Caritas Kreisgeschäftsführerin: „Drohende Obdachlosigkeit kann jeden treffen“

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Damit Menschen nicht auf der Straße landen, kümmert sich die Caritas-Fachstelle Wohnen um Mieter, die Probleme mit der Miete haben. © SYMBOLFOTO / SVEN SIMON

Die Wohnungsnot im Landkreis Dachau nimmt zu. Heidi Schaitl, Caritas Kreisgeschäftsführerin, stellt die Arbeit der Fachstelle Wohnen vor. Sie betont, dass auch Familien betroffen sein können.

Landkreis Dachau – Auch im Landkreis Dachau ist Wohnungsnot ein immer brisanter werdendes Thema. Der Fachstelle Wohnen der Caritas gehören mittlerweile neun Gemeinden an – und sind begeistert, wie oft die Stelle bereits verhindern konnte, dass Menschen obdachlos werden. Im Interview stellt die Caritas Kreisgeschäftsführerin Heidi Schaitl die Arbeit bei der Fachstelle vor, erklärt, wie sie helfen kann, und wer das Angebot in Anspruch nehmen kann. Schaitl betonte dabei: Drohende Obdachlosigkeit kann jeden treffen, auch zunehmend Familien.

Was ist das Ziel der Beratungsstelle?

Die Fachstelle hat das Ziel, Mietverhältnisse zu retten und nachhaltig zu sichern. Ist dies nicht möglich, weil beispielsweise eine Eigenbedarfskündigung vorliegt, dann ist das Ziel, eine andere Wohnmöglichkeit zu finden.

Kann man sagen, Sie kitten die Probleme, bevor sie entstehen?

Wenn die Fachstelle angefragt wird, liegt bereits ein Problem vor, wie ein Mietrückstand, eine Mietvertragskündigung oder ein Konflikt zwischen Mietparteien. Im Idealfall melden sich die Mieter oder die Vermieter bei uns, bevor die Situation eskaliert ist. Die in der Fachstelle tätigen Sozialpädagoginnen erarbeiten dann mit Mieter und Vermieter eine Lösung. Aber auch wenn es bereits ein gravierenderes Problem gibt, wenn zum Beispiel eine Räumungsklage vorliegt, können sich die Betroffenen bei uns melden. Das Motto ist jedoch: Je früher, desto besser. 

Seit wann läuft das Projekt und wie oft konnten Sie bereits helfen, dass jemand nicht obdachlos wird?

Die Stelle hat im Herbst 2020 als Projekt in sieben Gemeinden begonnen. Inzwischen haben sich zwei weitere Gemeinden angeschlossen. Im Jahr 2023 konnten insgesamt 40 Menschen beziehungsweise Familien mit Unterstützung der Fachstelle eine gute Lösung finden.

Wie schätzen Sie den Bedarf für die Beratungsstelle ein?

Der Bedarf ist groß. Wohnraum ist eine knappe Ressource in unserer Region. Gleichzeitig nehmen aufgrund der Krisen finanzielle Existenzsorgen sowie psychische Belastungen und Erkrankungen zu, die Menschen aus der Bahn werfen können. In manchen Fällen besteht dann sogar die Gefahr, die Wohnung zu verlieren. Wir gehen leider davon aus, dass der Bedarf in den nächsten Jahren noch steigen wird.

Fachstelle hilft mit Anträgen und bei Überforderung

Wie sieht das Angebot konkret aus?

Meldet sich ein Mieter, analysiert die Sozialpädagogin mit dem Mieter die Ursachen. Sie erstellen einen Haushaltsplan und prüfen, ob und wie die Miete künftig gezahlt werden kann. Sie nehmen Kontakt mit dem Vermieter auf und besprechen Lösungsmöglichkeiten.

Kennt die Wohnungsnot: Caritas Kreisgeschäftsführerin Heidi Schaitl.
Kennt die Wohnungsnot: Caritas Kreisgeschäftsführerin Heidi Schaitl. © privat

Können Sie an Beispielen zeigen, wie Sie helfen konnten?

In einem Fall stellte die Beraterin bei der Analyse des monatlichen Budgets fest, dass das Einkommen der Klientin für Miete und den notwendigen sonstigen Lebensunterhalt nicht ausreicht, und ein Anspruch auf ergänzende Sozialleistungen besteht. Sie unterstützte die Klientin beim Antrag auf Leistungen. Da so die Miete gesichert war, gelang es ihr, mit dem Vermieter für den Rückstand eine Ratenzahlung zu vereinbaren.

Ein weiteres Beispiel?

Ein älterer Herr baute nach dem Tod seiner Lebensgefährtin stark ab und verwahrloste in der Wohnung. Die Nachbarn waren durch den Geruch belästigt. Die Sozialpädagogin konnte sein Vertrauen gewinnen und überzeugte ihn, die Wohnung entrümpeln und sanieren zu lassen. Der Mann nahm gerne weitere Hilfen der Caritas an, um wieder mehr am Leben teilzuhaben und es mit der Wohnung nicht wieder so weit kommen zu lassen.

Sie bieten vielseitig Hilfe an – inwiefern?

Die Fachstelle Wohnen ist in ein großes Netzwerk eingebunden und vermittelt an weiterführende Angebote. Viele davon sind Angebote der Caritas, wie die Schuldnerberatung, die Beratungsstelle für psychische Gesundheit, die Eltern- und Jugendberatung, die Suchtberatung und einige mehr.

Wer kann sich an Sie wenden?

Es können sich alle Mieter in den beteiligten Gemeinden an uns wenden, die ihre Miete nicht mehr zahlen können, einen Mietrückstand, eine Kündigung des Mietvertrags oder einen Konflikt mit dem Vermieter oder einer anderen Mietpartei haben, so dass das Mietverhältnis gefährdet ist. Sehr gerne können sich auch Vermieter an uns wenden. Darüber hinaus wenden sich auch die beteiligten Gemeinden und viele Netzwerk- und Kooperationspartner an uns.

Wir sehen in allen Gemeinden Bedarf.

Welche Gemeinden sind dabei?

Die Gemeinden Erdweg, Haimhausen, Markt Indersdorf, Röhrmoos, Schwabhausen, Vierkirchen, Weichs, Bergkirchen und Hilgertshausen-Tandern. Die Stadt Dachau hat eine eigene kommunale Fachstelle.

Sehen Sie bei noch mehr Gemeinden Bedarf?

Wir sehen in allen Gemeinden Bedarf.

Wohnungsnot – nimmt dieses Thema eher zu oder ab?

Die Wohnungsnot nimmt in unserer Region zu. Selbst Menschen mit gutem Einkommen tun sich häufig schwer, eine Wohnung zu finden. Für Menschen mit niedrigem Einkommen, Familien mit mehreren Kindern, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen, anerkannte Asylbewerber und viele weitere Personengruppen ist es besonders schwer, eine Wohnung zu finden.

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