Camerloher ist ihr „Sechser im Lotto“: Die neue Schulleiterin Katharina Willimski stellt sich vor

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Eine neue Ära beginnt: Katharina Willimski ist die neue Schulleiterin am Camerloher-Gymnasium. Die Lehrerin für Deutsch, Geschichte, Politik und Theater kommt vom Gymnasium Max-Josef-Stift in München. © Lehmann

Im FT-Interview erzählt die neue Schulleiterin, Katharina Willimski, warum sie unbedingt auf das Camerloher Gymnasium in Freising wollte.

Freising – Wenn am 16. September das Schuljahr beginnt, dann ist das nicht nur ein neuer Lebensabschnitt für die Schülerinnen und Schüler, sondern auch für das Camerloher-Gymnasium und für Katharina Willimski. Sie ist die neue Schulleiterin und beerbt Andrea Bliese, die nach 13 Jahren am Camerloher in den Ruhestand gegangen ist. Willimski, Lehrerin für Deutsch, Geschichte, Politik und Theater, kommt vom Gymnasium Max-Josef-Stift in München, wo sie sechseinhalb Jahre stellvertretende Schulleiterin war. Im FT-Interview erzählt die 54-Jährige, warum sie unbedingt auf das Freisinger Gymnasium wollte, was sie mit dem musischen Zweig verbindet und ihr erstes „Urteil“ über Freising.

Frau Willimski, Ihr Neuanfang in Freising bedeutete ja auch ein Abschied in München. Wie war der?

Der Abschied war sehr schön: Schüler, Kollegen und Eltern haben mich sehr wertschätzend und berührend verabschiedet. Das Gymnasium Max-Josef-Stift war meine Herzensschule bis zu meinem letzten Tag. Ich konnte dort viel lernen und im Team der Erweiterten Schulleitung viel umsetzen. Es waren prägende Jahre. Ich habe die Schule mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlassen. Ich lasse sehr viel zurück, was schade ist, aber ich freue mich auch auf die neue Schule und Aufgaben in Freising.

Wieso der Wechsel nach sechseinhalb Jahren?

Das hat verschiedene Gründe. Ich wollte nicht einfach Schulleiterin werden, sondern Leiterin an einer Schule, deren Profil mich überzeugt. Ich kenne meine Vorgängerin Frau Bliese und die stellvertretende Schulleiterin Frau Singer, deshalb wusste ich, dass die Stelle frei wird. Ich habe mich dann bei der öffentlichen Ausschreibung beworben. Es war die richtige Schule zum richtigen Zeitpunkt für mich, und ich bin sehr glücklich, dass ich diese Stelle bekommen habe.

Was macht das Camerloher zur „richtigen Schule“?

Das Camerloher ist eine wunderbare Schule und ein rein musisches Gymnasium. Das ist für mich ein Sechser im Lotto. Es bietet in der musischen Bildung ein ganz breites Spektrum an – Theaterklassen, Musik, Kabarett, Kunst, Film und Fotografie. Ich habe als junge Lehrerin selbst eine Theaterlehrerausbildung absolviert und früh gemerkt, wie wichtig es ist, Schülerinnen und Schülern die Welt des kulturellen Lebens zu erschließen. Kulturelle Identität ist ein wichtiger Faktor, um Stabilität in einer sich rasant verändernden Welt zu vermittelnAuch in meinen Jahren im Ministerium war ich unter anderem für kulturelle Bildung zuständig, habe mit der Stiftung art131 dazu beitragen dürfen, dass Kunst und Kultur stärker in das bayerische Schulleben integriert wird. Das musische Gymnasium verwirklicht das Ideal einer umfassenden Bildung.

Und das Camerloher ist dafür also das Ideal?

Das Camerloher bietet hierfür die besten Voraussetzungen. Die Schule hat Maßstäbe gesetzt, die Professionalität des Camerloher sucht ihresgleichen. Ich freue mich darauf, hier arbeiten zu dürfen. Im Übrigen folge ich einer gewissen Tradition, von der ich aber erst im Nachhinein erfahren habe: Meine beiden Vorgängerinnen sind beide vom Max-Josef-Stift zum Camerloher-Gymnasium gewechselt.

Sind Sie privat auch musisch unterwegs?

Ich bin ein musikalischer Mensch, habe einige Jahre Klavier gespielt. Ab und an spiele ich noch in Workshops Improtheater. Doch mittlerweile bin ich vor allem als Konsumentin und Genießerin von Kultur in ihrer gesamten Bandbreite unterwegs. Musik ist mir wichtig, ich habe Theater- und Konzertabonnements, gehe aber auch auf Rock- und Jazzkonzerte. Als Cineastin fahre ich jedes Jahr zur Berlinale und ich bin auch im Filmmuseum in München aktiv.

Auf was freuen Sie sich nun am meisten?

Ich freue mich darauf, die Kolleginnen und Kollegen kennen zu lernen. Bei 120 Lehrerinnen und Lehrern und den Mitarbeitenden aus der Verwaltung braucht das natürlich seine Zeit. Und ich freue mich besonders auf die Schülerinnen und Schüler. Da ich die letzten sechseinhalb Jahre an einem reinen Mädchen-Gymnasium gearbeitet habe, insbesondere auch auf die Jungs, auf das Produktive von Koedukation. Vor allem bei politischen oder kontroversen Themen in der Oberstufe sind die Diskussionen oft fruchtbarer, wenn eine Gruppe gemischt ist. Und ich freue mich natürlich auf das lebendige Haus, auf Musik und Theater. Was ich bisher gesehen habe, hat mich sehr begeistert.

Ihre Vorgängerin Andrea Bliese sagte, dass man auf die Stelle niemanden richtig vorbereiten kann.

Ich bin sehr dankbar, dass wir im ständigen Austausch sind. Sie hat sehr viel von ihrem Wissen geteilt, mich über Strukturen aufgeklärt, mir Baustellen genannt, an denen man arbeiten muss. Doch ich will ganz unbefangen auf die Menschen zugehen und mir diese Abläufe und Strukturen erst einmal selbst ansehen.

Sie waren lange stellvertretende Schulleitung. Macht Ihnen das die neue Herausforderung leichter?

In meiner bisherigen Schule haben wir in der Schulleitung eng als Team zusammengearbeitet, sodass ich in nahezu alle relevanten Bereiche Einblick hatte. Zudem durfte und musste ich für insgesamt sechs Monate die Schulleitung in meinem früheren Gymnasium übernehmen. Das hat mein Bewusstsein für die Verantwortung in dieser Position noch einmal geschärft. Diese Phase hat mich zusätzlich angespornt, tatsächlich Schulleiterin zu werden. Ich weiß aber: Allein die neue Schule ist eine Herausforderung. Denn jede Schule ist anders. Ich denke, dass ich mindestens ein Jahr benötigen werde, um 120 Lehrer, 950 Kinder und Jugendliche und ihre Eltern kennen zu ㈠lernen.

Gibt es etwas, das Ihnen Respekt einflößt?

Ich habe großen Respekt vor der Aufgabe, so vielen Menschen gerecht zu werden. Es werden viele und unterschiedliche Erwartungen und Wünsche zusammenkommen. Aber ich vertraue auch darauf, dass mich meine Kollegen, die schon lange in der Schule sind, unterstützen werden.

Bei alldem, bleibt da noch Zeit für Sie, selbst zu unterrichten?

Ich unterrichte wahnsinnig gerne. Deshalb werde ich auch eine sechste Klasse in Geschichte unterrichten. So lerne ich ein paar Kinder von Anfang an kennen. In dieser Jahrgangsstufe wird mit Geschichte gestartet, es geht um die Entstehung der Erde, um die Steinzeit, Ägypten, Griechenland. Das ist ein wunderbarer Stoff, der geeignet ist, den Blick zu weiten, weil hier auch im Grunde philosophische Fragen mit den Kindern diskutieren werden können.

Gibt es schon etwas, dass Sie am Camerloher gerne umsetzen möchten?

Es gibt schon Dinge, aber unter Vorbehalt. Ich bin nicht die, die in eine Schule kommt wie ein Bulldozer und alles umgräbt. Ich werde mir die Schule erst einmal in Ruhe anschauen. Ein wichtiger Punkt ist mir aber die Nachhaltigkeit – und zwar nicht nur in Sachen Umweltschutz und Klima, sondern auch beim Lernen. Sprich, wie wir unsere Kinder auf das Leben außerhalb der Schule vorbereiten können. Das sollten Unterricht und Schule leisten, und das musische Gymnasium bietet hierzu den idealen Rahmen. Zudem müssen wir unsere Kinder politik- und diskursfähig machen; politische Bildung ist eine zentrale schulische Aufgabe.

Konnten Sie schon erste Eindrücke von Freising sammeln?

Ich war bereits im Juli bei den ersten Haushaltsverhandlungen im Landratsamt dabei, weil es da um das Geld geht, mit dem wir 2026 arbeiten müssen. Es ist toll zu sehen, dass in Freising die Schulen als wirklich wichtig wahrgenommen werden. Das merkt man übrigens auch an diesem Interview. Es ist Interesse da, wer die neue Schulleitung wird. Das gibt es in München, wo es so viele Schulen gibt, so nicht. Ich habe das Gefühl, dass man hier mit einer solchen Unterstützung mehr mitgestalten kann, auch weil man mehr im Kontakt mit den Akteuren der Politik und der Öffentlichkeit steht. Das finde ich schön.

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