Russisches Gas fließt noch immer in großen Mengen. Bei den Tageslieferungen erreicht der größte staatliche Erdgaskonzern Gazprom offenbar Rekordwerte.
Moskau – Der russische Gaskonzern Gazprom erreicht einen neuen Rekordwert bei den Gaslieferungen nach China. Die täglichen Gaslieferungen, die über die Pipeline „Power of Siberia“ nach China flossen, kletterten laut Unternehmensangaben am 10. Januar 2026 auf einen historischen Höchststand. Der Konzern scheint davon überzeugt zu sein, dass es nach den massiven Verlusten positive Aussichten geben wird. Russlands Wirtschaft dürfte sich über die Einnahmen freuen.
Nach Verlusten: Gazprom erreicht bei täglichen Gaslieferungen nach China offenbar Rekordwert
Bereits im Dezember 2025 ging Gazprom von vielversprechenden Umsätzen für das kommende Jahr aus. Das Unternehmen erwarte ein Einnahmeplus der Gasverkäufe von acht Prozent, so Famil Sadygov, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. Gazprom prognostiziert insgesamt eine Steigerung des Gewinns um rund drei Billionen Rubel (etwa Milliarden US-Dollar). 2025 lieferte Gazprom 38,8 Milliarden Kubikmeter Gas über die Pipeline Power of Siberia nach China und übertraf somit das Lieferziel von 38 Milliarden Kubikmetern. Das entspricht einem Anstieg von nahezu einem Fünftel im Vergleich zum Vorjahr.
Noch in den Jahren zuvor sah es nicht gut aus für Gazprom. So hat der staatlich kontrollierte Gasriese laut der russischen Agentur Interfax im Jahr 2024 einen Nettoverlust von 1,076 Billionen Rubel (12,89 Milliarden US-Dollar) verzeichnet. 2023 hatte das Unternehmen Verluste von sieben Milliarden Dollar verbucht – der erste Jahresverlust seit über 20 Jahren.
Im Jahr 2024 betrugen die Verluste nach russischen Rechnungslegungsstandards 1,076 Billionen Rubel (12,89 Milliarden US-Dollar). Sanktionen, sinkende Umsätze infolge des Ukraine-Kriegs und ein Rückgang des Marktwerts der Aktien von Gazprom Neft setzten dem Unternehmen stark zu. Im Zuge der finanziellen Krise kündigte Gazprom-Chef Mitte 2025 an, rund 1.600 Gazprom-Mitarbeiter zu entlassen. Der Konzern habe neben den Verlusten mit einer schwindenden Marktmacht in Europa zu kämpfen.
Gazprom will Lieferungen nach China ausbauen – doch Power of Siberia 2 bleibt auf der Strecke
Schenkt man den Unternehmensprognosen für 2026 Glauben, könnte Gazprom dieses Jahr bessere Zeiten erleben. Wesentlich für die künftige Entwicklung der Gaslieferungen wird der Ausbau der Power of Siberia 2 sein – das wohl zweitwichtigste Pipelineprojekt zwischen Russland und China, neben der bereits betriebenen Power of Siberia. Die neue Pipeline, also Power of Siberia 2, soll jährlich 50 Milliarden Kubikmeter Gas nach China pumpen.
Die neue Route würde über die Mongolei verlaufen, ausgehend von den Jamal-Feldern in Westsibirien. Allerdings gab es im Jahr 2025 zuletzt keine Anzeichen, dass das Projekt vorankommt. Experten zufolge könnte der Verkaufspreis russischen Gases ein Konfliktpunkt sein.
Russlands Wirtschaft ist auf China angewiesen bei den Gaslieferungen
Besonders mit Blick auf die EU-Sanktionen und den geplanten Ausstieg aus russischen Gasimporten, wird China als Gaskäufer immer wichtiger für Russland. Seit dem Ukraine-Krieg verlor Russland größtenteils den Zugang zum europäischen Gasmarkt – allerdings gibt es noch einige EU-Mitgliedstaaten, die hohes Interesse an Russlands Billiggas bekunden und es auch weiterhin beziehen. Ob China jedoch die wegbrechenden Gasverkäufe in die EU ausgleichen kann, bleibt abzuwarten. Das russische Wirtschaftsministerium schätzte noch 2025, dass die Einnahmen aus Gasexporten nach China im Zeitraum 2025 bis 2028 um 30–40 Prozent niedriger ausfallen werden als der Wert der Exporte nach Europa. (Quellen: Interfax, Gazprom Telegramkanal, reuters) (bohy)