Die Ferdinand-Feldigl-Schule gewinnt den Grundschulwettbewerb für klimafreundliche Schulwege. Die erfolgreichste Einzelklasse kommt von der Schule Eurasburg-Beuerberg.
Jachenau/Eurasburg – Öfter aufs Auto verzichten und Wege lieber klimafreundlich zu Fuß, mit dem Fahrrad, Roller oder dem Bus zurücklegen: Dieser gute Vorsatz ist in der Stadt leichter umsetzbar als auf dem Land, wo die Entfernungen groß sind und der Bus nur selten fährt. Umso bemerkenswerter ist es, dass nun gerade die Ferdinand-Feldigl-Schule in der Jachenau einen Wettbewerb gewonnen hat, bei dem jeder nachhaltig zurückgelegte Weg zählte. Ebenfalls ganz vorne mit dabei war die Grundschule Eurasburg-Beuerberg. Hier war die 1a die erfolgreichste Klasse im Landkreis.
Der Grundschulwettbewerb „Fit in die Schule, fit für die Zukunft“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der MVV-Verbundlandkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Dachau, Freising, Miesbach und Starnberg und wurde im Rahmen der Allianz „Mobile Zukunft München“ initiiert. Bei der Preisverleihung im Landratsamt bezeichnete es Toni Strobel-Vogt vom ÖPNV-Team im Landratsamt als „richtig toll“, dass sich bei der ersten Auflage im Landkreis gleich zehn Schulen mit insgesamt 110 Klassen und 2527 Schülerinnen und Schülern beteiligten.
Jachenau erfolgreich im Wettbewerb „Fit in die Schule, fit für die Zukunft“
Zu Beginn wurden die Kinder mit einer packenden Geschichte fürs Thema Klimaschutz sensibilisiert: Eine Eisbären-Mama wird durch die Eisschmelze in der Arktis von ihrem Kind getrennt. Dargestellt war diese prekäre Lage auf einem Poster, das in den Klassenzimmern hing. Für jeden Schulweg, den sie klimafreundlich absolvierten, durften die Kinder einen weißen Eisschollen-Aufkleber anbringen und so den Eisberg bildlich wiederaufbauen. Im Landkreis seien in drei Wochen rund 25.000 nachhaltig zurückgelegte Strecken zusammengekommen, so Strobel-Vogt.
Die beste Schule nicht nur in Bad Tölz-Wolfratshausen, sondern sogar in allen teilnehmenden Landkreisen war die Ferdinand-Feldigl-Grundschule in der Jachenau. 42 Kinder werden dort in zwei Kombiklassen unterrichtet, und für die meisten ist der Weg aus den weit verstreuten Ortsteilen zur Schule in Wieden weit. Es verkehrt ein kleiner Schulbus mit acht Plätzen. Im Wettbewerbszeitraum seien die Kinder zusätzlich „sehr motiviert“ gewesen, aufs Mamataxi zu verzichten und auf Radl oder Roller umzusteigen, berichtet Lehrerin Claudia Schneider-Michl. „Sogar wenn die Mütter mal bei schlechtem Wetter gesagt haben, dass sie die Kinder doch einmal zur Schule chauffieren, haben sie gesagt: Nein, dann kann ich keinen Sticker aufkleben! Sie sind lieber bei Wind und Wetter geradelt.“
Schulweg in der Jachenau führt über Staatsstraße
Andrea Kiening, die die Klasse 3/4 unterrichtet, bedauert dabei, dass der Jachenauer Radweg noch immer nicht bis zur Schule weitergebaut wurde, sondern, aus Richtung Lenggries kommend, weiterhin in Raut endet. So führe der Schulweg zwangsläufig über die gefährliche Staatsstraße 2072. Die erschwerten Bedingungen aber konnten die kleinen Jachenauer nicht aufhalten. Ihre umweltfreundlichen Fahrgewohnheiten hätten viele auch nach dem Ende des Wettbewerbs beinbehalten, sagt Schneider-Michl. Die Aktion habe den Mädchen und Buben das Gefühl gegeben, den Bedrohungen des Klimawandels nicht machtlos gegenüberzustehen, sondern selbst etwas tun zu können.
In der Grundschule Eurasburg-Beuerberg – in der Landkreiswertung auf Platz 2 – sei für die meisten Kinder der Bus das Verkehrsmittel der Wahl, berichtet Claudia Mückstein, Klassleiterin der 1a. Dass der Individualtransport im Auto vor der Schule für Verkehrsprobleme sorgt, das sei vielen Familien – besonders denen, die in unmittelbarer Nähe wohnen – sehr bewusst. „Der Wettbewerb war jetzt noch mal ein extra Anreiz, um das nicht zu machen und mit den Kindern über das Thema zu reden“, sagt Mückstein.
Landkreis mit der höchsten Beteiligung
„Ihr habt mit vielen kleinen Wegen etwas ganz Großes geschafft“, lobte Landrat Josef Niedermaier bei der Preisverleihung die Kinder. Dass Bad Tölz-Wolfratshausen der Landkreis mit der höchsten Beteiligung war, „das macht mich stolz“.
Als Belohnung darf die 1a der Grundschule Eurasburg-Beuerberg nun einen Ausflug nach Wolfratshausen machen und dort mit einem Förster den Bergwald erkunden. Die Jachenauer Schule erhält ein Preisgeld von 500 Euro. Und die Jachenau bekommt einen ungekannten ÖPNV-Anschluss: Für einen Tag gastiert an der Schule ein S-Bahn-Fahrsimulator.