Der Wert von Wäldern und Auen: Arbeitskreis „Haut der Berge“ eröffnet Ausstellung in Tegernsee

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Tegernsee
  4. Tegernsee

Kommentare

Die Macher der Sonderausstellung: (v.l.) Paul Mathes, Constanze Mathes, Susanne Heim, Fritz Joachim und Thomas Bachhuber. Es fehlt Elisabeth Brugnetti. © Christian Scholle

Der Schutz der Bergwälder und des Waldbodens ist das große Anliegen des Arbeitskreises „Haut der Berge“. Im Heimatmuseum in Tegernsee hat er jetzt eine eindrucksvolle Ausstellung eröffnet.

Tegernsee - Erstmalig in seiner Geschichte startet das Museum Tegernseer Tal zeitgleich mit zwei Sonderausstellungen in die Museumssaison. Während kürzlich im Erdgeschoss die Ausstellung zum Tegernseer Ortsbild und Kulturraum eröffnet wurde, widmet sich die Schau im Dachgeschoss dem Naturraum im Tegernseer Tal. Genauer gesagt, den Bergwäldern und Auenlandschaften, die seit Tausenden von Jahren von Menschen genutzt werden.

Schutz der Bergwälder und des Waldbodens als Anliegen

Zusammengestellt hat die Ausstellung der Arbeitskreis „Haut der Berge“ der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal. „Unser Anliegen ist der Schutz der Bergwälder und des Waldbodens. Wir setzen uns für eine behutsame und naturschonende Nutzung dieser Landschaften ein, die eben nicht nur Wirtschaftsräume sind, sondern vielmehr unser aller Lebensraum“, erklärt Susanne Heim, die die Arbeitsgruppe vor acht Jahren initiiert und die Ausstellung nun gemeinsam mit Fritz Joachim, Thomas Bachhuber, Constanze und Paul Mathes und Elisabeth Brugnetti zusammengestellt hat.

Bilder von märchenhaften Landschaften und geschädigten Wegen

„Es sind die Ergebnisse aus sieben Jahren Beobachtungen, Dokumentationen und Erhebungen“, sagt Paul Mathes und weist auf die Fotos, die alle aus den Tegernseer Bergen stammen. Sie zeigen nahezu märchenhaft wirkende lichtdurchflutete Wälder, Blätter und wasserspeichernde Moose, aber auch durch Maschinen und Mensch versehrte Baumstämme, Wurzeln und Böden. Neben den Stimmungsbildern der verschiedenen Landschaften, der Vielfalt ihrer Pflanzen und den Makroaufnahmen der Geißel- und Wimpern-Tierchen sind auch Hornmilben zu sehen. Sie muten wie fantastische Unterwasser-Tierwesen an. In einer Handvoll des Waldbodens leben mehr von ihnen als Menschen auf der Erde. Daneben hängen auch Fotos von Murenabgängen, Schäden der Seilbahnarbeit und irreversibel geschädigten Rückewegen.

„Schwammfunktion“ des Waldbodens muss erhalten bleiben

Schautafeln mit Diagrammen und Grafiken, beispielsweise über die Grundwasserneubildung in der Langenau, dokumentieren die Folgen der Waldwirtschaft. Zwei Zehn-Liter-Gießkannen an einem zirka 20 auf 20 Zentimeter großen Stück grünem Teppich veranschaulichen die enorme Wasserspeicherkapazität eines gesunden Waldbodens: „Ein Quadratmeter Waldboden der zirka 30 Zentimeter dicken, obersten Schicht kann 200 Liter Regen speichern“, sagt Heim. Und auch, dass die Bildung dieser 30 Zentimeter 1000 Jahre dauert und diese „Schwammfunktion“ nicht zerstört werden darf.

Unsere Kinder könnten morgen auf dem Trockenen sitzen

„Der Waldboden dient als Wasserspeicher, als Wasserfilter, als Nahrungslieferant, als Kohlenstoffspeicher, als Schutz vor Flutereignissen. Und er ist das Leitungssystem zu unseren Grundwasserspeichern, der es auch noch mit Mineralien anreichert“, sagt Joachim. Mit Blick auf eine Auswertung von 1600 Messstellen in Bayern stellt er fest: „Bayern geht das Wasser aus, gesunkene Grundwasserspiegel wie in der Langenau sind kein lokales, sondern ein flächendeckendes Problem.“ Grundwasser ist die Voraussetzung für Trinkwasser. Wer heute Waldboden zerstört, dessen Kinder sitzen morgen auf dem Trockenen.

All dies macht die Ausstellung deutlich. Sie erklärt gleichermaßen wissenschaftlich wie emotional aufrührend komplexe Zusammenhänge dieser „Haut der Berge“. Die TTT bietet ab 2. Juni bis 9. August Führungen an. Einheimische, Gäste und vor allem Kinder, Jugendliche sowie Schulklassen sind explizit eingeladen.

ak

Auch interessant

Kommentare