Die SPD im Stadtrat will, dass „frühe Demokratiebildung in den Kindertagesstätten gefördert und gelebt wird“ und hat dazu einen entsprechenden Antrag gestellt. Die Stadtverwaltung aber winkt ab: Die Arbeit der städtischen Einrichtungen erfolge nach Lehrplan, die Kinder würden bereits ausreichend pädagogisch auf ein Leben in der demokratischen Gesellschaft vorbereitet.
Dachau – „Unsere Gesellschaft braucht Demokratinnen und Demokraten“, findet die Dachauer SPD-Stadtratsfraktion. Und weil sie außerdem findet, dass diese Ausbildung zum Demokraten bereits im frühen Kindesalter beginnt, stellte die Fraktion einen Antrag an Stadtrat und Oberbürgermeister: Die Verwaltung solle die „pädagogischen Beschäftigten ermuntern“, entsprechende Bildungsangebote in „ausgewählten Kitas anzustoßen“.
Eines dieser möglichen Bildungsangebote ist das Projekt „Faire Kitas“. Dies biete „interessierten Einrichtungen die Möglichkeit, Impulse für die Gestaltung von Bildungsangeboten im Alltag zu gewinnen, um Dinge auszuprobieren und mehr Nachhaltigkeit in den Einrichtungen zu erreichen“. Weiter heißt es im SPD-Antrag: Das Projekt bedeute „konkret für den Kita-Alltag, dass Gelegenheiten geschaffen werden, um Kindern die Möglichkeit zu geben, untereinander über Vielfalt und Einzigartigkeit, über Diskriminierung und soziale Gerechtigkeit ins Gespräch zu kommen“.
Gertrud Schmidt-Podolsky, die als CSU-Vertreterin zu denjenigen Stadträten gehörte, die am Mittwoch im Familien- und Sozialausschuss über den SPD-Antrag zu befinden hatte, war ratlos. Was nun genau, ganz konkret, ein „Faire-Kita“-Zertifikat für die einzelne Einrichtung bedeute, „hat sich mir nicht ganz erschlossen“. Sie sehe nur eine „zusätzliche Aufgabe“ für die Erzieher, die am Ende „Zeit am Kind nimmt“.
Auch Oberbürgermeister Florian Hartmann und dem zuständigen Amtsleiter Markus Haberl wollten die vielfältigen Chancen eines „Fairen Kita“-Zertifikats oder anderer spezieller Demokratie-Weiterbildungsmöglichkeiten der städtischen Kita-Mitarbeiter nicht recht einleuchten. Vielmehr betonten sie, dass die Stadt laut Hartmann in frühkindlichen Bildungsfragen „sehr gut aufgestellt ist“ und die 13 städtischen Kitas, entsprechend dem Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan in der Kindertagesbetreuung, längst pädagogische Konzepte zu den Themen Partizipation, Resilienz und Vielfalt umsetzten.
Klar, erklärte Haberl, sei es desto einfacher, diese Art der Erziehung „über die sprachliche Betreuungsebene hinzubekommen“, je älter die Kinder seien. Dennoch würden für alle Altersstufen die Themen Kinderschutz und Partizipation aktiv gefördert.
Eine pädagogische Fachberaterin etwa habe im vergangenen Jahr eine Weiterbildung zur Multiplikatorin für „Empowerment für diskrimierungs-sensibles Handeln“ abgeschlossen und bringe diese Inhalte nun sukzessive in die Teams der städtischen Kitas ein. Ziel: Alltagsdiskriminierung in den Kitas erkennen, ihr begegnen und Vielfalt fördern.
Außerdem, so berichtete Haberl den Stadträten weiter, würden Methoden wie das „systemische Konsensuieren“ in die Mitarbeiterteams gebracht. Damit solle Kindern vermittelt werden, „dass ihre Meinung wichtig ist und ernst genommen wird“. Dies erfolge dergestalt, dass man „die Kinder befragt, ob sie gegen eine Mehrheitsentscheidung sind, welche Gründe sie dagegen haben und was getan werden kann, damit sich dieser Widerstand größtmöglich auflöst“.
Auch die Eltern würden in die Arbeit mit den Kindern einbezogen, zudem gäbe es jede Menge Materialien und Literatur, die den Kita-Verantwortlichen zur Verfügung stünden, darunter etwa „der Newsletter des Staatsministeriums“.
Meine news
Für SPD-Sprecherin Anke Drexler ist es denn auch „sehr erfreut zu sehen, was in diesem Bereich schon geleistet wird“. Demokratiebildung sei, „gerade jetzt“, sehr wichtig.
Ihre Fraktionskollegin Brigitte Hinterscheid betonte dennoch, dass eine Zertifizierung der städtischen Einrichtungen zu „Fairen Kitas“ sehr lohnenswert wäre. Der Zertifizierungsaufwand sei „ohne großen Aufwand“ möglich. Im Gegenzug erhielten die Einrichtungen Unterstützung von „sehr guten Referenten“, die mit den Gruppen zusammenarbeiten würden und mit den Kleinen über „Vielfalt und globale Ungerechtigkeit“ sprechen würden. Die Stadt, so Hinterscheid, koste dieses Zertifizierungsverfahren „keinen Cent“!
Horst Ullmann (Bürger für Dachau) hielt Hinterscheids „Herzensprojekt“, wie Anke Drexler es nannte, sehr „unterstützenswert“. Und er spannte einen sehr weiten Bogen, als er meinte: „Das sieht man ja in China, mit welcher Macht, wie brutal die Kinder da erzogen werden“.
Dem hatte keiner seiner Stadtratskollegen etwas entgegenzusetzen. Der Antrag der SPD wurde damit als „geschäftsmäßig behandelt“ zu den Akten gelegt.
So läuft die Kitaplatz-Vergabe in Dachau
Die Anmeldung zu den städtischen Krippen, Kindergärten, Horten und Mittagsbetreuungen erfolgt über eine zentrale Anmeldestelle. In diesem Jahr ist der Zeitraum, in dem der Betreuungsbedarf eines Kindes dort gemeldet werden kann, der gesamte Monat März. Zwei bis fünf Kitas können Eltern im Zuge dieser Anmeldung priorisieren.
Dieser Anmeldevorgang ist nach Ansicht der allermeisten Nutzer transparent. Das, was in den Wochen danach passiert, ist allerdings etwas, was laut Stadtverwaltung bei vielen Eltern für Unverständnis sorgt. Oberbürgermeister Florian Hartmann und Amtsleiter Markus Haberl nahmen die jüngste Sitzung des Familien- und Sozialausschusses daher zum Anlass, das Verfahren zu erklären und anzukündigen, dass es entsprechende Unterlagen bald auch auf der Internetseite der Stadt geben wird.
Während die Anmeldung für sämtliche Kitaplätze zentral über das Bürgerservice-Portal erfolgt, wird die Vergabe der Plätze dezentral und von den jeweiligen Einrichtungen nach speziellen Kriterien vergeben. „Im Moment der Anmeldung ist für die Eltern damit nicht transparent, wie viele Plätze frei sind“, so Haberl. Er verstehe daher, dass es für Eltern erst mal „unbefriedigend“ sei, nicht zu wissen, ob und wenn ja, in welcher Einrichtung das angemeldete Kind einen Platz bekäme. Anders als bei der zentralen Anmeldung gebe es aber für eine zentrale Vergabe schlicht noch keine KI beziehungsweise kein Computersystem, das Faktoren wie die soziale Dringlichkeit oder die Durchmischung einer Gruppe adäquat berücksichtigen könne.
Damit wird es auch heuer so ablaufen: Am 14. April erhalten die Eltern eine Mitteilung über den Status ihrer Anmeldung. Dabei wird ein Teil der Eltern in einer ersten Runde ein Platzangebot bekommen. Andere Eltern bekommen die Info, dass ihnen zu diesem Zeitpunkt noch kein Platzangebot gemacht werden kann. Diese Eltern müssen sich dann noch gedulden. zip