Deutsche Autobauer feiern die Abkehr vom Verbrenner-Aus. Doch Lars Klingbeil warnt davor, den Anschluss an die Konkurrenz aus China zu verpassen.
Berlin – Das strenge Verbrenner-Aus ist bereits seit Tagen vom Tisch. Das haben CDU und CSU schon lange gefordert. Umgesetzt hat es letztendlich die EU, die auf mehr Technologieoffenheit setzen will. Konkret bedeutet das, dass ab 2035 weiter Neuwägen zugelassen werden dürfen, die mit Verbrennungsmotoren laufen. Allerdings sieht die Neuregelung vor, dass diese 90 Prozent weniger CO₂ im Vergleich zu 2021 ausstoßen dürfen. Das dürfte vor allem Plug-in-Hybriden zugutekommen.
Die Autoindustrie in Deutschland hat die Entscheidung der EU-Kommission begrüßt. Die Abkehr vom Verbrennerverbot sei ein „Schritt in die richtige Richtung hin zu mehr Flexibilität für uns als Hersteller und hin zu der notwendigen Technologieneutralität“, zitiert der SWR den Autohersteller Mercedes-Benz.
Klingbeil mahnt Autobauer zur E-Wende: Bundesregierung will Verkehrswende fördern
Doch trotz allen Jubels: Die Entscheidung der EU sei kein Freibrief für die deutschen Autohersteller, mahnt Vize-Kanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). „Wir haben jetzt einen guten Weg gefunden, wie wir den Weg zur Klimaneutralität flexibler machen, indem zum Beispiel Hybride noch länger zugelassen werden“, so Klingbeil. „Das sind Punkte, die der Vorschlag der EU-Kommission jetzt vorsieht. Und das zeigt: Wenn wir pragmatisch handeln, dann sind der Schutz von Arbeitsplätzen und der Schutz des Klimas keine Gegensätze.“
Jedoch dürften die Hersteller diese Entscheidungen „nicht missverstehen“ warnt Klingbeil. „Wenn sie jetzt meinen, sie könnten noch lange auf Diesel und Benziner setzen, dann sind ihre Schwierigkeiten in ein paar Jahren umso größer. Der Weg zur Elektromobilität muss mit hohem Tempo weitergehen.“ Gerade mit Blick auf China sehe der Minister großen Nachholbedarf bei deutschen Herstellern.
Deshalb wolle die Regierung aus CDU, CSU und SPD mit einer E-Auto-Förderung die Verkehrswende voranbringen. Das Paket sieht vor, ab 2026 mit drei Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds vor allem Haushalten mit mittleren und kleinen Einkommen den Umstieg auf die Elektromobilität zu ermöglichen.
Deutsche Autobauer dürfen den Anschluss nicht verpassen – Die Folgen sind bereits spürbar
Die Entscheidung der EU, das Verbrenner-Aus in seiner bisherigen Form zu kippen, dürfte den deutschen Autoherstellern also lediglich einen Aufschub gewähren. Denn selbst Brüssel will ab 2030 auf elektrisch betriebene Dienstwägen umsteigen. Das könnte gerade Premiummarken wie BMW, Porsche oder Audi treffen, die einen großen Teil ihrer Einnahmen über Leasingflotten oder Dienstwägen erzielen.
Zeitgleich bekommen deutsche Autobauer den Konkurrenzdruck aus China immer mehr zu spüren. Denn in der Volksrepublik stehen die Zeichen bereits seit langem auf E-Mobilität und preiswerte Kleinwagen mit Elektromotor fluten den deutschen und europäischen Markt. So hat sogar die Deutsche Bahn Elektrobusse unter anderem beim chinesischen Hersteller BYD gekauft.
Das sorgte auch für Kritik von Vize-Kanzler Klingbeil. „Dass die Deutsche Bahn entschieden hat, neben einer Großbestellung für MAN auch weitere Elektrobusse aus China zu kaufen, ärgert mich“, erklärte der NOZ. „Ich wünsche mir einen gesunden Standort-Patriotismus. Dazu gehört, dass man solche Aufträge bei entsprechendem Angebot deutschen oder europäischen Herstellern erteilt.“ Doch trotz möglicher Widrigkeiten hält Klingbeil am Ende fest: „Die Zukunft ist elektrisch.“ (Quellen: SWR, NOZ) (nhi)