„Es regt mich auf“: Patientin kritisiert Krankenkassen

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Ultraschall während der Schwangerschaft wird von der Kasse nur begrenzt übernommen. © Patrick_Pleul

Gabriele Wendland bedauert, eine IGeL-Leistung abgelehnt zu haben. Ihr Glaukom wurde zu spät erkannt. Die Krankenkassen zahlen die Messung nicht. Wie halten es Mediziner generell mit IGeL-Leistungen?

Bad Tölz - Die Gesundheit ist den meisten Menschen viel wert. Doch ist es wirklich sinnvoll, beim Arzt für Leistungen selbst zu bezahlen, die die gesetzliche Krankenkasse nicht übernimmt? Der Medizinische Dienst Bund sorgte erst kürzlich für Schlagzeilen, als er die „individuellen Gesundheits-Leistungen“ (IGeL) unter die Lupe nahm. Die meisten Angebote, so hieß es, hätten bestenfalls keinen nachgewiesenen Nutzen oder würden sogar Risiken bergen. Bei Ärzten und Patienten im Landkreis gibt es ganz unterschiedliche Perspektiven auf das Thema.

Vorsorge gegen den grünen Star

Gabriele Wendland aus Bad Tölz wünscht sich, sie hätte eine bestimmte IGeL-Leistung früher in Anspruch genommen, nämlich eine Messung des Augeninnendrucks, der, frühzeitig festgestellt, auf ein Glaukom hinweisen kann. „Es regt mich sehr auf, dass das von den Kassen nicht bezahlt wird“, sagt die 61-Jährige.

Sie selbst habe die Messung bei einem früheren Augenarzt-Besuch wegen der Kosten abgelehnt. Jahre später, als sie das Gefühl hatte, auf einem Auge nicht mehr so gut zu sehen, habe sie dann beim Optiker das Angebot einer kostenlosen Augendruck-Messung in Anspruch genommen. „Die Optikerin war entsetzt und hat mich sofort zum Augenarzt geschickt.“ Der habe ein bereits fortgeschrittenes Glaukom festgestellt. Inzwischen liege ihre Sehkraft auf einem Auge nur mehr bei 20 Prozent. Wäre der grüne Star, wie das Glaukom auch genannt wird, rechtzeitig erkannt worden, hätte man mit Augentropfen gegensteuern können.

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Auch Dr. Tomas Schaal aus Bad Heilbrunn bezeichnet die jährliche Messung des Augeninnendrucks bei Patienten ab 40 als „sinnvolle Vorsorgemaßnahme“. Denn einen erhöhten Druck spüre der Patient nicht. Liege aber erst einmal eine Schädigung des Sehnervs vor, dann sei das nicht mehr umkehrbar, erklärt der stellvertretende Bezirksvorsitzende im Berufsverband der Augenärzte (BVA). Für die Untersuchung müssen die Patienten ihm zufolge 28 Euro bezahlen.

„Kein unnötiges Baby-Watching“

Im Fachbereich Gynäkologie würden Selbstzahler-Leitungen im Allgemeinen „vernünftig und verhältnismäßig gehandhabt“, sagt die Tölzer Frauenärztin Dr. Gabriele Stache-Altena. Sie nennt ein Beispiel: Während der Schwangerschaft bezahlt die Kasse drei Ultraschalluntersuchungen. „Ich biete zusätzlich bis zu drei weitere Schalle an, die dann selbst gezahlt werden müssen“, sagt Stache-Altena. Diese sei „kein unnötiges Baby-Watching“, sondern es sei verständlich, wenn die werdenden Mütter wissen wollten, wie groß das Baby ist, wie es liegt und wie sich der Mutterkuchen entwickelt.

Ein weiteres IGeL-Thema in der Gynäkologie sind Ultraschalluntersuchungen der Eierstöcke. Stache-Altena sieht das Thema differenziert. Für ein allgemeines Screening zur Entdeckung bösartiger Krebserkrankungen werde diese Methode zwar nicht mehr empfohlen. Aber der Ultraschall zeigt laut Stache-Altena auch gutartige Veränderungen, bei denen es gut sei, wenn sie rechtzeitig auffallen. Auf Anfrage der Patientinnen und nach individueller Beratung biete sie die Untersuchung daher als IGeL-Leistung an.

Diese Hausärztin ist gegen das „igeln“

Bei Hausärzten sind IGeL-Leistungen etwas seltener ein Thema. Allgemeinmedizinerin Dr. Stephanie Achtelik-Cotta, die zum 1. Juli die Hausarztpraxis in Dietramszell übernommen hat, sagt: „Wir igeln gar nicht.“ Zumindest biete sie die Selbstzahlerleistungen nicht aktiv an. Frage ein Patient nach einer Messung des PSA-Werts zur Früherkennung von Prostata-Krebs, dann berate sie zu Vor- und Nachteilen. Generell aber, so Achtelik-Cotta, stehe sie nur hinter Behandlungen und Untersuchung mit nachgewiesenem Nutzen.

Vitamin-Check lieber nur gezielt

„Einige IGeL-Leistungen können durchaus sinnvoll sein, andere weniger“, findet der Tölzer Hausarzt Dr. Matthias Bohnenberger. Wenn Patienten einen „kompletten Mineralien- oder Vitamin-Check“ wünschen, „kostet es eine Menge, die meisten Ergebnisse werden aber in Ordnung sein“, so der Mediziner. Da seien gezielte Untersuchungen sinnvoller, zum Beispiel auf einen möglichen Vitamin-B12-Mangel bei Veganern.

Bohnenberger bietet als IGeL-Leistung Akupunktur zur Schmerzbehandlung an. Die werde von der Kasse bezahlt – aber nur bei Schmerzen in der Lendenwirbelsäule oder bei Kniegelenkarthrose, nicht aber bei Migräne oder zum Beispiel bei Schmerzen nach Gürtelrose. Bohnenberger erklärt sich das so: „Tabletten kommen die Kasse billiger.“

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