Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, steigt für viele Menschen das Risiko, in ein seelisches Tief zu rutschen. Die sogenannte Winterdepression beschäftigt jedes Jahr zahlreiche Betroffene – und auch Expertinnen und Experten. Oliver Abbushi, Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin in seiner Praxis in München-Deisenhofen erklärt, worauf es in der dunklen Jahreszeit ankommt, um die eigene Stimmung zu stabilisieren.
Viele Menschen wüssten selbst sehr genau, wie sie auf winterliche Belastungen reagieren, sagt er. Doch passives Abwarten sei der falsche Weg. "Das Schlechteste ist immer, das einfach nur laufen zu lassen, sondern man sollte aktiv die Dinge tun, von denen man weiß, dass sie einem guttun."
Bewegung und soziale Kontakte als Schutzfaktoren
Ein zentrales Element sei körperliche Aktivität. Schon wenig reiche aus: "20 Minuten, das ist zum Beispiel super gut." Ob Spazierengehen, Radfahren oder ein kurzer Lauf – regelmäßige Bewegung wirke stimmungsaufhellend. Genauso wichtig seien soziale Kontakte. "Sich nicht einigeln zu Hause, sondern im Dialog bleiben. Mit Freundinnen, mit Freunden." Gemeinsame Aktivitäten wie Kino- oder Theaterbesuche könnten zusätzlich guttun, ohne jedoch in Stress ausarten zu dürfen.
Auch Schlafgewohnheiten spielen laut dem Experten eine große Rolle. Früher ins Bett zu gehen und ausreichend zu schlafen, sei ein oft unterschätzter Faktor. Eine klare Absage erteilt Abbushi hingegen dem Alkohol: "Alkohol ist zum Beispiel eher ja eigentlich ein Gift. Und auch bei Stimmungsproblemen ist Alkohol kein guter Ratgeber."
Vitamine – ja oder nein?
Viele Menschen greifen in der dunklen Jahreszeit zu Vitaminpräparaten. Doch Abbushi hebt hervor, dass diese nur dann sinnvoll sind, wenn tatsächlich ein medizinisch festgestellter Mangel vorliegt.
Häufig betreffe das etwa Vitamin B12 oder Eisen. Auch die Schilddrüse müsse im Blick behalten werden, da sowohl Über- als auch Unterfunktionen die Stimmung beeinträchtigen können. Deshalb rät er bei stärkeren oder länger anhaltenden Beschwerden zu ärztlicher Abklärung: "Wenn man solche Symptome hat, auch mal zur Hausärztin, zum Hausarzt zu gehen und sich das mal anschauen zu lassen."
Die Wintermonate müssen kein Stimmungstief bedeuten – vorausgesetzt, man wird selbst aktiv. Bewegung, soziale Kontakte, gute Schlafhygiene und ein achtsamer Umgang mit Genussmitteln sind laut Abbushi einfache, aber wirkungsvolle Maßnahmen. Und wenn die Symptome stärker werden, sollte man professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen.