Insolvenz-Welle trifft jungen Safthersteller – aus ungewöhnlichem Grund

  1. Startseite
  2. Wirtschaft

Kommentare

Ein junger Safthersteller ist insolvent. Unter anderem liegt das am Verhalten eines wichtigen Zulieferers. Der Betrieb ist eingestellt.

Bad Sassendorf – Die Insolvenzwelle wogt durch Deutschland. Erst kürzlich erwischte es den Betreiber eines Atomkraftwerks, einen familiengeführten Maschinenbauer und einen Einrichtungs-Giganten. Immer wieder fordern Ökonomen und Betriebe, dass die Regierung wichtige Reformen durchführen und überbordende Regulatorik abbauen müsse. In einem aktuellen Fall trifft es ein vergleichsweise junges Unternehmen – und zwar aus einem ungewöhnlichen Grund.

Safthersteller in der Insolvenz – „kein Kontakt mehr zu Geschäftsführer“

Diesmal musste das Fruchtwerk Milke aus Bad Sassendorf die Insolvenz anmelden. Ab 18. September hat das zuständige Amtsgericht Arnsberg das Verfahren gegen Inhaber Florian Milke eröffnet. Als vorläufiger Insolvenzverwalter agiert Jens Brömmelmeier von der Dortmunder Kanzlei White & Case. Auf der Homepage des Fruchtwerks ist in einer Warnmeldung zu lesen: „Sehr geehrte Kunden und Lieferanten, der Betrieb wurde im Rahmen eines Insolvenzverfahrens eingestellt. Wir danken für Ihre Treue.“

Saftregal in einem Supermarkt in New York.
Saftregal in einem Supermarkt in New York (Symbolfoto). Ein junger Safthersteller ist insolvent. Unter anderem liegt das am Verhalten eines wichtigen Zulieferers. Der Betrieb ist eingestellt. © IMAGO / Levine-Roberts

Was aber hat diese Insolvenz ausgelöst? Milke selbst nennt hier den Ausfall des wichtigsten Zulieferers als hauptsächlichen Grund. „Seit zwei Monaten habe ich keinen Kontakt mehr zu dem betreffenden Geschäftsführer“, sagte Milke. Vonseiten dieses Partners sei seit einer Weile keine Rohware mehr geliefert worden. Milke sagte dazu, er hätte „unglaublich schnell die Reißleine“ ziehen müssen – jede weitere Woche bei Vollbetrieb hätte nur Geld gekostet.

Zwar hätte es theoretisch die Option gegeben, andere Lieferanten zu suchen, etwa vom Bodensee, aber das hätte höhere Transportkosten mit sich gezogen. Höhere Transportkosten wiederum hätten die ganze Operation unwirtschaftlich gemacht.

Insolvenzgeld gesichert – Safthersteller erst vor Kurzem gegründet

Fruchtwerk Milke existiert erst seit 2014. Ursprünglich produzierte das Unternehmen Apfelsaft in der alten Mosterei des Klosters Abtei Königsmünster, zog aber 2015 in den heutigen Standort in Bad Sassendorf um. Die Mission: „Hervorragende Fruchtsäfte ohne Zusätze“ herzustellen.

Der Fruchtsafthersteller hat 16 Mitarbeiter, die für drei Monate Insolvenzgeld erhalten sollen. In welcher Form es danach weitergeht, ist noch unklar – aber ein Weiterbetrieb nach erfolgreicher Sanierung sei denkbar.

Insolvenz-Problem in Deutschland – Zahl der Pleiten wächst deutlich an

Aktuell steigt die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland zweistellig. Jüngste Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) zeigen, dass es im August 2025 etwa 11,6 Prozent mehr Unternehmensinsolvenzen gegeben hat als noch ein Jahr zuvor. Der Trend schwächt sich zwar leicht ab (im Juli waren es 19,2 Prozent gewesen), aber das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sieht nach einer vorübergehenden Entspannung wieder einen Anstieg der Insolvenzzahlen voraus.

Die Insolvenzen liegen 2025 über denen des Vorjahres und rund 51 Prozent höher als in einem durchschnittlichen August vor der Coronavirus-Pandemie. Die Auswirkungen der Insolvenzen im Herbst auf den Arbeitsmarkt sollen jedoch „moderat bleiben“, zitierte die Deutsche Presse-Agentur.

Es fehlt an Neugründungen – „erhebliche Defizite“ neben Insolvenz-Welle

Gleichzeitig aber schaden nicht nur mit den Insolvenzen die Ausstiege von Unternehmen der deutschen Wirtschaft, sondern auch fehlende Neugründungen. Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) braucht Deutschland, wenn es tatsächlich die gesetzten Klimaziele einhalten und die Energiewende durchziehen will, „eine Vielzahl von Innovationen, die die Unternehmenslandschaft stark verändern werden“.

Das lasse sich jedoch nicht nur im vorhandenen Unternehmensbestand bewältigen. Eine „Vielzahl von Gründungen“ müsse stattfinden, bei der technologiestarke Start-ups im Vordergrund stünden. Unternehmen, die den Wandel nicht bewältigen, müssten aus dem Markt ausscheiden. Im Bereich technologiestarke Gründungen weise Deutschland „erhebliche Defizite“ auf.

Um Neugründungen zu befeuern, müssten jedoch einige Probleme hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands entfallen. Unter anderem nennt das IW im IW-Report 13/2025 hier Überregulierung, Infrastrukturmängel und Fachkräfteengpässe.

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/wirtschaft/insolvenz-welle-trifft-jungen-safthersteller-betrieb-sofort-eingestellt-milke-saft-zr-93962063.html