Ein roter Blitz, ein Schreck und die Erkenntnis, dass es jetzt wieder Geld kostet: Sonderlich populär sind die Verkehrsüberwacher vom Zweckverband Kommunale Dienste im Oberland nicht. Aber dass ihre Arbeit dringend nötig ist, zeigt ein Blick auf die Blitzerstatistik 2024.
Bad Tölz-Wolfratshausen - Gut zwei Drittel der Gemeinden im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen sind Mitglied im Zweckverband. Dieser übernimmt für sie – je nach gebuchter Leistung – die Überwachung sowohl des ruhenden als auch des fließenden Verkehrs, verteilt also Knöllchen an Falschparker und blitzt im Auftrag der Gemeinde.
(Unser Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)
401 Messungen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen
Im vergangenen Jahr fanden auf diesem Wege im Landkreis insgesamt 401 Messungen statt. Dieses Mal flossen allerdings nur die Einsätze der mobilen Messanlagen in die Statistik ein, wie der Zweckverband auf Anfrage erklärt. Die Blitzeranhänger, die man immer wieder in der Region sieht, werden direkt vom Zweckverband betrieben, erläutert Außendienstleiter Thorsten Preßler im Gespräch mit unserer Zeitung. Die damit erzielten Einnahmen verbleiben beim Verband. Bei Letzteren musste man 2024 allerdings einige Abstriche machen. Gleich mehrere Blitzeranhänger fielen Anfang des Jahres aufgrund eines technischen Problems für längere Zeit aus, hieß es in der Verbandsversammlung im Dezember im Tölzer Kurhaus. Preßler betont in diesem Zusammenhang aber ohnehin, dass der Zweckverband „keine Gewinnerzielungsabsicht“ habe – im Gegensatz zu Unternehmen, die teilweise die Parkplätze der Supermärkte bewirtschaften.
Am häufigsten wurde in der Stadt Bad Tölz geblitzt
Wie oft die mobilen Messanlagen zum Einsatz kommen, bestimmen die jeweiligen Gemeinden selbst, die den Zweckverband entsprechend beauftragen. Am häufigsten wurde im vergangenen Jahr in der Stadt Bad Tölz geblitzt, wo die mobilen Messanlagen insgesamt 93-mal zum Einsatz kamen. In der Gemeinde Lenggries fanden 62 Messungen statt, in der Gemeinde Kochel am See 60. Die am häufigsten bemessenen Standorte waren die Kocheler Straße in Schlehdorf (17 Messungen), die Kocheler Straße im Kochler Ortsteil Ried (17 Messungen) sowie der Wörnerweg in Bad Heilbrunn (16 Messungen).
Auch Motorradfahrer können geblitzt werden
Bei „mobilen Messanlagen“ handelt es sich übrigens um Fahrzeuge. Bei den VW Caddys des Zweckverbandes ist die Blitzertechnik im Fahrzeug verbaut, bei den VW-Transportern wird sie außerhalb des Autos aufgebaut. Bei beiden gelte, dass gleichzeitig in beide Fahrtrichtungen und nicht nur nach hinten geblitzt werden kann, so Preßler weiter. Bei Bedarf können mit den mobilen Messanlagen auch Motorradfahrer geblitzt werden. Um diese beweissicher zu fotografieren, bedürfe es lediglich eines etwas anderen Aufbaus. Das mache man immer dann, wenn es am Messort Probleme mit rasenden Motorradfahrern gebe.
Größter Temposünder wurde in Lenggries erwischt
Überhöhte Geschwindigkeit ist nach wie vor eine der häufigsten Unfallursachen. „Geschwindigkeitskontrollen sind daher essenziell und machen unsere Straßen nachweislich sicherer“, betont der Zweckverband. Spätestens beim Blick auf die höchsten Tempolimit-Überschreitungen wird deutlich, dass die Kontrollen notwendig sind. Trauriger Spitzenreiter im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen war im vergangenen Jahr ein Fahrer in der Gemeinde Lenggries, der statt mit den erlaubten 50 km/h mit 114 km/h erwischt wurde. Für den Verkehrssünder gab es zwei Monate Fahrverbot, zwei Punkte in Flensburg sowie eine Geldbuße in Höhe von 600 Euro.
Meine news
Beanstandungsquote in Greiling am höchsten
Es sei weniger wichtig, in welchen Orten besonders viele Raser erwischt werden, so der Zweckverband weiter. „Eine deutlich aussagekräftigere Kennzahl“ sei die sogenannte „Beanstandungsquote“. Diese sagt aus, welcher Anteil der gemessenen Fahrzeuge zu schnell unterwegs war. Dabei liegt Greiling vorn. Immerhin 12,9 Prozent der gemessenen Fahrzeuge waren hier zu schnell. Danach folgen Egling (10,44 Prozent) und Jachenau (9,51 Prozent).
Die Einnahmen aus den Verwarnungs- und Bußgeldern, die alle, die zu schnell unterwegs waren, zahlen müssen, sowie die Einnahmen aus der Ahndung von Parkvergehen fließen zu 100 Prozent an die Kommunen, die die Überwachung in Auftrag gegeben haben. Diese zahlen im Gegenzug eine Gebühr für jeden Einsatz, den sie in Auftrag geben.