Die Bundesregierung bringt die E-Auto-Förderung zurück. Wirtschaftsexperten wie Ferdinand Dudenhöffer sehen das kritisch – er sieht Mitnahmeeffekte und eine Verschwendung.
Berlin/München – E-Mobilität in Deutschland erhält 2026 frischen Schwung: Die Bundesregierung legt die Kaufprämie für Elektroautos neu auf – und das auch rückwirkend für seit Jahresbeginn zugelassene E-Autos.
In einem Bericht der Bild bestätigt dies Ressortleiter Carsten Schneider (SPD). Nach Schätzungen des Bundesumweltministeriums sollen die finanziellen Mittel für rund 800.000 E-Autos reichen. Mit der neuen Förderung will Berlin besonders Haushalten mit geringem und mittlerem Einkommen die Antriebswende erleichtern.
Neustart für E-Auto-Förderung: Bundesregierung bringt Kaufprämie zurück
Hintergrund ist der politische Wunsch, die Elektromobilität in Deutschland anzukurbeln. Nach dem abrupten Stopp der alten Prämie Ende 2023 wegen Haushaltsproblemen, setzt Minister Schneider nun auf einen gezielten Boost für die heimische Branche. „Wir geben einen Anschub, weil unsere Autohersteller starke Elektroautos im Angebot haben“, erklärt der Sozialdemokrat und sieht darin eine Investition in die Zukunft des Standorts.
Die soziale Komponente soll diesmal eine größere Rolle spielen: Für Familien mit Kindern gibt es mehr Geld – abhängig von Einkommen und Familiengröße winken Zuschüsse zwischen 1500 und 6000 Euro.
Kaufprämie für Elektroautos: Wer profitiert von der neuen Förderung?
Die neue Förderung für Elektroautos setzt gezielt bei Haushalten an, die sich einen Wechsel der Antriebsgattung bislang nicht leisten konnten: So erhalten vor allem Menschen mit bis zu 80.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen die Kaufprämie. Familien mit Kindern werden stärker unterstützt – darauf haben sich Union und SPD geeinigt, um soziale Gerechtigkeit in der E-Mobilität voranzutreiben.
Bis die ersten Anträge gestellt werden können, dauert es allerdings noch. Vor Mai 2026 ist nicht mit einer Freischaltung des digitalen Antragsportals zu rechnen. Die Bundesregierung begegnet jedoch den Verzögerungen, indem sie die Förderung rückwirkend gewährt. Wer also schon jetzt einen Stromer kauft, kann sich ebenfalls auf eine Prämie freuen.
Kritik von Ferdinand Dudenhöffer: „Förderung für E-Autos ist ineffizient“
Der renommierte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hält wenig von der neuen Kaufprämie für E-Autos. Er bezweifelt, dass die Förderung im aktuellen Marktumfeld noch Sinn macht. „Nach unseren monatlichen Erhebungen war der Preisabstand zwischen Verbrenner und Elektroauto im Dezember gerade noch 1340 Euro“, so der „Autopapst“ vom CAR-Institut. Vor wenigen Jahren lag diese Differenz noch bei über 7000 Euro, doch der Trend geht durch günstigere Modelle und neue Wettbewerber weiter Richtung Parität.
„Ökonomisch macht eine Förderprämie keinen Sinn und beansprucht nur unnötigerweise den Staatshaushalt“, so Dudenhöffer in einer Stellungnahme gegenüber IPPEN.MEDIA. Seiner Einschätzung nach werden Hersteller außerdem künftig weniger eigene Rabatte gewähren, weil die Käufer ja nun staatliche Unterstützung erhalten: „Im Dezember hatten wir sehr hohe Rabatte von 19,3 Prozent im Mittel. Die Prämie erlaubt, die Rabatte zu kürzen, sprich: Die Prämie motiviert zu Mitnahme-Effekten“.
Strukturprobleme und Standortfrage: Läuft die Förderung ins Leere?
E-Autos sind in Deutschland teurer als anderswo. Für den hiesigen Standort sieht Dudenhöffer keine Vorteile durch die neue Förderung. Kritik äußert er daran, dass vor allem ausländische Hersteller profitieren könnten: „Käufer hochpreisiger Premiummodelle haben wenig bis gar nichts von der Förderung. Aber Skoda, der neue ID.Polo, Seat und natürlich Chinesen, Franzosen, Italiener, Koreaner liegen bei der Prämie Gold richtig. Und die werden nun mal nicht in Deutschland produziert.“ Damit herrsche eine paradoxe Situation, bei der nicht heimische Unternehmen vom Steuergeld profitieren.
Demzufolge erwartet der „Autopapst“ auch keinen Impuls für Beschäftigte in Deutschland: „Eine Strukturhilfe für die Beschäftigten ist NICHT zu erwarten. Die Jobs im Ausland werden gestärkt“, lautet sein nüchternes Fazit. Zugleich sieht der 74-Jährige einen Widerspruch darin, dass die Bundesregierung einerseits die Lockerung des Verbrenner-Verbots forciert und andererseits Elektroautos gezielt fördert – ein „Prämien-Gedanke, der durch Widersprüchlichkeit verpufft“.
Fazit: E-Auto-Förderung als politisches und wirtschaftliches Streitthema
Während die neue Kaufprämie für E-Autos von politischer Seite als Beitrag zur Transformation der Mobilität gefeiert wird, ist die Skepsis aus Expertensicht groß. Laut Ferdinand Dudenhöffer geht das Fördermodell am „wichtigsten Problem Deutschlands vorbei: der sehr schlechten Wettbewerbsfähigkeit“. So bleibt die 2026 wieder eingeführte E-Auto-Förderung ein Beispiel dafür, wie wirtschaftspolitische Maßnahmen auf dem Prüfstand gesellschaftlicher Debatten stehen – und wie unterschiedlich ihre Wirkung eingeschätzt wird.
Letzte Details wollte die Bundesregierung eigentlich diesen Freitag auf eine Konferenz verkünden. Doch der Termin wurde kurzfristig auf Montag verschoben. Zur Begründung verwies das Umweltministerium auf „letzte Detail-Abstimmungen innerhalb der Bundesregierung“. (Quellen: Bild, dpa, Center Automotive Research Bochum)