Marco Rubio sucht auf der Münchner Sicherheitskonferenz den Schulterschluss mit Europa. Doch er stellt Bedingungen – und droht mit eigenem Kurs.
München – Nach Monaten transatlantischer Spannungen, etwa wegen des Streits um Grönland, sendet Washington ein Signal der Annäherung. US-Außenminister Marco Rubio schlägt bei der Münchner Sicherheitskonferenz versöhnliche Töne an – verbindet sie aber mit klaren Erwartungen an Europa.
Mit Spannung war der Auftritt von Marco Rubio bei der Münchner Sicherheitskonferenz erwartet worden. Nach den scharfen Worten von JD Vance im Vorjahr rechneten viele Beobachter mit einem weiteren Bruch. Stattdessen setzte Rubio auf historische Nähe, kulturelle Verbundenheit und diplomatische Formulierungen.
US-Außenminister Rubio in München – Europa unter Druck
„Unser Schicksal ist und bleibt untrennbar mit Ihrem verbunden“, sagte Rubio im Ballsaal des Bayerischen Hofes in Richtung der europäischen Staats- und Regierungschefs. Die USA strebten „keine Trennung an, sondern die Wiederbelebung einer alten Freundschaft“. In einer „Zeit, in der Schlagzeilen das Ende der transatlantischen Ära verkünden“, sei dies weder Ziel noch Wunsch Washingtons.
Der Außenminister spannte einen weiten historischen Bogen. „Wir mögen in der westlichen Hemisphäre zu Hause sein, aber wir werden immer ein Kind Europas bleiben“, erklärte er. Europa habe die Ideen hervorgebracht, „die den Grundstein für die Freiheit gelegt und die Welt verändert hätten.“
Rubio schwärmt von Mozart, Beethoven und dem Kölner Dom
Rubio nannte „Mozart und Beethoven, Dante und Shakespeare, Michelangelo und Da Vinci, die Beatles und die Rolling Stones“. Die hoch aufragenden Türme des Kölner Doms zeugten „von der Größe unserer Vergangenheit“. Die Vereinigten Staaten wollten an der Seite eines Europas stehen, „das stolz auf sein Erbe und seine Geschichte ist“.
Im Saal machte sich spürbare Erleichterung breit. Beobachter hatten mit einem schärferen Auftritt gerechnet. Konferenzleiter Wolfgang Ischinger sprach gemäß Tagesspiegel von einer „beruhigenden Botschaft“, auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen habe es als „sehr beruhigend“ empfunden, ihm zuzuhören.
„Klima-Kult“ und „Massenmigration“: Klare Kritik an Europa
Trotz des versöhnlichen Tons formulierte Rubio deutliche Kritik. Er sprach von einem „Klima-Kult“, der zu einer falschen Energiepolitik geführt habe. Zudem seien „unsere Türen für eine beispiellose Welle der Massenmigration“ geöffnet worden.
„Wir haben diese Fehler zusammen gemacht“, sagte Rubio mit Blick auf die vergangenen Jahrzehnte. Die USA seien bereit, notwendige Veränderungen auch alleine zu bewältigen. Ihre Präferenz sei jedoch – „und unsere Hoffnung“ –, diesen Weg gemeinsam mit den Europäern zu gehen.
Marco Rubio – US-Außenminister unter Donald Trump
| Name | Marco Rubio |
|---|---|
| Geboren | 28. Mai 1971 in Miami, Florida |
| Funktion | Außenminister der Vereinigten Staaten |
| Partei | Republikanische Partei |
| Herkunft | Senator aus Florida, langjährige Bundespolitik in Washington |
| Politisches Profil | Konservativ, außenpolitischer Hardliner mit starkem Fokus auf Sicherheit und Verteidigung |
| Zentrale Botschaft in München | Bekenntnis zu einem „wiederbelebten Bündnis“ mit Europa, aber klare Bedingungen bei Verteidigung, Energie- und Migrationspolitik |
Rubio fordert starkes Europa – Ukraine-Krieg bleibt in Rede weitgehend ausgespart
Laut AFP stellte Rubio klar: „Wir wollen nicht, dass unsere Verbündeten schwach sind, weil das uns schwächer macht.“ Europa müsse stark sein und in der Lage, sich selbst zu verteidigen. Washington wolle „ein wiederbelebtes Bündnis“ und „keine Trennung“. Die Partnerschaft solle fortbestehen, allerdings zu klar definierten Bedingungen – „wir sind bereit, wenn nötig, dies alleine zu tun“.
Auffällig war, dass zentrale Streitfragen kaum zur Sprache kamen. Der durch Wladimir Putins Russland begonnene Ukraine-Krieg wurde erst in einer Fragerunde angesprochen. Rubio sagte, es sei unsicher, ob Russland in den von Präsident Donald Trump initiierten Gesprächen wirklich verhandlungsbereit sei.
Reaktionen aus Berlin auf Rubio-Rede in München: Zustimmung mit deutlicher Zurückhaltung
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte bereits zum Auftakt der Konferenz betont: „Zusammen sind wir stärker“. Er plädierte für einen Neustart der Beziehungen und dafür, das „transatlantische Vertrauen zu reparieren und wiederzubeleben“.
Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Auftritt sei „sehr verbindlich“ und „sehr diplomatisch“ gewesen. „Trotzdem muss man ja einfach sehen, wir haben gerade sehr viele Dinge im transatlantischen Verhältnis, die nicht gemeinsam laufen, wo wir Differenzen haben. Und deswegen wäre das Falscheste, was jetzt passieren kann, dass die Europäer sich jetzt zufrieden zurücklehnen und sagen: Jetzt ist wieder alles gut.“
Am Ende blieb eine doppelte Botschaft. Rubio beschwor Geschichte, Kultur und gemeinsame Werte und erhielt dafür Applaus. Zugleich machte er deutlich, dass Washington Kurskorrekturen erwartet – und bereit ist, notfalls allein voranzugehen. (Quellen: dpa, AFP, Tagesspiegel) (chnnn)