Wie beugt man Erkältungen vor? Welche Hausmittel taugen etwas – und welche nicht? Und wie wird man möglichst schnell wieder gesund, wenn es einen doch erwischt? Über Fragen, die gerade in der kühlen Jahreszeit viele Menschen beschäftigen, spricht Dr. Oliver Abbushi, Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin in seiner Praxis in München Deisenhofen, sowie Vorstand der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband.
Langfristige und kurzfristige Maßnahmen
Gleich zu Beginn macht er deutlich, dass man zwischen langfristigen und kurzfristigen Maßnahmen unterscheiden müsse. Langfristig gehe es darum, das Immunsystem insgesamt fit zu halten. Kurzfristig jedoch komme es vor allem darauf an, Infektionsquellen zu beseitigen – besonders dann, wenn im Umfeld bereits Menschen erkrankt sind. "Das heißt, dass zum Beispiel Türklinken regelmäßig desinfiziert werden", erklärt Dr. Abbushi. Auch Oberflächen an Schreibtischen sollten regelmäßig gereinigt werden. Und im direkten Kontakt gelte nach wie vor, "dass dieser natürlich die Anderen schützt, indem er sie nicht anniest oder anhustet, sondern zum Beispiel in die Ellenbogen niest und sich regelmäßig – ganz wichtig – die Hände wäscht und desinfiziert."
Ein weiterer Tipp: regelmäßiges Stoßlüften, "mehrmals täglich für ein paar Minuten". Das helfe sowohl zu Hause als auch im Büro.
Wenn die Erkältung trotzdem da ist
Ist die Infektion bereits da, kommt es vor allem auf Ruhe und Flüssigkeit an. "Ganz wichtig ist, dass man natürlich viel trinkt", betont der Hausarzt. Sport sollte man pausieren, im Zweifel empfiehlt er "Bettruhe oder Sofa für ein, zwei Tage", um dem Immunsystem die nötige Energie zur Virenabwehr zu geben.
Unterstützend können sanfte Hausmittel wirken: Thymian- oder Pfefferminztee, Honig im Tee oder Gurgeln mit Salbei. Honig sei "ein ganz, ganz gutes und bewährtes Produkt". Dennoch betont Dr. Abbushi: Der Körper schaffe eine normale Erkältung in der Regel selbst.
Was bringen Hausmittel wirklich?
Viele vermeintliche Wundermittel hält der Mediziner für überschätzt. "Es gibt wahrscheinlich eine ganze Menge an Hausmitteln, die nichts bringen", sagt er – zumindest fehle oft die wissenschaftliche Basis. Bei einigen, etwa Holunderhonig, gebe es Studien. Gleichzeitig spiele die Psyche eine Rolle: Anwendungen könnten guttun und damit indirekt helfen.
Welche Medikamente sinnvoll sind
Bei stärkeren Beschwerden können fiebersenkende Mittel wie Ibuprofen oder Paracetamol sinnvoll sein – bei Erwachsenen wie Kindern. Das sollte aber zunächst mit dem eigenen Hausarzt abgeklärt werden. Ibuprofen sei zudem entzündungshemmend, allerdings müsse man den Magen im Blick behalten.
Hustensäfte könnten "ein bisschen helfen", vor allem um Schleim zu lösen, wissenschaftlich sei deren Wirksamkeit jedoch begrenzt. Wichtig bleibe: viel trinken.
Wer jedoch schwerer erkranke, sollte ärztlichen Rat suchen. Denn manchmal stecken auch Bakterien dahinter. "Da muss man […] Themen wie Streptokokken oder sonstige Bakterien" abklären – und gegebenenfalls ein Antibiotikum einsetzen. Das komme in seiner Praxis "relativ regelmäßig" vor. "Es ist nicht so, dass jede Erkältung immer glimpflich abläuft", warnt er.