Ein Kernkraftwerk in Nordrhein-Westfalen meldet Insolvenz an. Der Streit um die Rückbaukosten tobt seit Jahren, die Pleite des Betreibers könnte das Land Milliarden kosten.
Hamm – Die Betreibergesellschaft des bereits seit 1989 stillgelegten Kernkraftwerks THTR in Hamm-Uentrop steht vor dem finanziellen Aus. Die Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH (HKG) hat beim Amtsgericht Dortmund Insolvenz beantragt, nachdem die Finanzierung des geplanten Rückbaus gescheitert war. Dem Land Nordrhein-Westfalen und damit dem Steuerzahler droht nun ein Milliarden-Grab für ein Atomkraftwerk, das netto nur 423 Tage unter Volllast Strom geliefert hat.
Laut Angaben des Amtsgerichts Dortmund wurde das Verfahren eingeleitet, nachdem die Finanzierung des geplanten Rückbaus gescheitert war, wie David Bunzel aus der von der Staatsanwaltschaft als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellten Kanzlei Husemann & Partner gegenüber IPPEN.MEDIA am Donnerstag (25. September) bestätigte.
Kernkraftwerk-Betreiber insolvent: Milliarden-Rückbau wird zum Steuerzahler-Problem
„Ziel des Verfahrens ist es, die bisherige geordnete Stilllegung des Kernkraftwerkes durch Herstellung und Aufrechterhaltung des Betriebes des sog. sicheren Einschlusses fortzusetzen und den planmäßigen Rückbau des Kernkraftwerks THTR-300 im nordrhein-westfälischen Hamm-Uentrop zu sichern“, heißt es in einer Pressemitteilung der Kanzlei.
Die Betreibergesellschaft, hinter der der Energiekonzern RWE und einige Stadtwerke stehen, hatte zuvor vom Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen die Übernahme der Kosten für den Abbau sowie für die Entsorgung und Endlagerung des strahlenden Materials gefordert. Eine entsprechende Klage der Betreiber um die Atom-Abrisskosten scheiterte jedoch bereits 2024 vor dem Landgericht Düsseldorf. Auch die Berufung wurde im Juni 2025 vom Oberlandesgericht Düsseldorf abgewiesen.
Mit der vom Betreiber angemeldeten Insolvenz des Kernkraftwerks schwebt nun mit der Frage um die Abbruch-Kosten ein riesiges Damoklesschwert über der Landesregierung – es geht um nicht weniger als einige Hundert Millionen Euro, die der ab 2030 über zehn Jahre geplante Abbruch des Kraftwerks kosten soll.
Bereits von den ursprünglich mit 350 Millionen DM veranschlagten – und am Ende um die vier Milliarden DM teuren – Baukosten hatten den Löwenanteil die Bundesregierung mit 63 Prozent und das Land NRW 11 Prozent getragen.
| Kernkraftwerk in NRW: | THTR-300 (Thorium-Hoch-Temperatur-Reaktor) |
| Lage: | Hamm-Uentrop |
| Baubeginn: | 01.05.1971 |
| Kommerzielle Inbetriebnahme: | 01.06.1987 |
| Abschaltung: | 29.09.1988 |
| Baukosten: | Ca. vier MIlliarden DM |
Lange schon ist für den Abbruch nicht mehr von den ursprünglich angesetzten 350 Millionen Euro die Rede. Bereits 2021 sprach der NRW-Landtag auf Anfrage der Grünen offiziell von 753 Millionen Euro Gesamtkosten, mittlerweile wird über einen Betrag in Milliardenhöhe spekuliert.
„Nukleare Sicherheit jederzeit gewährleistet“: Land rechnet bereits mit Übernahme der Abrissarbeiten
Auf Anfrage der Redaktion erklärte eine Sprecherin des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie (MWIKE): „Das Wichtigste aus Sicht der Atomaufsicht: Die nukleare Sicherheit des THTR ist von der Insolvenz nicht betroffen, sie ist weiter gewährleistet“. Der sichere Einschluss der Anlage erfülle weiterhin alle sicherheitstechnischen Anforderungen und werde von der nordrhein-westfälischen Atomaufsicht laufend überwacht.
„Auch während des Insolvenzverfahrens bleibt die Aufsicht engmaschig bestehen“. Könne die Betreibergesellschaft notwendige Maßnahmen nicht mehr selbst umsetzen, werde die Aufsicht über sogenannte Ersatzvornahmen eingreifen: „Dafür hat das Land vorsorglich einen Rahmenvertrag mit einem qualifizierten Fachunternehmen abgeschlossen, das jederzeit Maßnahmen übernehmen kann. So ist die nukleare Sicherheit jederzeit gewährleistet.“