Wie genau sieht es im Körper aus, wenn Grippeviren unsere Zellen befallen? Eine Forschungsgruppe an der Technischen Hochschule Zürich liefert nun die Antwort. Dem Team ist es gelungen, live und in hoher Auflösung festzuhalten, wie Influenzaviren, die über Tröpfchen in unseren Körper eingedrungen sind, in eine menschliche Zelle gelangen. Ein Video auf dem YouTube-Kanal der ETH zeigt diesen Vorgang.
ETH-Forschung: "Eintritt des Virus in Zelle verfolgen"
Die Forschenden zoomten dabei nah an die Oberfläche menschlicher Zellen auf einer Petrischale heran. Mithilfe einer neu entwickelten Mikroskopie-Methode konnten sie beobachten, wie die Viren in eine lebende Zelle eindringen. Diese Methode ist eine Kombination aus Rasterkraft- und Fluoreszenzmikroskopie. Im Gegensatz zu anderen Methoden ist es nun möglich, "den Eintritt des Virus in die Zelle in allen Details seiner Dynamik zu verfolgen", so die ETH.
Video zeigt "Tanz" zwischen "Virus und Zelle"
Spannend dabei ist, dass sich die menschlichen Zellen nicht etwa passiv verhielten, wie von den Forschenden angenommen. Wie die ETH auf ihrer Website berichtet, versuchten sie vielmehr, "das Virus aktiv einzufangen". Forschungsleiter Yohei Yamauchi, Professor für Molekular-Medizin, sagte: "Die Infektion unserer Körperzellen kommt einem Tanz gleich, den Virus und Zelle miteinander führen." Das Virus scannt die Zelloberfläche, bis es eine ideale Eintrittsstelle gefunden hat. Erkennt die Zelle wiederum ein Virus an ihrer Membran, bildet sie eine Vertiefung, die durch spezielle Strukturproteine namens Clathrine geformt wird. So schließt sie das Virus in sich ein.
Die neue Mikroskopie-Methode liefert somit wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung antiviraler Medikamente. So kann etwa die Wirkung potenzieller Medikamente in der Zellkultur in Echtzeit getestet werden.