Aus der Geschichtswerkstatt: Einblicke in Die Schulzeit des Räuber Kneißls

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Dachau
  4. Sulzemoos

KommentareDrucken

Das Braun-Schulhaus in Sulzemoos zeigt diese Postkarte um 1900 links vorne, dahinter steht das Pfarrhaus und die Kirche. © Geschichtswerkstatt

In dem neuesten Artikel der Geschichtswerkstatt geht es um Räuber Kneißls Schulzeit. Von einem Schüler, der grenzenlos faul war, aber doch gute Noten schrieb.

Sulzemoos – Über Räuber Kneißl ist schon viel geschrieben worden. In diesem Artikel der Geschichtswerkstatt geht es um seine Schulzeit in Sulzemoos. Damals wusste noch niemand, dass Mathias als berühmter Räuber in die Geschichte eingehen würde. Doch es gab Lehrer, die ihm damals schon eine Zukunft im Gefängnis vorausgesagt hatten.

Räuber Kneißl schrieb während seiner Schulzeit keine schlechten Noten

Sein Lehrer Jakob Hindinger aus Unterweikertshofen, wo Mathias die ersten Schuljahre verbrachte, bezeichnete ihn 1883 als eine „Zuchthauspflanze“. Dabei waren seine Noten gar nicht schlecht. Er hatte bei Schuleintritt 1881 in der Vorbereitungsklasse meistens eine Zwei in Rechnen, Lesen und Schreiben, manchmal sogar eine Eins und einige Male eine Drei. Sogar im „Sittlichen Betragen“ verbesserte er sich von einer drei am Schuljahresanfang auf eine Zwei und schließlich auf eine Eins am Schuljahresende.

Grenzenlose Faulheit

Ab 1886 ging Mathias in Sulzemoos in die Schule. Dass er begabt war, wurde von seinem Lehrer dort durchaus erkannt. Er schrieb im Zeugnis 1887 über den 11-jährigen Mathias: „Fähigkeiten sind ihm nicht abzusprechen, seine Faulheit ist jedoch grenzenlos, infolge Nachlässigkeit und grenzenloser Unaufmerksamkeit leistet er fast gar nichts. Strafen und Ermahnungen sind ganz nutzlos. Er hat keinen Sinn für die Schule.“

Der Lehrer bemühte sich offenbar, wie Mathias Kneißl später schrieb. Doch einen Sinn für die Schule zu entwickeln, war bei diesem Elternhaus fast unmöglich. Die Eltern selbst hielten nichts von schulischer Bildung. Seine Mutter brachte ihren Söhnen lieber das Schießen bei. Die Kinder besuchten damals sieben Jahre die Volksschule und anschließend drei Jahre sonntags die sogenannte Feiertagsschule. Mathias Kneißls Vater protestierte: „Ein solches Gesetz erkenne ich nicht an, wonach mein Bub noch mit 16 Jahren in die Feiertagsschule gehen soll.“

Der Pfarrer schikanierte Mathias. Wenn er die Schule schwänzte, ließ Pfarrer Endl ihn von den Gendarmen zum Unterricht holen und machte ihn damit zum Gespött des Dorfes. Und schließlich erwirkte Pfarrer Endl beim Bezirksamt Dachau, dass Mathias Kneißl noch ein Jahr länger in die Feiertagsschule gehen musste. Doch Mathias schwänzte immer wieder, so dass er fünf Mal Gefängnisstrafen absitzen musste, von drei Tagen bis 15 Tagen.

Dankesworte an Lehrer

Kurz vor seiner Hinrichrichtung schrieb Räuber Kneißl einen Abschiedsbrief an seinen Lehrer Wagner.
Abschiedsbrief an Lehrer Wagner.jpg © Geschichstwerkstatt

An den Pfarrer hatte Mathias keine guten Erinnerungen, an seinen Lehrer Wagner hingegen schon. Einen Tag vor seiner Hinrichtung schrieb Mathias am 20. Februar 1902 einen Abschiedsbrief an seinen Lehrer Wagner von Sulzemoos: „Hochverehrter Herr Lehrer! Schmerzliche Erinnerungen drängen mich, Ihnen meinen aufrichtigsten Dank für die hinopfernde Mühe, der Sie sich während der Jahre meines Schulbesuches für mich unterzogen haben, auszusprechen. Ich glaube meiner Bitte um Ihr Gebet, auf geneigte Erhörung rechnen zu dürfen. Unser lieber Gott wird gewiß Sie und Ihre werthe Familie reichlich segnen, wenn Sie diesem, meinem Herzenswunsche entsprechen. Mit dem Gefühl aufrichtiger Verehrung bin ich Ihr dankbarer Schüler Mathias Kneißl.“

Heute steht zwischen dem Schulhaus, in die Mathias so ungern gegangen ist, und der Kirche eine Museumshütte. Sie ist eine Station des Räuber-Kneißl-Radwegs und zeigt mehr über die Kindheit und Jugend von Mathias.

Annegret Braun

Auch interessant

Kommentare