Bürgermedaillenträgerin Hildegard Schuster aus Schwabhausen ist im Alter von 72 Jahren gestorben.
Sie war eine meinungsstarke Frau, die die Gemeinde über Jahrzehnte mitgeprägt hat, politisch wie gesellschaftlich, und fast Bürgermeisterin geworden wäre: Schwabhausen trauert um Hildegard Schuster, die am vergangenen Donnerstag im Alter von 72 Jahren gestorben ist, nachdem sie bereits zweimal zuvor den Krebs besiegt hatte. Bis zuletzt war sie die Seniorenbeauftragte der Gemeinde.
24 Jahr lang im Gemeinderat
2021 wurde Hildegard „Hilde“ Schuster die Bürgermedaille verliehen: 24 Jahre lang gehörte sie dem Gemeinderat an, und sie habe nicht nur politisch „das Gesicht der Gemeinde entscheidend mitgeprägt“, betonte Bürgermeister Wolfgang Hörl damals in seiner Laudatio. Mit ihrer Zielstrebigkeit und ihrem unbändigen Willen habe sie vieles in Bewegung gesetzt. Hörl erinnerte daran, dass ihr das Wohl der Familien, der Kinder und Senioren besonders am Herzen lag und sie in zahlreichen Ehrenämtern tätig war.
Ihrer Zeit war sie in vielen Dingen voraus
„Schwabhausen ist in Schockstarre“, sagte der Gemeindechef gestern. „Hilde Schuster war hoch engagiert und ihrer Zeit voraus in so vielen Dingen. In den zwei Jahren als Seniorenbeauftragte hat sie mit unglaublicher Kraft und Zielstrebigkeit gearbeitet. Sie hinterlässt Fußstapfen, die keiner mehr füllen kann.“ Selbst als sie zuletzt, als die Krankheit zurückkam, immer wieder in die Klinik musste, habe sie noch Dinge angeschoben „und mich angerufen, um Projekte abzusprechen“, sagte Wolfgang Hörl.
Voller Einsatz als Seniorenbeauftragte
Auch als Seniorenbeauftragte schob sie vieles an, führte eine Seniorensprechstunde im Rathaus ein, hatte zuletzt die Idee, in Schwabhausen ein Demenzcafé einzurichten: Das Thema Demenz „aus der Tabuzone zu holen, ist eine Herausforderung“, erklärte sie noch im vergangenen Oktober.
Sozialreferent und zweiter Bürgermeister Florian Scherf: „Hildegard Schuster verstand es, gute Ideen für die Gemeinde zu entwickeln und elanvoll umzusetzen. Sie wusste ihre Mitmenschen dafür zu begeistern und zum Mitmachen zu bewegen. Schwabhausens Bürger verdanken ihr viele schöne Stunden auf dem Bürgerfest und dem Christkindlmarkt. Nicht zuletzt ging es dabei auch immer darum, Mittel für den Sozialfonds der Gemeinde zusammenzubekommen und damit unverschuldet in Not geratene Mitbürger unterstützen zu können.“
Als Seniorenbeauftragte habe Hildegard Schuster zuletzt „die Vision verfolgt, die vielen ehrenamtlich im sozialen Bereich engagierten Menschen unserer Gemeinde zusammenzubringen und ihre Kräfte zu bündeln. Leider blieb ihr nicht mehr genug Zeit, dieses Vorhaben zu Ende zu bringen.“
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In verschiedenen Vereinen war Schuster Mitglied, sie war in der Kirche engagiert, und ihr Name wurde natürlich in einem Atemzug mit dem Christkindlmarkt und dem Bürgerfest in Schwabhausen genannt. Für beide Institutionen war sie so viele Jahre lang der Motor, die Organisatorin. Sie brachte die Gemeindebürger zusammen, dachte sich für das Bürgerfesträtsel die Fragen aus, besorgte Preise, war sich für keine Tätigkeit zu schade.
Sie bringe Menschen mit ihrem Organisationstalent zusammen, betonte Bürgermeister Hörl bei der Verleihung der Bürgermedaille, und: „Wir sind froh, dass wir dich haben.“ Ein „Organisationstalent und ein Vorbild in Sachen Ehrenamt“ hat sie Bürgermeister Wolfgang Hörl bei einer weiteren Ehrung beschrieben, als man ihr auf dem 25. Jubiläums-Christkindlmarkt dafür dankte, dass durch ihren Einsatz der Markt 1993 ins Leben gerufen wurde.
Mitgründerin der UBV vor 30 Jahren
Auch politisch hinterlässt Hilde Schuster ein gewichtiges, sichtbares Erbe. Sie war vor 30 Jahren nicht nur Mitgründerin der Wähhlergemeinschaft UBV 85247 Schwabhausen, sondern war fast zwei Jahrzehnte treibende Kraft, Frontfrau und Sprachrohr der UBV. Für Hildegard Schuster war die Wahl in den Gemeinderat mit der UBV auch ein Comeback in einem neuen politischen Lager, denn zuvor war sie bei der CSU gewesen. Die ehemaligen CSU-Fraktionskollegen staunten 1990 nicht schlecht, als mit einem grandiosen Einzelergebnis Schwabhausens „Häufelkönigin“ wurde.
Im Gemeinderat pflegte Hildegard Schuster zwar gerne das geschliffene Wort, konnte aber auch eine scharfe Zunge führen, gerade wenn es um ihr wichtige Dinge ging. Weggefährte und UBV-Mitgründer Dieter Lupp erinnert sich an eine Mitstreiterin, die „äußerst engagiert, dabei aber liberal und offen“ gewesen sei. „Auch wenn sie von etwas überzeugt war, war sie immer bemüht, Kompromisse zu finden. Sie war ein sehr zugänglicher Mensch.“
Beinahe wäre sie auch noch selbst Bürgermeisterin geworden: 2011 kandidierte sie und trat gegen Jeanette Schaberl (CSU) und Josef Baumgartner (FW) an, als Josef Mederer die Doppelfunktion als Bürgermeister und Bezirkstagspäsident zu viel wurde. Sie schaffte es in die Stichwahl, unterlag dort aber Baumgartner.
Die Kommunalpolitikerin offenbarte damals im Wahlkampf einige sehr private Details. So sprach sie über ihre Krebserkrankung fünf Jahre zuvor und dass sie „nach Ansicht meiner Ärzte geheilt“ und wieder ganz gesund sei. Oder sie wandte sich an ihren bei einer Wahlkampfveranstaltung im Publikum sitzenden Ehemann Sepp und sagte: „Er hat es sicher nicht immer leicht mit mir, einer Frau mit Ecken und Kanten, die privat wie politisch immer ihre Meinung sagt und sich zielstrebig für das einsetzt, was ihr am Herzen liegt.“
Gottesdienst mit Verabschiedung
„Beruflich habe ich vor 20 Jahren den Sprung in die Politik gewagt“, erzählte sie. Mitarbeiterin der Landtagsabgeordneten Rita Schweiger und später kommunalpolitische Referentin in der CSU-Landesleitung ist sie gewesen, die ihr CSU-Parteibuch behielt, auch wenn sich in der Gemeindepolitik die Wege trennten. Später arbeitete sie lange Jahre für die Sudetendeutsche Landsmannschaft, war für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.
Hildegard Schuster hinterlässt ihren Mann, zwei Söhne, eine Tochter und drei Enkelkinder. Gottesdienst mit anschließender Verabschiedung zur Feuerbestattung ist am Mittwoch, 29. Dezember, um 10 Uhr in St. Michael. Die Angehörigen bitten statt Blumen um Spenden an den Sozialfonds der Gemeinde.
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