Das Jachenauer Herbstsingen zog viele Besucher an. Die Mischung aus Musik und Geschichten sorgte für eine besondere Atmosphäre. Überraschungen blieben nicht aus.
Jachenau – Draußen hatte der Föhn dem Septembertag noch einmal ein hochsommerliches Leuchten übergezogen. Doch damit ließ sich nicht darüber hinwegtäuschen, dass nun der Herbst das Zepter in die Hand nehmen wird. Die vielseitigen Stimmungen, die die dritte Jahreszeit ausmachen, konnten beim Jachenauer Herbstsingen auf klangvolle Weise ihre Wirkung entfalten. Die Besucher im gut besetzten Schützenhaus ließen sich gerne mitnehmen in die Welt volksmusikalischer Impressionen, eingebettet in Geschichten, Anekdoten, spontane Schilderungen und natürlich in bairische Poesie in bester humoriger und hintersinniger Machart.
Bereits zum 22. Mal hatte die in der Jachenau beheimatete Schodseitn-Musi zusammen mit dem örtlichen Trachtenverein zum Sänger- und Musikantentreffen eingeladen und neben Sängern und Musikanten mit Andreas Estner einen Ansager im Aufgebot, den wohl die meisten Volksmusikfreunde als sympathischen und rhetorisch versierten Moderator aus dem Radiosender BR Heimat kennen. So herrschte im Saal schnell eine gemütliche Atmosphäre, in der Lieder und Musikstückl mit viel Aufmerksamkeit, Freude und Begeisterung angenommen wurden.
Den weitesten Anfahrtsweg hatte die Kirchleitn-Soatnmusi zurückgelegt. Die sechsköpfige Formation mit Zitherspieler Rudi Ritter aus Schleching hatte alle Variationen vom gemütvollen Landler bis zur rassigen Polka in bester Tobi-Reiser-Manier mitgebracht.
„Hohe Qualität der Texte und Melodien“
Von der Instrumentierung her etwas ruhiger aufgestellt war die Friahnebel-Musi mit Zither und zwei Gitarren. Doch sind die drei Musikantinnen aus dem „blauen Land“ rund um Murnau mit gleicher Leidenschaft auch gesanglich aktiv. Eine besondere Vorliebe haben sie dabei für die Lieder von Kathi Greinsberger, erzählten sie auf Andreas Estners Nachfrage. Greinsberger, bekannt als glockenklare erste Stimme der legendären Fischbachauer Sängerinnen, hat zu Lebzeiten an die 100 Lieder geschrieben, setzte Estner den Faden fort. Diese Lieder hätten sich im ganzen Alpenraum verbreitet. „Sie zeichneten sich aus durch eine hohe Qualität der Texte und Melodien.“ Als Beispiel dafür ließ der Friahnebel-Gsang das feinfühlige Liebeslied „Und i woass net amoi, wias hoasst, dees schee Toi“ hören.
Von der unbekümmerten Art konnte man dagegen die junge „Oana nachm andern-Musi“ aus dem Werdenfels kennenlernen, die an diesem Abend mit Ziach, zwei Flügelhörnern, Basstrompete, Ventilposaune, Kontrabass und Gitarre schneidig aufwartete. Launig schilderte Korbinian Melf, dass er vor gut einem Jahr einen angefragten Aufritt mit einer Gruppe zugesichert hatte, obwohl noch gar keine Mitspieler vorhanden waren. Erst nach und nach, von einer Probe zur anderen, sei die Besetzung als Tanzlmusi zustande gekommen und jetzt gerne als solche unterwegs.
Bleibt noch das Duo Kloiber/Janßen aus Gaißach und Lenggries. Ihre Spezialität sind „lustige Sachen, Gstanzl, alte Couplets, weil sowas für an Zwoa㈠gsang guat passt“, meinte Sepp Kloiber zur Auswahl ihrer Lieder. Sie greifen dabei auch zurück auf Raritäten aus der Sammlung vom Kiem Pauli und ließen in der Jachenau beim Gstanzlsingen freigeistig örtliche Begebenheiten mit einfließen – zur Gaudi des Publikums.
Zum Schluss aber bezauberte die Kirchleitn-Soatnmusi fein und wohlgesetzt mit einer „staaden Weis‘“ und unterstrich einmal mehr, dass die Volksmusik ebenso reich an Kontrasten ist wie der Herbst. (Rosi Bauer)
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