Älter als Schloss Neuschwanstein: Kaufhaus Rid in Weilheim ist ältestes Kaufhaus in Deutschland

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Das Kaufhaus Rid hat eine 185 Jahre lange Tradition: Beim Jubiläums-VIP-Abend erinnerten Mitarbeiterinnen in historischen Kostümen an die Anfänge. Unser Bild zeigt sie mit Inhaber Florian Lipp (v.l.), Mutter Barbara und Vater Max Lipp, Bürgermeister Markus Loth und Jutta Liebmann von der Standort-Förderung der Stadt Weilheim. © Petra Straub

In 185 Jahren entwickelte sich das Kaufhaus Rid in Weilheim von einer Loden-Weberei zu einem modernen Modeunternehmen. Die „geheime Zutat“ für ein derart langes Leben verriet Inhaber Florian Lipp zum Auftakt der Jubiläumsfeierlichkeiten beim VIP-Abend. Und: „Rauchen ist gesund!“ Es rettete nicht nur das Leben von Josef Rid, sondern damit auch das Überleben des Unternehmens, sodass nun mit Modenschauen in allen drei Läden, einer Trendwerk-Party und Geburtstagskuchen ausgiebig gefeiert werden kann.

Weilheim – Als das Schloss Neuschwanstein gebaut wurde, war das Kaufhaus Rid in Weilheim bereits 44 Jahre alt. Für viele Gäste des VIP-Abends war das kaum vorstellbar. Doch Inhaber Florian Lipp, der das Geschäft seit 2004 in der sechsten Generation führt, gab in Frack und Zylinder kurzweilig Firmen-Geschichtsunterricht: 1840 von Ludwig Rid als Weberei für Leinen und Loden („Zum Loderer“) in der Oberen Stadt in Weilheim gegründet, wurde das Unternehmen später von dessen Sohn Josef weitergeführt. Dieser Umstand ist allein der Tatsache zu verdanken, dass er Raucher war. Denn 1870 im Krieg gegen die Franzosen hat der Gegner „direkt auf sein Herz gezielt“. Doch die blecherne Zigarettenschachtel in der Brusttasche hat die Gewehrkugel abgehalten. Ein Relikt, mit dem Lipp die Gäste in Staunen versetzte.

Kaufhaus-Rid-Inhaber Florian Lipp macht Firmengeschichte lebendig:  Glück im Unglück hatte einer seiner Vorfahren. Josef Rid traf im Krieg eine Gewehrkugel. Sie drang lediglich in die blecherne Zigarettenschachtel in seiner Brusttasche ein. Er überlebte. Das Kaufhaus dadurch auch.
Kaufhaus-Rid-Inhaber Florian Lipp machte beim VIP-Abend Firmengeschichte lebendig: Glück im Unglück hatte einer seiner Vorfahren. Josef Rid traf im Krieg eine Gewehrkugel. Sie drang jedoch lediglich in die blecherne Zigarettenschachtel in seiner Brusttasche ein. Er überlebte. Das Kaufhaus dadurch auch. © Petra Straub

Im Zuge der Industrialisierung stellte das Unternehmen 1865 von der Produktion auf den Handel um. Selbst gewebte Stoffe und zugekaufte Ware wie Bettfedern, Bettwäsche (Brautausstattung) und Knöpfe gab anfangs, letztere sind bis heute im Sortiment enthalten, um die Geschichte wach zu halten.

Ludwig Rids Sohn Cajetan und seine betuchte Braut Anna Krönner vollzogen 1919 in dritter Generation den Umzug in die Schmidstraße, wo sie eine ehemalige Schmiede erwarben und sanierten. Damals habe die Mode für Herren in etwa der von heute entsprochen, erinnerte Lipp. Heute natürlich ohne Chapeau Claque, einen faltbaren Zylinder, den Lipp aus dem Nachlass seines Vorfahrs aus einer flachen Hutschachtel zauberte. 1933 wurde erweitert, Cajetans Tochter Anna Rid heiratete Max Lipp, sie führten das Geschäft vor Max Lipp jun. und seiner Frau Barbara, die 1972 übernahmen. Von Bombenangriffen und Inflation handelte Lipps interessanter Rückblick – und vom am stärksten frequentierten Einkaufstag in der Firmengeschichte, als Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer 1976 im Kaufhaus einen Autogrammstunde abhielt. 1985 wurde das Kaufhaus abgebrochen und auf vier Etagen erweitert. Seit 1966 gibt es eine Filiale in Penzberg, seit 2008 in Bad Tölz. Florian Lipp kann heute mit Stolz behaupten, sein Kaufhaus sei das älteste noch existierende in Deutschland. Er verriet auch gerne die „geheime Zutat“ für den Erfolg: „Das sind unsere Mitarbeiter. Die Kunden werden von ihnen persönlich bedient.“ Dem rund achtzig-köpfigen Team zollte der Firmenchef besonderen Dank. Viele sind schon sehr lange dabei, eine Mitarbeiterin bereits seit 44 Jahren.

Erinnerungen an die gute alte Zeit mit glänzenden Augen

Beim VIP-Abend tauschten die Gäste nebst Häppchen, Cocktails und 18,5-Prozent-Schnäppchen Erinnerungen aus – an die Inneneinrichtung, die in Schürzen gekleideten Verkäuferinnen und die Spielzeugabteilung von einst, in der auch Bürgermeister Markus Loth als Bub glänzende Augen bekam. Er nahm an dem Abend die Gelegenheit wahr, um Familie Lipp zu danken. Rid sei ein „nicht wegzudenkender Magnet-Betrieb für Weilheim“, biete ein reales Einkaufserlebnis in der Innenstadt, beschäftige langjährige Mitarbeiter und bilde aus. Loth lobte auch das Engagement des Unternehmens in der Wirtschaftsförderung.

Trendwerk-Party, Modenschauen, Kaffee und Kuchen

Das Unternehmen hat es geschafft, die Tradition zu bewahren und den Wandel zu nutzen. Das drückt Rid in der Werbung mit Firmengründer Ludwig Rid im Andy-Warhol-Stil aus und zeigen App, Social-Media-Präsenz und Online-Verkauf. Weitergefeiert wird bei Rid am 26. September in Penzberg (Trendwerk-Party), 4. Oktober in Bad Tölz, 11. Oktober in Weilheim und 17. Oktober in Penzberg mit Modenschauen, bevor am 31.Oktober in Weilheim und am 7. November in Penzberg zu Kaffee und Geburtstagskuchen eingeladen wird.

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