BYD und Co. verkaufen E-Autos in Deutschland deutlich teurer – „Autopapst“ äußert sich

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Deutsche Kunden müssen für Elektroautos von BYD und anderen China-Herstellern offenbar deutlich mehr zahlen. CAR-Experte Ferdinand Dudenhöffer erklärt die Preispolitik.

Peking/Bochum – Elektroautos gelten als Hoffnungsträger für eine nachhaltige Mobilität. Beim Blick auf die Anschaffungskosten vergeht deutschen Käufern jedoch oft die Lust am Umstieg. Während chinesische Hersteller wie BYD in ihrer Heimat mit Kampfpreisen auf Kundenfang gehen, werden vergleichbare Modelle hierzulande zu deutlich höheren Preisen angeboten.

Eine aktuelle Studie des Center Automotive Research (CAR) unter Leitung von Professor Ferdinand Dudenhöffer legt offen, wie groß die Preisschere wirklich ist – und warum sich daran so schnell nichts ändern dürfte.

BYD und andere Hersteller: E-Autos in Deutschland deutlich teurer

Die Zahlen der CAR-Studie sind eindeutig: Wer ein Elektroauto in Deutschland kaufen möchte, zahlt für das vergleichbare Modell im Schnitt 47 Prozent mehr als in China. Besonders auffällig ist demnach der Unterschied bei Batterieautos chinesischer Hersteller, die in der Bundesrepublik laut Studie durchschnittlich mehr als doppelt so teuer sind – ein Aufschlag von 118 Prozent im Vergleich zum Listenpreis in der Volksrepublik.

Auch bei Tesla und europäischen Marken zeigen sich deutliche Preisunterschiede. Während Teslas in Deutschland um 23 Prozent teurer sind als in China, liegt der Aufschlag bei europäischen Herstellern immerhin noch bei 28 Prozent. Das zeigt: Der Preisnachteil für deutsche Kunden ist kein Einzelfall, sondern ein branchenweites Phänomen.

Elektroauto-Kampfpreise in China – anderer Wettbewerb in Europa 

Laut Ferdinand Dudenhöffer tobt der Preiskampf um Elektroautos aktuell fast ausschließlich auf dem mit Abstand größten Einzelmarkt China. Dort bieten die 13 untersuchten Modelle chinesischer Hersteller ihre Fahrzeuge zu einem kaum vorstellbaren Netto-Listenpreis von durchschnittlich knapp 15.000 Euro an. Deutschlands „Autopapst“ prognostiziert, dass der Preisdruck in absehbarer Zeit auch die europäischen Märkte erreicht.

„Autopapst“ Ferdinand Dudenhöffer: BYD verkauft seine Elektroautos in Deutschland für deutlich mehr Geld als in der chinesischen Heimat
„Autopapst“ Ferdinand Dudenhöffer: BYD verkauft seine Elektroautos in Deutschland für deutlich mehr Geld als in der chinesischen Heimat © Anadolu Agency/Funke Foto Services/IMAGO; Bildmontage: IPPEN.MEDIA

Aktuell ist davon noch nichts zu spüren: Neben den noch wenig etablierten China-Marken sorgen hohe Vertriebskosten und die jüngst eingeführten EU-Zölle dafür, dass die Preise hierzulande hoch bleiben. Dudenhöffer betont: Über Nacht werde sich daran nichts ändern, mittelfristig sei jedoch Bewegung wahrscheinlich.

BYD erklärt Preisunterschiede in Deutschland – Zölle spielen keine Rolle

Auf Nachfrage von IPPEN.MEDIA weist BYD jedoch darauf hin, dass die Fahrzeuge für den europäischen Markt in vielen Punkten von den chinesischen Modellen abweichen. Unterschiede bei Spezifikationen, Sicherheitsausstattung und Homologation führen dazu, dass Autos, die auf den ersten Blick gleich wirken, in Wahrheit deutlich verschieden sind. „Fahrzeuge, die in Europa zugelassen sind, sind nicht mit denen in China vergleichbar“, betont ein Sprecher des Unternehmens. 

Auch Kosten für Transport, Marketing und die Anpassung an lokale Standards spielen eine Rolle. Zudem erklärt BYD explizit, dass die Zollgebühren beim Import in EU-Staaten nicht an die deutsche Kundschaft weitergegeben werden.

Preise und Perspektiven: Was Dudenhöffer für die nächsten Jahre erwartet

Ferdinand Dudenhöffer sieht die aktuellen Kosten für E-Autos nicht als dauerhaft stabil: „Preisschranken lassen sich mittelfristig nicht aufrechterhalten. Der große Exportdruck nagt in den nächsten drei Jahren an den Preisen und Rabatten“, prognostiziert er. Der Studie zufolge werden die Preise für Stromer in den nächsten Jahren weiter nachgeben.

Volkswagen ID.ERA
Neue Ära: Auf einer Automesse in Shanghai zeigte VW 2025 drei Konzeptautos - bald sollen in China entwickelte Modelle speziell für die Volksrepublik auf den Markt kommen. © Volkswagen AG/dpa-tmn

Deutsche Hersteller steuern dem Preiskampf in China nur teilweise entgegen. Während VW für E-Fahrzeuge wie den ID.3 in China nur den halben Listenpreis aus Deutschland verlangt, werden für einzelne BMW-Modelle sogar höhere Preise aufgerufen als in der Heimat. Das Ergebnis bleibt laut CAR-Analyse gleich: geringe Stückzahlen. Mercedes-Benz hinkt besonders hinterher und konnte bis Oktober 2025 lediglich rund 8000 E-Autos im riesigen chinesischen Markt verkaufen. Für Besserung soll der neue Hoffnungsträger CLA sorgen.

E-Auto-Preise in Deutschland und China: So wurde der CAR-Vergleich erstellt

Für die Analyse wurden 30 Elektroauto-Modelle ausgewählt, die bei zentralen Parametern wie Leistung, Batteriekapazität und Reichweite vergleichbar sind. Damit deckt die Studie nach eigener Einschätzung das relevante Spektrum der in beiden Ländern angebotenen BEV gut ab. Die Listenpreise stammen jeweils von den offiziellen Hersteller-Websites in Deutschland und China und wurden um die Mehrwertsteuer bereinigt, um Verfälschungen durch die unterschiedlichen Steuersätze in beiden Ländern zu vermeiden. So lässt sich die tatsächliche Preisstruktur besser vergleichen.

China-Hersteller, BYD und die Zukunft der deutschen Autoindustrie

Um ihre schwache Position im 10-Millionen-Produktionsstandort für Elektroautos (gemeint ist China) zu verbessern, brauchen deutsche Hersteller laut Dudenhöffer eine „klare, disruptive Kostenstrategie“. Besonders bei Volkswagen sieht er mit der Entwicklung und Produktion eigener Modelle speziell für den chinesischen Markt einen spannenden Ansatz. Die Tochtermarke Audi machte 2025 den Anfang. In diesem Jahr sollen auch die ersten Unyx-Modelle von VW starten, während die in Wolfsburg entwickelten ID-Modelle in der Volksrepublik voraussichtlich nach und nach vom Markt verschwinden.

Der Preisdruck aus China und die wachsenden Produktionskapazitäten von BYD und Co. werden die hiesige Autobranche weiter herausfordern. Auch für den deutschen Markt könnte das mittelfristig sinkende E-Auto-Preise bedeuten. Der Sprecher von Chinas Marktführer ergänzt: „BYD wird auch in Zukunft Autos entwickeln, die die Ansprüche europäischer und damit auch deutscher Kunden mehr als erfüllen.“ (PF)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/wirtschaft/byd-china-hersteller-elektroauto-preise-deutschland-autopapst-aeussert-sich-zr-94117253.html