Eigentlich wollte er heuer keinen Marathon mehr laufen. Doch dann ließ sich der Athlet vom TSV Penzberg umstimmen – und siegte bei der Masters-EM.
Jyväskylä – Wie gut, dass sich Hugo Mann doch noch hatte umstimmen lassen. Nach der deutschen Meisterschaft über die 42,195 Kilometer im Frühjahr in Hannover wollte der Penzberger „zumindest dieses Jahr keinen Marathon mehr laufen“.
Aber dann bat ihn bei der Siegerehrung – dort nahm er die Silbermedaille im Empfang – ein anderer deutscher M70-Spitzenläufer, es sich nochmals zu überlegen. Schließlich bestand die Aussicht, bei der Europameisterschaft der Masters eine schlagkräftige Mannschaft ins Rennen schicken zu können. Mann ließ sich breitschlagen, nahm das harte Training auf sich – und kehrte nun unlängst sogar mit zweimal EM-Gold aus Finnland zurück.
Der Wettkampf fand im mittelfinnischen Jyväskylä statt, dem Heimatort des 2019 verstorbenen Skispringers Matti Nykänen. Aufgrund des welligen Profils der Strecke hatte Hugo Mann eine Zeit um „eher in Richtung 3:20 Stunden“ angepeilt, wie er mitteilte. Bei der DM in Hannover hatte er die klassische Langstrecken-Distanz in 3:16 Stunden absolviert. Gold hatte sich im April Peter Massny (TSV Neustadt) in 3:10 geholt; er bildete zusammen mit Mann und Wolfgang Teipel (TV Attendorn) das DLV-Trio für Finnland.
Vier Runden um großen See in jyväskylä
Die vier Runden um den Jväsjärvi-See lief Hugo Mann letztlich in 3:17:30 Stunden. Kein anderer der 17 M70-Athleten kam an diese Zeit heran. Der Läufer des TSV Penzberg war „im Ziel glücklich, da ich meine Planzeit trotz des welligen Kurses ziemlich genau erreicht hatte“. Und „wenn dann noch die Goldmedaille winkt, ist die Freude umso größer“.
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Ins Rennen war Mann „sehr locker“ gegangen, „weil ich wusste, dass mit Peter und Wolfgang zwei weitere tolle Athleten dabei sind und wir daher von Anfang an um Gold laufen würden“. Die Mitstreiter zeigten sich auch in Form: Massny (3:19:40) holte sich Einzel-Silber, Teipel (3:25:10) landete auf dem fünften Rang. Zusammen gewann das DLV-Trio die Teamwertung vor der finnischen Mannschaft.
Auf den ersten zehn Kilometern lief der „Germany-Express“, wie es der Penzberger nannte, zusammen. Ende der ersten Runde wusste Mann, „dass unser Anfangstempo zu hoch war“. Er musste Massny ziehen lassen. Die Halbmarathonmarke erreichte Hugo Mann als Zweiter der M70-Klasse nach 1:37:11 Stunden, Massny lag 1:14 Minuten voraus. Mann lief in einer Dreiergruppe mit einem jungen Finnen und dem Spanier Jose Vicente Noguera Estan, am Ende Vierter (3:17:17) der M65-Klasse.
Ab der dritten Runde wurde es stetig wärmer, „die Steigungen und Brücken fingen an, die Muskulatur zu strapazieren“. Mann tröstete sich damit, dass es den anderen genauso gehen musste. Er überholte nun einige Läufer, die ihn in der ersten Runde passiert hatten. „Das war mental wichtig und ein Indikator, dass mein Tempo vergleichsweise konstant ist.“ Nach gut 26 Kilometern lag Mann über eineinhalb Minuten hinter Massny zurück.
Rückstand schmilzt schnell
Doch bei Kilometer 31, am Verpflegungsstand im Start-Zielbereich, „tauchte er plötzlich vor mir auf“, berichtete der Penzberger. „Ich war etwas verwundert, freute mich aber, dass ich wieder Anschluss an den Führenden hatte.“
In der Folge stellte Mann fest, dass das Renntempo bei 4:50 Minuten pro Kilometer lag – „das war erholsam, aber klar zu langsam“. Der Penzberger zog am deutschen Kollegen vorbei. Danach galt es für ihn, „sich nicht mehr umzudrehen und zu laufen, was die Beine hergeben“. Mann holte alles aus sich heraus, am letzten und zugleich steilsten Anstieg über die letzte Brücke vor dem Ziel „musste ich beinahe gehen“. Zusammen mit dem Spanier aus der M65-Klasse absolvierte Mann die letzten drei Kilometer aber doch noch in einem flotten Tempo.