Die meisten Krankenkassen erhöhen ihren Beitrag – und greifen dabei die Merz-Regierung an. Eine der größten Krankenkassen wird nun deutlich.
München – Bei dem Brief der Krankenkasse staunten bestimmt einige Versicherte nicht schlecht. Es gibt wieder eine Beitragserhöhung, vor der schon 2025 gewarnt wurde. Doch das wird nicht nur der Hauptgrund für die Empörung gewesen sein, sondern auch der erste lange Absatz der Erklärung, warum das so ist. Nämlich klare Worte gegen die aktuelle Regierung unter Friedrich Merz und Unzufriedenheit, wie das gehandhabt wird.
„Unerwartet starker Ausgabenanstieg“: Krankenkasse greift Merz-Regierung an
Die DAK, eine der größten Krankenkassen Deutschlands, schreibt nach einem einleitenden Satz an den Kunden: „Die Finanzlage in der gesetzlichen Krankenversicherung ist angespannt. Im Jahr 2025 hat es erneut einen unerwartet starken Ausgabenanstieg gegeben. Das gilt besonders für die Kosten bei Krankenhausbehandlungen, Arzneimitteln und für ambulante ärztliche Versorgungen.“ Erst kürzlich machten auch Joko und Klaas in ihren 15 Minuten live auf ProSieben über die Änderung bei Hebammen aufmerksam, die dafür sorgt, dass Hebammen sich ihren Job nicht mehr leisten können.
Im Brief der DAK heißt es weiter: „Durch die unzureichenden Reaktionen der Politik bestehen diese Finanzprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung weiter. Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen hat deshalb bereits im Oktober vor weiteren Beitragserhöhungen für 2026 gewarnt. Viele Krankenkassen sind deshalb gezwungen, ihren Zusatzbeitrag anzupassen. Dies ist auch bei uns erforderlich.“ Der neue Zusatzbetrag bei der DAK beträgt 3,2 Prozent und liegt damit etwas über dem Durchschnitt.
„Weckruf für alle“: GKV-Vorsitzender wendete sich an Politik – und nimmt Regierung in die Pflicht
Auch der Vorsitzende des GKV-Spitzenverbandes wandte sich schon zu Beginn des Jahres 2026 an die Politik, an die Merz-Regierung. Gesundheitsministerin im aktuellen Kabinett ist Nina Warken (CDU). Oliver Blatt berief sich auf eine Berechnung des GKV-Spitzenverbandes. Der Anstieg sei „deutlich“, sagte er. Er müsse „ein Weckruf für alle sein, die für unser Gesundheitssystem Verantwortung tragen“. Es sei jetzt wichtig, „aus dem Jahr 2026 ein echtes Reformjahr zu machen“.
Laut Stiftung Warentest erhöhten von den 72 für alle Verbraucherinnen und Verbraucher geöffneten Krankenkassen 35 zum Januar ihre Beiträge. 36 ließen die Beiträge demnach unverändert, eine senkte sie sogar. Die Erhöhungen liegen zwischen 0,2 und 1,1 Prozentpunkten. Die teuerste Krankenkasse verlangt laut Stiftung Warentest nun einen Beitrag von insgesamt 18,99 Prozent, die günstigste von 16,78 Prozent.
Zusatzbeitrag legen Krankenkassen selbst fest: Verbraucherschützer geben Rat an Versicherte
Durch einen Wechsel der Krankenkasse können Versicherte teils mehrere hundert Euro im Jahr sparen, betonten die Verbraucherschützer. Das sei einfach: Nach einem Antrag bei der neuen Kasse übernehme diese die Kündigung bei der alten. Anschließend muss noch der eigene Arbeitgeber informiert werden. Verbraucher sollten aber nicht allein auf die Beitragssätze achten, betonte Stiftung Warentest. Zuschüsse etwa zur Zahnreinigung, zu Gesundheitskursen oder ein attraktives Bonusprogramm könnten einen etwas höheren Beitragssatz rechtfertigen.
Den Zusatzbeitrag legen die Krankenkassen jeweils selbst fest. Sie begründen die Erhöhungen mit gestiegenen Kosten. Bundesgesundheitsministerin Warken hatte den durchschnittlichen Zusatzbeitrag offiziell für 2026 auf 2,9 Prozent festgelegt. Dies ist jedoch nur eine unverbindliche Richtgröße, die jetzt bereits überschritten wurde. Die Krankenkassen können ihren Zusatzbeitrag im Jahresverlauf auch weiter erhöhen, wenn sie dies für notwendig halten. Der Vorschlag von Warken wurde allerdings auch von vielen Krankenkassen zerlegt.
„Nur gemeinsam sichern wir die Zukunft“: GKV-Chef mit Appell an Politik und Gesundheitssytem
GKV-Chef Blatt forderte in der Bild-Zeitung laut der AFP, als dringlichste Maßnahme gegen steigende Krankenkassenbeiträge müsse der starke Anstieg bei den Krankenhauskosten und den Medikamentenpreisen gestoppt werden. Auch gelte es, das Problem langer Wartezeiten für Facharzttermine in den Griff zu bekommen. „Egal ob Politik, Krankenhaus- und Ärztevertreter, Krankenkassen und Pharmaindustrie – nur gemeinsam sichern wir die Zukunft der guten und finanzierbaren Versorgung der 75 Millionen gesetzlich Versicherten“, betonte der GKV-Vorstandschef. (Quellen: DAK-Schreiben, eigene Recherche, AFP) (ank)