„Der Biber nimmt dramatisch überhand“

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Die Überreste eines Biberdamms zeigen Landwirt Jakob Gilgenreiner und Gemeinderätin Susanne Merk, die beide ihre Höfe und Weideflächen an der Großen Gaißach haben. Den Damm hat das kleine Hochwasser von Sonntag auf Montag zur Hälfte weggerissen. © Rainer Bannier

Schäden an Wildbächen und Wegen durch Biber nehmen zu. Besonders wohl scheinen sich die Nager an der Großen Gaißach zu fühlen. Ein Abschuss ist verboten.

Gaißach/Jachenau – Landwirt Jakob Gilgenreiner hat es bei der Bürgerversammlung am Sonntag angesprochen, und damit war es jetzt auch Thema im Gemeinderat: Die Rede ist vom Biber, der an der mäandernden Großen Gaißach im Bereich von Mühl ein Paradies vorzufinden scheint. Auf einem kurzen Flussabschnitt reiht sich dort eine Biberburg an die nächste. Im Fluss haben die Nagetiere zahlreiche Dämme errichtet, und in den flussnahen Weidebereichen trifft man überall auf Ausgänge, Rutschen und Aushöhlungen, wo der Weideboden nachgibt.

Der Biber ist ein bewundernswert fleißiger Baumeister. Unentwegt nagt er Bäume ab und verbaut die Äste zu Dämmen, die den Bach aufstauen und einen gleichbleibend hohen Wasserspiegel halten sollen. So schützt er seinen Nachwuchs vor Fressfeinden, denn der Eingang zur Biberburg liegt dann immer tief genug unterhalb der Wasseroberfläche. Doch das Verhältnis von Mensch und Biber ist konfliktbeladen. Die Dämme werden bei Hochwasser weggerissen und können an Hindernissen zu Verklausungen und Überschwemmungen führen. Und die angrenzenden Wiesen werden derart ausgehöhlt, dass Weidetiere und Landmaschinen dort einbrechen können.

Entnahme nur in Ausnahmefällen

Was also tun, denn der Biber ist streng geschützt? Ein Abschuss ist verboten, und vergrämen lässt er sich kaum. Susanne Merk erinnerte an eine Aussage des früheren Biberberaters im Landratsamt, der die beschriebenen Verhältnisse bestätigt und Ausnahmegenehmigungen für Entnahmen für möglich angesehen habe. Aber das Wort vom Abschuss mochte im Gemeinderat niemand in den Mund nehmen. Bürgermeister Stefan Fadinger konstatierte „Ratlosigkeit“ und berichtete davon, dass die Gemeinde Jachenau vor ähnlichen Problemen steht.

Deren Rathauschef Klaus Rauchenberger hatte das Problem jüngst bei einem Bürgermeister-Treffen thematisiert. „Der Biber nimmt bei uns überall dramatisch überhand und ist schon längst keine bedrohte Tierart mehr“, sagt Rauchenberger auf Nachfrage. „Die Schäden gehen ins Immense: an Wildbächen werden ganze Tallagen aufgestaut, Schutzwald wird zerstört und Erschließungswege werden unterhöhlt und unbefahrbar. Es geht längst auch um Sicherheits- und Haftungsfragen, aber den Biberbeauftragten interessiert das nicht.“