zukommen. Denn eigentlich, so gab er den Mahner, hat die Stadt für derlei freiwillige Leistungen kein Geld.

Zufrieden mit dem Votum aus dem Rathaus: die drei ESV-Vorstände Thomas Bakomenko, Gabriele Wieneck-Vilano und Stefan Steurer (von links).
Zufrieden mit dem Votum aus dem Rathaus: die drei ESV-Vorstände Thomas Bakomenko, Gabriele Wieneck-Vilano und Stefan Steurer (von links). © Norbert Habschied

Herausforderungen und Zuversicht: Die Zukunft der Kunsteisbahn in Dachau

Doch diese Kostenfrage konnten weder OB Hartmann noch die Mitarbeiter der Verwaltung am Mittwoch schon beantworten. Dies müsse ebenso geklärt werden wie die Frage, in welcher Form – Pacht oder Erbpacht – dem ESV das Areal zur Verfügung gestellt wird. Auch ist völlig offen, was passiert, wenn der ESV für etwaige Finanzierungsmodelle Bürgschaften der Stadt braucht. Denn laut Josef Hermann, Chef des Hauptamts im Rathaus, ist klar: „Das wäre ein Problem.“ Ohne Zustimmung der Kommunalaufsicht im Landratsamt dürfe die klamme Stadt Dachau sicher keine Bürgschaften übernehmen.

Die Vorstandsmitglieder des ESV waren am Mittwoch überzeugt, sämtliche Bedenken in den kommenden Wochen und Monaten ausräumen zu können. In erster Linie aber waren sie erleichtert, nun eine Entscheidung sowie eine Perspektive für ihre Mitglieder bekommen zu haben. Der Blick, so betonte Vorsitzender Steurer, gehe ab sofort nicht mehr in die Vergangenheit, sondern „nur noch nach vorn“.

Dass diese Zukunft viel Arbeit bedeutet, ist allen Beteiligten klar. So zeigte sich die dritte Vorsitzende Gabriele Wieneck-Vilano überwältigt vom Vertrauensvorschuss der Stadträte und von der Aufgabe, die nun vor ihr und ihren ESV-Kollegen liegt. Ehrlich gab sie zu: „Jetzt schlottern mir die Knie!“

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