Ein Chemielehrer und ein ehemaliger Schüler lösen einen Kriminalfall mit chemischen Experimenten. Die Zuschauer werden Teil der Ermittlungen und erleben Wissenschaft auf unterhaltsame Weise.
Bad Tölz – Fernsehzuschauer kennen sie aus dem „Tatort“ oder aus „CSI“: die Leute von der Spurensicherung. Sie sichern nach einem Mord alle Spuren, die für die Aufklärung des Falls relevant sein könnten. Ähnlich spannend ging es am Freitagabend im ausverkauften Marionettentheater zu. Markus Zimmermann, Chemielehrer am Tölzer Gabriel-von-Seidl-Gymnasium, und Chemiker Maximilian Dietz, ehemaliger Schüler am Gymnasium, lösten einen Kriminalfall mithilfe chemischer Experimente. Es war die Auftaktveranstaltung des neuen Programms der „Akademie am Schloßplatz“ von Volkshochschule, Planetarium, Marionettentheater sowie Sing- und Musikschule. Unter dem Titel „Die verschwundenen Beweise – ein chemisches Rätsel“ bezogen die beiden Chemiker ihr Publikum mit ein und bewiesen nicht nur wissenschaftliches Können, sondern auch unterhalterisches Talent.
Zuschauer bekommen vorsichtshalber Sicherheitsbrillen
„Haben Sie die Falschen geschickt?“, fragte Dietz gleich zu Beginn. Ein bisserl alt seien sie da im Publikum. Dabei habe man ihnen die „besten Polizeischüler versprochen“, um den Fall aufzuklären. „Sonst hätte ich gar nicht mitgemacht“, sagte Dietz augenzwinkernd. Sieben Spuren vom Tatort galt es zu untersuchen. „Leider konnten wir bisher nicht ermitteln, was sich zugetragen hat“, so der Gymnasiallehrer. Sie seien auf die Hilfe der Polizeischüler angewiesen, die dank eines „Tools“ auf ihrem Smartphone mit passendem QR-Code mitmischen konnten.
Im Marionettentheater konnte man nichts explodieren lassen. Dennoch bekamen die Zuschauer in der ersten Reihe vorsichtshalber Sicherheitsbrillen. Nach jedem Versuch gab’s eine chemische Erklärung. Vereinfacht dargestellt, „damit die anderen mitkommen“. Zimmermann bat die, „die sich mich Chemie auskennen“, um Nachsicht.
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Als Erstes wurde ein Papier mit einem Farbpunkt chemisch unter die Lupe genommen, das am Schreibtisch des Opfers gefunden worden war. Mittels Papierchromatografie konnten die Kriminaltechniker schnell herausfinden, mit welchem Stift gemalt worden war. Dann wurde am Fundort eine Colaflasche entdeckt, mit einem „auffälligen Fleck an der Oberfläche“. Zimmermann schüttelte die Flasche, damit sich die Untersuchungssubstanz, die er zuvor hineingegeben hatte, gut verteilen konnte. Die Flasche wurde immer dunkler und erstrahlte dann in Silber. „Der Fleck in der Flasche war konstruiert von uns“, gab der Chemielehrer zu. „Wir wollten den Versuch machen, weil er so schön ist.“
Chemie kann „aufregend, spannend und sogar nützlich sein“
Dass Chemie „aufregend, spannend und sogar nützlich sein kann“ wollten sie ihrem Publikum zeigen. Etwa, wenn man zufällig in der Nähe der Haustür einen Styroporblock findet, der ungewöhnlich schwer für seine Größe ist, und man herausfinden möchte, ob sich darin vielleicht die Tatwaffe verbirgt. Oder wenn man beim Fund eines stark parfümierten Tuches nahe des Tatorts mittels Vergleichsproben den Duft bestimmen möchte, woran sich die Zuschauer auch gleich selbst versuchten. „Jeder von uns nimmt Gerüche anders wahr und assoziiert sie mit anderen Eindrücken“, erklärte Dietz. Aber verräterische Fingerabdrücke auf dem Glas oder die unsichtbare Schrift auf einem geheimnisvollen Zettel werden dank der Chemie sichtbar. Mit ihr lässt sich auch herausfinden, ob das Tuch auf dem Wohnzimmerboden wirklich mit Blut übersät ist – dank des Luminol-Tests, bei dem Blutflecken kurz aufleuchten.
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So verging die unterhaltsame Krimi-Chemie-Show wie im Fluge, gewürzt mit dem Charme und dem trockenen Humor der beiden Wissenschaftler, die sich hie und da auch mal gegenseitig aufzogen, was beim Publikum immer wieder Lachen und Klatschen hervorrief. Nach Abschluss der Ermittlungen war das Publikum gefragt, herauszufinden, was denn nun eigentlich am Tatort passiert ist. Die Antworten kamen wieder per Smartphone. Gekürt wurden die besten drei. Die Chemie an diesem Abend stimmte jedenfalls. (maw)