Das landkreisübergreifende Besucherlenkungskonzept für das Loisach-Kochelsee-Moor wird in Kürze der Öffentlichkeit vorgestellt. Das berichteten ZUK und Gemeinde nun bei einem gemeinsamen Pressetermin. Die Nachfrage nach Natursommer-Veranstaltungen ist heuer groß.
Benediktbeuern - Schon seit Längerem gibt es Pläne der drei Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau, ein Lenkungskonzept für die vielen Besucher zu erstellen (wir berichteten). Alle drei Landkreise grenzen an das Moor. Die Gespräche seien gut im Laufen, berichtete Sabine Rauscher, die Leiterin der Benediktbeurer Gäste-Info. „Es wird auch einen Online-Auftritt geben“, ergänzte Rauscher. Das beherrschende Thema sei der Schutz der Wiesenbrüter, sagte Pater Karl Geißinger, Leiter des Naturschutzbüros und ehemaliger Leiter des ZUK. „Das Konzept soll noch heuer vorgestellt werden“, so Geißinger.
Dank an Helfer nach Unwetter
Bei dem gemeinsamen Pressetermin stellten ZUK und Gemeinde ihre Zusammenarbeit im Naturlehrgebiet am Kloster vor, das ein Teil des Loisach-Kochelsee-Moores ist. Sie sprachen über die Bedeutung für Erholung, Bildung, Tourismus, Naturschutz und Landwirtschaft – alles Bereiche, die mitunter nicht so leicht unter einen Hut zu bringen sind. „Das Naturlehrgebiet ist für Touristen eine der Hauptattraktionen in unserer Gemeinde“, sagte Rauscher. Das ZUK gibt es seit 1988. In unmittelbarer Nähe zum Kloster liegen die Erlebnisbiotope mit unter anderem einem Schmetterlingspfad, einem Heckenlehrpfad und einem Rosenpfad, der gerade im Entstehen ist. Weiter im Inneren liegen Klang- und Moorpfad und die Vogelstationen.
Der Tiefpunkt in der Geschichte des ZUK war nach der Corona-Pandemie das Hagel㈠unwetter im August 2023. Es habe ausgesehen „wie nach einer Dampfwalze“, sagte ZUK-Leiter Benedikt Hartmann über die Schäden in der Natur: Umgekippte Bäume, entlaubte Sträucher, tote Tiere, zerdellte Schilder und zerschossene Elemente auf den Lehrpfaden waren die Folgen. „Die Natur hat sich zwar erholt, aber die Auswirkungen wird man erst in ein paar Jahren sehen können“, sagte Pater Geißinger. Ohne die große Unterstütung von zahlreichen Helfern wie ZUK-Senioren, dem Verein „Let’s do Moor“, den ZUK-Volontären und Menschen aus dem Dorf und aus der Umgebung hätte man die Aufräumarbeiten nicht stemmen könnte, dankte Doris Linke, die den Bildungsbereich leitet.
Baumpflegekosten verdoppelt
Die finanziellen Folgen machen dem ZUK noch immer schwer zu schaffen, sagte Leiter Benedikt Hartmann. Zum einen natürlich die Millionen schweren Sanierungskosten für die Gebäude, zum anderen auch die Kosten im Naturschutzbereich. Allein die Baumpflegekosten seien heuer mit 70 000 Euro doppelt so hoch wie sonst. Diese Finanzierung erfolge rein über Spenden und Erbschaften. Das Bildungsangebot, das im Freien durchgeführt werden kann, läuft im vollen Umfang, berichtete Linke. Die Nachfrage sei groß. Nicht nur Schulklassen, sondern auch Fortbildungen, Fachakademien und Schulungen für Multiplikatoren könne man anbieten. Nach wie vor sei es wichtig, Kindern den Naturraum als wertvollen Lebensraum zu zeigen. „Nur was man kennt, das schützt man“, sagte Hartmann.
Die Gemeinde bietet seit vielen Jahren den „Natursommer im Loisachtal“ an, auch in Kooperation mit den anderen Kommunen im Loisachtal. „Er läuft heuer extrem gut, die Nachfrage ist enorm“, berichtete Sabine Rauscher. Ohne die Lehrpfade im Klosterland könnte man einige Veranstaltungen nicht anbieten.
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Viel Müll von Besuchern
Die Besucherzahl im Moos sei oft sehr hoch, berichteten Rauscher und die ZUK-Vertreter übereinstimmend. Die ZUK-Volontäre seien oft mit Müllsammeln beschäftigt. „Das ist frustrierend“, sagte Hartmann. Auch über das Thema Landwirtschaft wurde gesprochen. „Wir versuchen, allen Bedürfnissen Rechnung zu tragen“, erklärte Geißinger. „Wir arbeiten mit vielen Pächtern sehr gut zusammen, etwa in Fragen wie Mähzeitpunkt und Randstreifen.“ Letztere sind unter anderem wichtige Nahrungsquellen für Vögel. „Aber natürlich hören wir manchmal die Frage: Brauchen wir jetzt noch eine Info-Tafel und noch einen QR-Code“, so Geißinger. Aber es sei nun mal das Ziel des ZUK, Natur zu schützen und in gewissem Rahmen erlebbar zu machen. „Es gibt viele Beispiele von seltenen Pflanzen, die sich hier im Loisach-Kochelsee-Moor in den vergangenen Jahren ungestört entwickelt haben“, sagte der Salesianerpater.
Großer Frust über die Bahn
Die erneuten Schwierigkeiten auf der Strecke der Kochelseebahn (wir berichteten) schaffen bei den Verantwortlichen im Kloster große Probleme. Und sie sind wütend. „Wir haben überhaupt kein Verständnis mehr“, sagt ZUK-Leiter Benedikt Hartmann. „Mit der Bahn ist vor allem überhaupt kein Dialog möglich.“ Selbst wenn man eine größere Gruppe für den Schienenersatzverkehr anmelde, komme es vor, dass nur ein Taxi fahre. „Es ist auch schon Gästen passiert, dass sie noch eine Nacht in München bleiben mussten, weil kein Zug mehr hier rausging.“ Durch diese Umstände hätten auch schon Schulgruppen ihren geplanten Aufenthalt im Kloster abgesagt. „Wir sind ein Touristen-Hotspot in der Region und haben nicht verdient, von der Bahn so behandelt zu werden“, so Hartmann. Auch Gäste-Info-Leiterin Sabine Rauscher spricht von einem „Wahnsinn“. Das Problem sei auch, dass sich manchmal die Haltestelle des Schienenersatzverkehrs ändere. „Wir sind in der Gäste-Info der erste Puffer, der das alles abbekommt“, berichtet sie über den Ärger von Reisenden.
Hohe Nachfrage, aber keine Betten
Dem ZUK fehlen seit dem Unwetter viele Übernachtungsplätze. Bis der Maierhof saniert ist, gibt es Kooperationen mit Aktionszentrum und Jugendherberge. Trotzdem: „Wir können die große Nachfrage leider nicht bedienen“, bedauert Hartmann. Ein weiteres Problem sieht er durch die erneute Baustelle bei der Deutschen Bahn (siehe Kasten).
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In diesen Tagen findet im ZUK eine Freizeit für 25 Kinder aus dem Dorf statt. Die ZUK-Volontäre haben als Abschlussprojekt einen Beobachtungsturm am Barfußpfad errichtet, von dem aus man einen sehr schönen Blick aufs Kloster hat. Die zehn neuen Volontäre kommen in wenigen Tagen. Die jungen Erwachsenen werden ein Freiwilliges Ökologisches Jahr beziehungsweise den Bundesfreiwilligendienst in der Einrichtung absolvieren, berichtete der mitbetreuende Salesianer Robert Reiner.