Das Bündnis für Dachau will aufgeständerte Photovoltaikanlagen auf Dachaus „Großparkplätzen“. In der Praxis ist das aber schwer umsetzbar.
Zur Erinnerung: Vor wenigen Tagen erst lehnte der Bau- und Planungsausschuss des Stadtrats auf dringendes Anraten der Stadtverwaltung hin den Bau einer Einhausung für eine Wärmepumpe in der Dachauer Hochstraße 27 ab. Die Wärmepumpe sollte, nachhaltig und CO2-neutral, das Amper-MVZ, die Helios-Amper-Kids-Kita sowie die kbo-Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie beheizen.
Im anderen Fall waren Optik und Baum wichtiger
Doch Stadträte und Bauamt waren sich einig: Die Einhausung der Wärmepumpe würde die Optik der Straße zerstören und das Fällen einer Hainbuche nötig machen. Wie Kinder, Patienten und Mitarbeiter in der Hochstraße 27 in Zukunft gewärmt werden sollen, nachdem das Klinikum dem Gebäude bis spätestens Ende März die Wärmeversorgung abdreht, war den Entscheidern egal. Optik und Baum gingen vor.
Dass Optik und Baum aber vielleicht doch nicht so wichtig sind, zeigte nun ein Antrag, den das Bündnis für Dachau Ende Oktober 2023 an die Stadtverwaltung schickte. Die Fraktion forderte darin, dass die „Stadt die Möglichkeit schafft, auf Dachauer Großparkplätzen Parkplatz-Photovoltaik-Anlagen zu errichten“. Die Anlagen sollen aufgeständert über den Parkflächen errichtet werden und damit optisch an Carports erinnern. Sollten Bäume im Weg stehen, könnten diese ruhig entfernt werden: Die hätten, so die Logik, ohnehin keine Überlebenschance auf den Großparkplätzen und könnten anderswo nachgepflanzt werden.
Am vergangenen Dienstag, also gut 15 Monate nach Eingang des Antrags, lieferte die Stadtverwaltung in der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses seine Meinung zu dem Thema ab. Bündnis-Sprecher Michael Eisenmann fand diese Antwort sowohl inhaltlich als auch zeitlich „definitiv nicht das, was wir uns erwartet hätten“. Ja, es sei sogar „sinnlos“, über die Stellungnahme aus dem Bauamt abzustimmen.
Den Besitzer des Parkplatz kann man nicht zwingen
Wobei: Sinnlos fanden auch die allermeisten Stadträte das Thema, zuallererst aber den Antrag des Bündnis. Denn, wie Bauamtsleiter Moritz Reinhold und Oberbürgermeister Florian Hartmann mehrfach betonten: Auf bestehenden Parkplätzen, die aufgrund bestehender Bebauungspläne gebaut wurden, kann man die Besitzer nicht zwingen, Carport-artige Solaranlagen aufzustellen. Nur wenn der Parkplatzinhaber dies explizit will und einen entsprechenden Antrag stellt, dann könne das Projekt umgesetzt werden.
Hartmann erklärte es Eisenmann so: „Sie brauchen jemand, der sagt: ,Ich mache das!‘“ Aber ohne dieses Einverständnis, „einfach ins Blaue hinein Bebauungspläne zu ändern, macht nur Arbeit mit unsicherem Ergebnis“. Der Bündnis-Plan würde nur für „Frust“ sorgen in der Verwaltung. An der Zahl der Solaranlagen in der Stadt würde er aber nicht das geringste ändern.
Stadtbaumeister Reinhold brach auch eine Lanze für Bäume: Eine „Durchgrünung“ würde für Kühlung sorgen und dafür, dass große Parkflächen weniger versiegelt würden. Solaranlagen dagegen seien auf dem Dach sinnvoller, dort könnten sie mittlerweile bei jeder Neigung gute Erträge liefern.
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Inhaber sanft unter Druck setzen
Während Eisenmann, unterstützt von Umweltreferent Thomas Kreß (Grüne), weiter darauf drängte, die Inhaber der Parkplätze – im Regelfall große Supermarkt- und Discounter-Ketten – zumindest sanft unter Druck zu setzen, ihre Parkplätze mit aufgeständerten Solaranlagen zu bestücken, fand Volker C. Koch (SPD), dass es wohl „nix bringt, bei Aldi oder Rewe nachzufragen“. Diese Konzerne würden ihre Märkte konzernweit gleich ausstatten und für Dachau wohl keine Ausnahme machen.
Auch Peter Gampenrieder (ÜB) fand, dass gerade die großen Märkte doch längst Solaranlagen auf den Dächern installiert hätten. „Die haben ihren Beitrag geleistet.“ Zudem finde er die Idee von Solar-Carports, gerade angesichts der aus optischen Gründen abgelehnten Wärmepumpe, „befremdlich, weil‘s einfach greislig ist“.
Einig waren sich am Ende alle, dass wenn eines fernen Tages in Dachau doch noch einmal ein Großparkplatz gebaut wird, dieser mit so viel Solaranlagen wie möglich ausgestattet werden soll. Außerdem willigte der OB ein, seine Verwaltung mit der Ausarbeitung eines Schreibens an die großen Parkplatz-Inhaber zu beauftragen und so das Interesse an einem Umbau der Flächen abzufragen. Dies „macht zumindest keine Arbeit“. Ansonsten sei er „gespannt, was als Antwort zurückkommt“.
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