Trump fährt Mercedes in die Parade – wichtiges Milliarden-Projekt vor dem Aus?

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Mercedes plant im US-Bundesstaat South Carolina die Produktion vollelektrischer Elektro-Vans. Doch die Trump-Regierung hält Milliarden-Förderung zurück – droht nun das Aus des Projekts?

Ladson/Stuttgart – Das Verhältnis von Donald Trump zu deutschen Autoherstellern gilt als angespannt. Das zeigte sich bereits vor einem Jahr, als der heutige US-Präsident – damals noch im Wahlkampf – sinngemäß sagte, dass die Produktion ausländischer Autos jedes Kind erledigen könnte. Er nannte zwar keine konkreten Markennamen, dafür aber den Bundesstaat South Carolina, in dem BMW und Mercedes heute zwei große Autofabriken betreiben. Diesen Gegenwind bekommt Mercedes aktuell auch wirtschaftlich deutlich zu spüren.

Trump vs. Mercedes: Wie ein Förderstopp in South Carolina die neue E-Van-Pläne ins Wanken bringt

So blockiert die Trump-Regierung derzeit Fördermittel für eine Erweiterung der Kastenwagenfabrik in Ladson (Charlston), einer Stadt in South Carolina. Dort sollte eigentlich eine neue Produktionslinie für Elektrovans entstehen. Die Kosten: 570 Millionen US-Dollar. Mehr als die Hälfe – 284,9 Millionen US-Dollar – sollten über das staatliche Subventionsprogramm „Domestic Manufacturing Conversion Grants“ des US-Energieministeriums (DOE) getragen werden.

Donald Trump. © Mark Peterson/AP/DPA

Die Regierung von Trump-Vorgänger Joe Biden hatte die Mittel im Rahmen des Inflation Reduction Acts und weiterer Programme zugesagt, da Mercedes zu den bereits 2.300 bestehenden Jobs vor Ort weitere 800 Stellen geschaffen hätte. Doch nun droht das gesamte Projekt zu scheitern, denn allein kann – oder will – Mercedes die Erweiterung zu elektrischen Antrieben der neuen Van Electric Archetecture (VAN.EA) nicht komplett vornehmen – das geht aus dem 30-seitigen Förderantrag hervor, den das Handelsblatt einsehen konnte.

Mercedes plant komplexe Werkerweiterung in den USA – Verzögerung trifft Konzern in angespannter Phase

In Ladson wurde bereits Ende Januar 2024 ein eSprinter in die Serie eingeführt. Mit VAN.EA könnte dann ab 2026 die neue Van-Architektur folgen. Sie verlangt dafür aber zusätzliche Umbauten in der Fertigung sowie Anpassungen in Logistik und Lieferkette und eine Qualifizierung der Belegschaft. Mithilfe der Förderung könnte Mercedes den Produktionsumfang pro Stunde verdoppeln, heißt es in dem Antrag weiter. Weltweit hat Mercedes angekündigt, dass ab 2026 alle neu entwickelten Vans auf VAN.EA basieren.

Der Bewilligungsstau trifft auf eine ohnehin herausfordernde Phase. Auf dem deutschen Markt lag Mercedes-Benz 2024 bei den BEV-Neuzulassungen hinter Volkswagen, BMW und Tesla – das zeigen die Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes. Speziell der Rückstand zum chinesischen Fabrikant BYD ist enorm.

Mercedes-Chef Källenius kündigt Elektro-Offensive an – erste Härtetest für Van-Modelle soll 2026 starten

Auch deswegen hat Mercedes-Chef Ola Källenius unlängst eine Wertschöpfungsoffensive angekündigt, in dessen Rahmen bis 2027 mehr als 40 neue Modelle auf den Markt kommen sollen. Auf der IAA Mobility in München wurde bereits im Mittelklasse-Segment der neue GLC vorgestellt – die vollelektrische Version soll bis Mitte 2026 erhältlich sein.

Damit setzt der Konzern ein Signal für die nächste Modellgeneration. Auf dem Marktsegment liegt der Anteil der vollelektrischen Vans allerdings noch bei unter zehn Prozent. Vor diesem Hintergrund gilt der Blick den anstehenden Van-Modellanläufen. Der erste Härtetest soll im Frühjahr 2026 folgen, wenn der Konzern die in seinem spanischen Werk in Vitoria hergestellten VLE- und VLS-Modelle herausbringt.

Autobauer reagiert auf Absatzkrise im Elektro-Segment und bietet bei Vans Kompromisslösung an

Technologisch sollen diese Fahrzeuge den Plattformwechsel untermauern. Beide sind aus der VAN.EA-Plattform entstanden und sollen bei einem 800-Volt-System über eine Reichweite von 500 Kilometern sowie einer Allradversion über 300 PS verfügen. Konkret sind diese Zahlen allerdings noch nicht.

Ein derartiger Output wäre aber wohl auch in South Carolina denkbar. Dennoch ist Mercedes neben der Ausprägung des VAN.EA bereits etwas zurückgerudert und hat eine Verbrenner-Variante, Van Combustion Architecture (VAN.CA), konzipiert. Damit reagierte der Konzern wohl kurzfristig auf die Absatzkrise im Elektro-Geschäft und zudem die verschärfte Unsicherheit am Markt.

Autobranche in Aufruhr wegen Verbrenner-Aus ab 2035 – das lähmt auch die Investitionen

Trotz des EU-Kurses, ab 2035 keine Verbrenner-Modelle mehr zuzulassen, plädieren immer mehr Player im Automobilsektor auf eine Kurskorrektur oder zumindest Ausnahmeregelungen. In den USA selbst konnte sich Mercedes bei den Verkäufen im E-Segment von Minus 52 Prozent im zweiten Quartal auf ein leichtes Wachstum von 6,4 Prozent im dritten Quartal retten. Auch bei Post- und Paketdienstleistern – potenzielle Absatzmärkte für die vollelektrischen Vans – zeigt sich der Umstieg zäh.

Die US-Post hat E-Transit-Fahrzeuge beschafft, laut Reuters mit Blick auf die Zielpfade jedoch hinter Plan. Auch private US-Zusteller wie UPS und FedEx meldeten laut Reuters im vergangenen Jahr erhebliche Probleme beim Umstieg auf E-Vans in ihrer Flotte. Batteriemangel, fehlendes Angebot sowie auch die wirtschaftspolitischen Unsicherheiten, die besonders die Förderlandschaft negativ beeinflussen, sind hauptverantwortlich für den Modernisierungsstau.

Politische Unterstützung für Mercedes – doch die Chancen für einen Deal mit Trump erscheinen gering

Doch politisch gibt es auch Fürsprecher von Mercedes: Ende Juni hatte die republikanische Abgeordnete aus South Carolina, Nancy Mace, einen zweistelligen Brief an Energieminister Chris Wright verfasst – davon berichtete die Washington Post. In dem Schreiben bittet sie den mit dem Förderprogramm befassten Wright darum, die Gelder für Mercedes freizugeben.

Die Abgeordnete argumentiert mit den zusätzlichen Arbeitsplätzen sowie das Kapital, das im Zuge einer Fabrikerweiterung in die Region fließe. Dabei verstehe sie Trumps Initiative zwar, „finanzielle Verantwortung innerhalb der Exekutive wiederherzustellen, insbesondere durch den Abbau von Verschwendung, Betrug und Doppelstrukturen“. Doch sollten bundesstaatliche Investitionen speziell Projekte mit nachhaltigem Wirtschaftswachstum weiterhin fördern, heißt es in dem Brief weiter.

Trump-Sprecher sagt deutschen Autobauern den Kampf an – und sein Chef prophezeite schon 2018 das Ende

Wright ließ in einem Statement nur verlauten, dass sich sein Ministerium derzeit in einer umfassenden Prüfung sei, ob „alle Aktivitäten dem Gesetz folgen und mit den Prioritäten der Trump-Regierung im Einklang stehen“.

Große Hoffnung dürfte sich Mercedes aber wohl nicht machen: Peter Navarro, Trumps leitender Handelsberater, hatte sich im April 2025 bereits zu deutschen Autobauern in den USA geäußert – und wie sein Chef hält er wenig davon: „Dieses Geschäftsmodell, bei dem BMW und Mercedes nach Spartanburg, South Carolina, kommen und wir deutsche Motoren und österreichische Getriebe zusammenbauen – das funktioniert nicht für Amerika.“ Und mehr noch: Es schade der nationalen Sicherheit. Donald Trump ging laut WirtschaftsWoche schon 2018 im Gespräch mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron noch weiter und prophezeite: Er werde die deutschen Autobauer jagen, bis kein Mercedes mehr die Fifth Avenue in New York rollen werden.  

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