Bewegte Zeiten: Die Siko debattiert Russland und Iran – und fürchtet den Trump-Paukenschlag. Reporter Florian Naumann liefert Einordnung und Eindrücke aus München.
München
- Drei Tage lang richten sich die Blicke auf München: 60 Staats- und Regierungschefs sowie dutzende Außen- und Verteidigungsminister reisen nach Angaben des Veranstalters zur Sicherheitskonferenz.
- Im Fokus stehen die großen Reden, etwa von US-Außenminister Marco Rubio und Kanzler Friedrich Merz (CDU). Aber die Siko bedeutet auch: Experten-Panels, Hintergrundgespräche, persönliche Begegnungen.
- Für den Münchner Merkur von Ippen.Media ist Florian Naumann aus der Redaktion für Exklusives als Reporter vor Ort. Er liefert in diesem Ticker Eindrücke, Stimmen und Analysen rund um die Siko.
Freitag, 11.35 Uhr: Schon im vergangenen Jahr hatte Analyst Ian Bremmer hinter den Kulissen den Ton gesetzt: Stunden vor dem Start der Sicherheitskonferenz – und deutlich vor J.D. Vances Paukenschlag-Rede – warnte er vor internationalen Journalisten vor einem „Untergraben des deutschen Wahlsystems durch die USA“. Bremmer gilt als Koryphäe der Einschätzung globaler politischer Risiken. 2025 hatten sich die Medienvertreter bei seinem Vortrag in einen überfüllten kleinen Konferenzraum gequetscht. In diesem Jahr bekommt er die große „Press Conference Hall“ der MSC.
Optimistischere Einschätzungen hat der Experte allerdings nur bedingt parat. Bremmer erwartet ein „historisches Jahr“. Mittlerweile sei eine Realität für alle greifbar: „Die US-Vorherrschaft zerfällt.“ Das liege daran, dass Russland und China sich nicht am Westen ausrichteten – vor allem aber daran, dass die USA sich nicht mehr zu einer Führungsrolle, gemeinsamer Sicherheit, Freihandel oder offenen Grenzen bekennen. „Das sind strukturelle Entwicklungen“, sagt Bremmer. Chaos und Unberechenbarkeit der USA dürften nach Trump schwinden, meint er. Die grundlegende Linie werde sich aber fortsetzen.
Auf der Münchner Sicherheitskonferenz werde es nun nicht mehr um eine Beschreibung des Zustands gehen – sondern darum, Lösungen zu finden. Im Grundsatz gebe es für alle Akteure drei Optionen: bestehende Strukturen zu reformieren, neue Strukturen zu schaffen oder „in den Krieg zu ziehen“: „Ich denke, wir sehen, dass alles davon gerade passiert.“ Europa müsse dabei aufpassen, weiter am Tisch zu sitzen. In Sachen globaler Sicherheit sei das kaum möglich, in Sachen Handel oder „einigen Feldern der Diplomatie“ aber denkbar.
Von US-Außenminister Marco Rubios Siko-Rede erwartet Bremmer einen anderen Tonfall, aber keine angenehmeren Inhalte als von J.D. Vance im vergangenen Jahr. „Er wird die Europäer nicht mit Freude beleidigen, das ist ein recht großer Unterschied“, erklärt Bremmer. „Er wird als überwiegend konstruktiv herüberkommen und Unzuverlässigkeit verringern. Aber die Botschaft wird hart sein und sie wird nicht zwingend den Wünschen der Europäer entsprechen.“ Ein Zeichen sei auch Rubios geplante Weiterreise nach Ungarn und in die Slowakei: Die USA seien bereit, Euro-Skeptiker zu unterstützen. „Das ist ein großartiges Umfeld für Wladimir Putin“, sagt der Experte. Es gebe für Russland wenig Anlass, den Druck im Ukraine-Krieg zu verringern.
Sicherheitskonferenz in München 2026: Sorge vor Trump – und vor Putin
Vorbericht: In ruhigeren Zeiten war die Münchner Sicherheitskonferenz als großes Lobbytreffen mit Vertretern der Rüstungsindustrie verschrien. Aber längst wirkt sie wie eine Art gut vorausgeplanter Dauerkrisengipfel: Russlands Bedrohung, der Ukraine-Krieg, die blutige Niederschlagung von Protesten im Iran sind nur ein paar der Themen für die hochkarätigen politischen Teilnehmer. Und dann droht sich der „Westen“ auch auf dem Podium selbst zu zerlegen.
Gut möglich scheint, dass die USA einmal mehr Europa und die NATO schocken. Donald Trump hat diesmal zwar seinen Außenminister Marco Rubio nachgeschickt – der gilt als europafreundlicher und weniger radikal als Vizepräsident J.D. Vance. Aber nicht nur der CDU-Außenexperte Norbert Röttgen warnte im Vorfeld: Auch Rubio werde wohl eine Rede nach Trumps Geschmack halten. Die NATO müsse mittlerweile auf „vieles vorbereitet sein, auch auf das Undenkbare“, sagte er dem Deutschlandfunk.
Wie die großen Reden einzuordnen sind, was Experten und prominente Gäste bei den Veranstaltungen am Rande der „Munich Security Conference“ sagen und wie die Stimmung ist – das verrät Ippen.Media-Reporter Florian Naumann in diesem Ticker. Der Experte für Europa- und Sicherheitspolitik ist während der drei Veranstaltungstage in München unterwegs; auf dem SiKo-Gelände, aber auch bei ausgewählten Terminen am Rande der Konferenz. Im Zentrum wird eine Frage stehen: Wie kommt Europa zwischen Trump und Putin durch unsichere Zeiten? (Quellen: Eigene Gespräche, Eindrücke und Recherchen, dpa, AFP, Deutschlandfunk)