Volkswagen beschleunigt den Elektro-Wandel: Batteriezellen werden nun selbst produziert, gleichzeitig gibt es eine bedeutende Entscheidung bezüglich VW ID.Polo.
Wolfsburg/Salzgitter – Volkswagen steht inmitten eines historischen Wandels: Mit der neuen Batteriezellenfabrik in Salzgitter und dem Abschied vom klassischen Polo als Verbrenner läutet der Konzern eine neue Ära der Elektromobilität ein.
Während die Konkurrenz aus Asien und insbesondere China bislang den Markt für Batterien dominiert, investiert VW viel Geld, um technologisch aufzuholen – und auch die Zukunft der deutschen Autoindustrie zu sichern. Die Strategie ist klar: Wer die Batterietechnologie bewältigt, beherrscht das Elektroauto – und damit die Mobilität der Zukunft.
VW mit Elektro-Offensive: Batteriezellenproduktion für ID.Polo startet
Mit dem verkündeten Start der Batteriezellenproduktion in Salzgitter setzt VW ein deutliches Zeichen für den Umbruch der hiesigen Automobilindustrie. Mehr als eine Milliarde Euro wurde investiert, um Europas erste eigene Zellfabrik eines Autoherstellers (sieht man mal vom BMW-Pilotwerk bei München ab) auf dem Gelände des bisherigen Motorenwerks zu errichten. Konzernchef Oliver Blume nennt den Neubau ein „starkes, technologisches Signal für Europa“ und sieht darin einen wichtigen Baustein für die Konzernstrategie.
Die Fertigung bei Volkswagen beginnt mit einigen Hundert Batteriezellen pro Tag, soll aber rasch auf bis zu 700.000 Zellen täglich steigen. Die angepeilte Jahreskapazität von 20 Gigawattstunden würde für rund 250.000 Elektroautos reichen. Zunächst sollen die Batteriezellen aus Niedersachsen künftig in den neuen Elektro-Kleinwagen VW ID.Polo und Cupra Raval eingesetzt werden, die 2026 in Spanien anlaufen.
VW: Batterie als Schlüsseltechnologie – für mehr Unabhängigkeit
Volkswagen setzt mit PowerCo auf die eigene Entwicklung und Produktion von Batteriezellen, um Kosten zu senken und die Abhängigkeiten von Asien zu drosseln. Technikvorstand Thomas Schmall betont: „Die Batterie ist die Schlüsseltechnologie der E-Mobilität. Wer die Batterie beherrscht, der beherrscht das Auto.“ Laut Volkswagen entfallen 30 bis 40 Prozent der Gesamtkosten eines Elektroautos auf die Batterie.
Volkswagen und die Batterietochter PowerCo SE
Der VW-Standort Salzgitter ist jetzt das globale Zentrum für Batteriezellen des Konzerns. Mit der PowerCo SE hat VW dort die Serienproduktion der Einheitszelle gestartet, um technologische Souveränität und Versorgungssicherheit zu erreichen. Die Standardisierung soll Batteriekosten senken und die Elektromobilität erschwinglicher machen. Zusätzlich plant VW, den Rohstoffkreislauf für Stahl am Standort zu schließen und so unabhängiger zu werden.
Mit der sogenannten Einheitszelle will VW bis zu 80 Prozent aller E-Fahrzeuge im Konzern ausstatten. Das Ziel: eine günstigere Herstellung, Skaleneffekte nutzen und den Wettbewerb mit asiatischen Herstellern aufnehmen. Im laufenden Jahr hatte die Pleite des schwedischen Herstellers Northvolt Europas Batteriehoffnungen zuletzt ausgebremst, umso wichtiger ist nun das Engagement von Europas größtem Autobauer mit der neuen „Gigafabrik“.
Elektro-Umbruch: Der VW ID.Polo ersetzt den Verbrenner
Zeitgleich markiert die Entscheidung, den Polo künftig ausschließlich als Elektroauto anzubieten, einen weiteren wichtigen Schritt bei VW. Markenchef Thomas Schäfer erklärt, dass strengere EU-Abgasvorgaben den Bau günstiger Verbrenner unrentabel machen: „Neue Modelle mit Benziner in der Polo-Klasse und darunter noch einmal anzubieten, ergibt mit Blick auf die künftige Abgasregulierung keinen Sinn“.
Mit dem ID.Polo steht der elektrische Nachfolger bereits in den Startlöchern. Ab Frühjahr 2026 soll der kompakte Stromer zu einem Einstiegspreis von knapp 25.000 Euro auf den Markt kommen und die Lücke schließen, die das bisherige Angebot hinterlässt. Kürzlich wurden wichtige Details zum E-Kleinwagen verkündet. Die Prämisse: Bezahlbare und nachhaltige Mobilität für breite Kundenschichten soll auch bei Volkswagen möglich sein. Das elektrische Einstiegsmodell ist aktuell der ID.3, dessen Neuwagenpreis seit 2024 bereits markant gesunken ist.
Drei neue Volkswagen-Werke, um den Elektro-Rückstand aufzuholen
Bisher dominieren asiatische Hersteller, allen voran China, den Markt für Batteriezellen und Elektrotechnologie. Volkswagen will diesbezüglich mit Werken in Salzgitter, Valencia und St. Thomas (Kanada) die Vormachtstellung herausfordern und die hauseigene Batterietechnologie in Europa ansiedeln. Automobilexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management erklärte dem NDR: „Die Hauptkonkurrenten CATL, BYD und LG sind Volkswagen und anderen europäischen Herstellern etwa 10 bis 15 Jahre voraus.“
Der Hochlauf der VW-Produktion hängt natürlich auch mit dem Tempo der E-Mobilität in Europa zusammen. Schmall sagt: „Wenn der Gesamtbedarf langsamer wächst als ursprünglich geplant, dann wächst auch die PowerCo langsamer.“ Trotzdem sieht sich VW mit den drei neuen Standorten gut aufgestellt und sendet ein starkes Signal für den industriellen Wandel in Deutschland und Europa. (Quellen: Volkswagen, Deutsche Presse-Agentur, NDR, Stern)