Der Nachwuchs des Neufinsinger Theaterkastls spielt derzeit eine Schneewittchen-Adaption. Es gibt noch wenige Restkarten.
Es war einmal eine Finsinger Theaterregisseurin, die hatte für die 33 jungen Darsteller ein Stück zu suchen. Denn vom 6- bis 26-Jährigen war beim Nachwuchs des Neufinsinger Theakterkastls alles dabei. Da kam Dagmar Stern-Lachmann das Gebrüder-Grimm-Märchen um Schneewittchen freilich gelegen: „Ich sag‘ nur sieben Zwerge“, erklärte sie vielsagend lächelnd. Nun war es soweit, und Stern-Lachmanns umgeschriebene Bühnenfassung „Wer ist die Schönste?“ durfte im ausverkauften Theaterraum Premiere feiern.
Den dekorativen wie kreativen Blick fürs Detail hatte man sich auch diesmal bewahrt, angefangen bei der Schale Äpfel am Eingang bis hin zum aufwendig gestalteten Bühnenbild. So hat es das Theaterkastl geschafft, auf den nur wenigen Bühnenmetern von der Hütte im Wald über die Königsgemächer samt lebensgroßem Spiegel bis hin zum Bergwerkseingang alles zu verteilen.
Verblüffend nah an der Disney-Figur
Lea Urban nimmt als „Fantasie“ die rund 70 Zuschauer mit ins Märchenland. Dort versucht die Königin (Alina Strobel) den König (Philipp Kövener) zu überzeugen, sich um Nachwuchs zu bemühen. Gerade Kövener stellt sich dabei auf so höchst amüsante weise dumm, dass es schon fast an einen Herbert- und Schnipsi-Sketch erinnert und den beiden so manchen Szenenapplaus einbringt.
Keine fünf Minuten später kommt auch schon der sprichwörtliche Storch (Anna Großkopf) dahergestakst und bringt dem Königspaar das kleine Schneewittchen. Als der Bote (Sebastian Perzl) die frohe Kunde dem Volk überbringt, wartet er stets die Fanfarentöne von Ludwig Faschinger ab. Der lässt jedes Mal wieder so ein leises, zaghaftes „Täterä“ von sich, dass ihm die Lacher bei jedem Ansetzen des Plastikinstruments sicher sind.
Doch kurz darauf verstirbt Schneewittchens Mutter zu den traurigen Klängen von Rammstein. So bietet sich die Königin des Nachbarreichs (Lea Geist) als neue Ehefrau an, mit deren Sohn Leonhardt sich auch Schneewittchen als Kind (Magdalena Zerndl) und als Teenager (Laura Lex) super versteht. Doch Kövener wählt verhängnisvollerweise zur Herzblatt-Melodie Sophie Lachmann als Zukünftige aus.
Die böse Stiefmutter schickt Schneewittchen sofort ins Internat und verbringt die meiste Zeit in ihren Gemächern. Dort vergiftet sie nicht nur König und Zofe (Nina Urban), sondern lässt sich von der schnippisch mit französischem Akzent kommentierenden Heidi Richter als Spiegel immer wieder ihren Status als Schönste bestätigen. Doch als Schneewittchen schließlich das Erwachsenenalter erreicht, macht ihr Darstellerin Anna Lachmann mit ihrem Aussehen, das verblüffend an die Disney-Figur erinnert, Konkurrenz.
Es bleibt nur die Flucht ins Exil
Also flüchtet Schneewittchen ins Exil zu den Zwergen hinter den sieben Bergen, weil sie nicht, wie befohlen, vom Jäger erschossen werden will. Die Sieben lassen auf dem Weg ins Bergwerk lauthals schallend „Hey Zwerge, hey Zwerge, hey Zwerge – ho!“ aus Otto Waalkes Parodie erklingen und bringen das Publikum begeistert zum Mitklatschen.
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Doch trotz Verwandlungstränken und vergiftetem Apfel schafft es die böse Stiefmutter nicht, Schneewittchen zu töten. Das treibt sie so in Rage, dass es sie zu ihrem einzig verbliebenen Freund, dem Spiegel, ins Nirwana treibt. Währenddessen finden Schneewittchen und ihre Jugendliebe Prinz Leonhardt endlich zusammen – sodass kurz darauf unter tosendem Applaus der Storch wieder über die Bühne marschieren darf.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute – oder zumindest für die noch kommenden drei Aufführungen des Jugendtheaters am 19., 20. und 21. Juli, für die es teilweise auch noch Restkarten gibt.