Das Franziskuswerk Schönbrunn, eine führende Einrichtung für Menschen mit Behinderungen, empfing hochrangige SPD-Politiker. Die Leitung der Einrichtung äußert Kritik an Bürokratie und Fachkräftemangel. Die Politiker versprechen, die Probleme in Berlin anzusprechen.
Das Franziskuswerk Schönbrunn, eine der bedeutendsten Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen in Oberbayern, hatte kürzlich hohen politischen Besuch: Dr. Rolf Mützenich, Fraktionsvorsitzender der SPD im Bundestag, und Michael Schrodi, SPD-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Dachau-Fürstenfeldbruck, informierten sich vor Ort über die Arbeit der Einrichtung. Begleitet wurden sie von SPD-Kommunalpolitikern aus Röhrmoos sowie Sabine Decker, der Behindertenbeauftragten der Gemeinde.
Über 160 Jahre Erfahrung
Die Geschäftsführer Michaela Streich und Markus Holl sowie Generaloberin Gabriele Konrad präsentierten die vielfältigen Angebote des Franziskuswerks, das seit über 160 Jahren Menschen mit Behinderungen unterstützt. Mit rund 1600 Mitarbeitern gehört es zu den größten Einrichtungen dieser Art in der Region. Derzeit werden in Schönbrunn 670 Bewohner betreut – eine Zahl, die vor allem bei Mützenich Eindruck hinterließ. Als ehemaliger Leiter des Referats für Grundsatzfragen der Landessozialpolitik im nordrhein-westfälischen Sozialministerium bringt er umfangreiche Erfahrung im Bereich Sozialpolitik mit und zeigte daher großes Verständnis für die Herausforderungen eines Komplexträgers wie dem Franziskuswerk.
Leitung des Franziskuswerk Schönbrunn: Kritik an Bürokratie und Fachkräftemangel
Ein Schwerpunkt des Gesprächs war das Bundesteilhabegesetz (BTHG). „Das hochkomplexe, bürokratische und überfordernde BTHG muss verändert werden“, forderte Michaela Streich. Sie plädierte für bundesweite Standards, kürzere Genehmigungsverfahren und ausreichende finanzielle Mittel, um die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen sicherzustellen.
Die Leitung des Franziskuswerks übt darüber hinaus deutliche Kritik an der unzureichenden Gewinnung und Bindung von Fachkräften. Besonders bemängelt wird die mangelhafte Refinanzierung der Fachschulen für Heilerziehungspflege und der Fachakademie für Heilpädagogik, die dringend einer bundesweiten Vereinheitlichung bedarf. Als untragbar werden außerdem die langen Anerkennungszeiten für ausländische Fachkräfte und die damit verbundenen bürokratischen Hürden bezeichnet. Von den Politikern, die vor der Bundestagswahl das Franziskuswerk besuchen, erhofft man sich konkrete Überlegungen, wo nachjustiert werden kann. Insbesondere der hohe Verwaltungsaufwand verschlingt nach wie vor zu viele finanzielle Ressourcen.
Die aufgezeigten Beschwernisse betrüben mich.
Die SPD-Politiker sicherten zu, die Probleme der Einrichtung in Berlin anzusprechen. „Die aufgezeigten Beschwernisse betrüben mich. Manches ist vielleicht gut gemeint, aber wie ich nun höre, funktioniert es nicht“, sagte Mützenich. Er zeigte sich beeindruckt von der Arbeit und der komplexen Struktur in Schönbrunn.
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Unterstützung für Werkstätten
Auch die unzureichende Berücksichtigung von Einrichtungen der Eingliederungshilfe bei unterstützenden Maßnahmen durch die Kostenträger, im Vergleich zur Altenhilfe, wurde kritisiert. Michaela Streich betonte mit Nachdruck, dass die Schaffung einer inklusiven Kinder- und Jugendhilfe keinesfalls zu einem Bürokratie-Monster werden dürfe. Besonders vehement setzte sie sich für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben ein. Sie könne sich nicht vorstellen, dass Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, wie sie in Schönbrunn existieren, abgeschafft werden. Ihr Appell an die Politiker: „Schaffen Sie es nicht ab, dass Werkstätten nicht mehr gefördert werden.“ Streich kritisierte auch, dass jedes Land in diesem Bereich eigene Wege gehe und somit keine einheitliche Vorgehensweise existiere. Mützenich und Schrodi zeigten Verständnis für die Herausforderungen und versprachen, Lösungen auf den Weg zu bringen. „Wir möchten, dass vieles praxistauglicher wird“, so Mützenich.