Eine Informationsveranstaltung des Landratsamtes und des Jagdschutz- und Jägervereins Dachau zeigte: Das Thema Schweinepest ist wichtig.
Dachau – Die Afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich weiter in Europa aus und ist mit dem aktuellen Ausbruchsgeschehen in Hessen in unmittelbare Nähe der bayerischen Grenze gerückt. Für den Landkreis Dachau, das zuständige Veterinäramt und die Jägerschaft bedeutet dies, vorbereitet zu sein, um die Auswirkungen im Ernstfall so gering wie möglich zu halten. Daher fand eine gemeinsame Veranstaltung des Landratsamtes und des Jagdschutz- und Jägervereins Dachau (JJVD) statt.
Fast immer tödlicher Verlauf
Rund 115 Teilnehmer, darunter 95 Jäger, nahmen an der Informations- und Austauschveranstaltung teil. Mit dabei waren auch Vertreter aus Verwaltung und Fachbehörden wie Landrat Stefan Löwl, Dr. Ulrich Wehr vom bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, Dr. Franz-Xaver Mayr vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck sowie Experten aus den Bereichen Tierseuchenbekämpfung, Jagd und Naturschutz.
Die ASP ist eine ernstzunehmende Gefahr. Sie ist eine Virusinfektion, die Haus- und Wildschweine betrifft und fast immer tödlich verläuft. Für den Menschen ist die Krankheit ungefährlich, doch sie stellt eine erhebliche Bedrohung für die Landwirtschaft und die Wildtierbestände dar. Das Virus kann über direkten Tierkontakt, kontaminierte Materialien wie Kleidung oder Fahrzeuge und nicht durcherhitzte weggeworfene Speisereste wie beispielsweise Rohsalami oder Rohschinken übertragen werden. Es überlebt sehr lange in infiziertem Material, was eine Eindämmung erschwert und die Bekämpfung im Falle eines Ausbruchs bei Wildschweinen sehr aufwendig macht, da zur Unterbrechung der Infektionskette alle Wildschweinkadaver aus der Umwelt entfernt und schadlos beseitigt werden müssen. Und auch kontaminierte Speisereste – beispielsweise an Rastanlagen – werden regelmäßig als Ursache für eine Weiterverbreitung identifiziert. Daher ist es besonders wichtig, keine Speisereste in der Natur zu hinterlassen und Müllbehältnisse gut zu verschließen.
Großräumige Betretungsverbote
Dr. Sophie Rothammer vom Veterinäramt Dachau informierte die Teilnehmer umfassend über die Krankheit, die rechtlichen Vorgaben zur Bekämpfung sowie mögliche Maßnahmen, die von behördlicher Seite angeordnet werden können. Hierunter fallen zum Beispiel großflächige Umzäunung sowie weitere Maßnahmen, die ein Abwandern infizierter Wildschweine verhindern sollen. Dazu gehören etwa anfängliche Jagdruhe, Untersagung von Wald- oder Feldarbeiten oder großräumige Betretungsverbote.
Außerdem wurden die spezifischen Vorsorgemaßnahmen im Landkreis vorgestellt, die unter anderem Aufbau und regelmäßige Schulung von Suchtrupps und Bergeteams zur Beseitigung von Wildschweinkadavern beinhalten. Im Sinne der Früherkennung wurde zudem für eine verstärkte Teilnahme an ASP-Monitoringsuntersuchungen für gesund erlegte sowie tot aufgefundene Wildschweine geworben; denn eine möglichst frühzeitige Erkennung eines Ausbruchs ist für eine erfolgreiche Bekämpfung von entscheidender Bedeutung. Veterinäramtsleiter Andreas Unruh lobte darüber hinaus die gute Zusammenarbeit des Veterinäramts auf Seiten des Landratsamts mit dem lokalen Jagdverband JJVD und verwies auf Erfolge der Vergangenheit. So gibt es zum Beispiel bereits seit zwei Jahren Konfiskatsammelstellen, die in Zusammenarbeit mit dem JJVD eingerichtet wurden, um mögliche Infektionsketten zu unterbrechen.
Im Anschluss ging es um Maßnahmen zur Prävention und Bekämpfung in ganz Bayern. Dr. Ulrich Wehr aus dem bayerischen Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz präsentierte die bayerischen ASP-Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen. Diese basieren auf einem ganzheitlichen Rahmenplan: Neben verstärktem Monitoring zur Früherkennung umfasst er auch die Reduktion der Schwarzwildbestände und den Ausbau eines ASP-Schutzzonen Konzepts. Gerade bezüglich Monitoring und Reduktion ist die Einbindung der Jägerschaft von besonderer Bedeutung.
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Kadaversuchhunde sind im Einsatz
Des Weiteren wurde über die Aufstockung des zentralen Tierseuchenlagers am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), unter anderem mit Zaunmaterial für zirka 1600 Kilometer, Drohnen mit modernster Wärmebildtechnik und Kadaversammeltonnen berichtet. Auch umfasst die Bayerische Kadaversuchunde-Staffel mittlerweile 75 ausgebildete Hund-Halter-Gespanne, die bayernweit eingesetzt werden können und auch bereits bei der Bekämpfung der ASP in anderen Bundesländern tätig sind und waren.
Dr. Ernst-Ullrich Wittmann, Vorsitzender des JJVD, berichtete abschließend von einem Erfahrungsaustausch mit einem Jagdkollegen aus einem von der ASP betroffenen hessischen Landkreis. Der hessische Kollege stellt ganz klar dar, dass mit der Feststellung der ASP das „beschauliche Vereinsleben“ schlagartig vorbei war und betonte wie wichtig Biosicherheitsmaßnahmen sind, um einer Verschleppung der Seuche durch Suchtrupps und Bergeteams vorzubeugen. Auch wurde berichtet, dass ehrenamtliche Tätigkeit insbesondere in den ersten Wochen von herausragender Bedeutung ist, langfristig jedoch nach und nach durch hauptamtliche Kräfte ersetzt werden muss.
Landrat Stefan Löwl fasste den Abend zusammen: „Wie immer gilt, eine gute Vorbereitung hilft, im Ernstfall die richtigen Entscheidungen zu treffen und auch umsetzen zu können. Mit dieser und einer weiteren-Veranstaltung für die Landwirtschaft bereiten wir uns aktiv auf einen möglichen ASP-Ausbruch vor. Dabei gilt es, alle Beteiligten umfassend zu informieren und einzubinden. Unser Ziel ist es Mensch, Tier sowie Forst-, Jagd- und Landwirtschaft bestmöglich zu schützen.“
Bürger sollen aktiv werden
Auch die Bürger im Landkreis Dachau bittet das Veterinäramt, sich aktiv zu beteiligen: Speisereste müssen unbedingt ordnungsgemäß entsorgt werden. Diese sollten ausschließlich in verschließbaren Mülltonnen entsorgt werden, zu denen Wildtiere keinen Zugang haben, um eine Übertragung der Tierseuche zu verhindern. Denn große Distanzen legt das Virus zumeist über Lebensmittel zurück.
Falls ein totes Wildschwein entdeckt wird, bittet das Veterinäramt Dachau um eine Meldung unter der Telefonnummer 0 81 31/74 14 46 oder außerhalb der Dienstzeiten bei der Polizei Dachau unter 0 81 31/56 10.
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