US-Hersteller eröffnet in Hausham: Europazentrale im ehemaligen Impfzentrum

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Große Pläne: Fürs neue Europageschäft hat der amerikanische Yeti-Geschäftsführer Chris Conroy (r.) Axel Brosch als General Manager eingesetzt. © Steffen Gerber

Es war ein Hauch von Amerika, der durchs Ex-Impfzentrum in Hausham wehte: „Yeti Europe has launched“, verkündete Axel Brosch, der US-Mountainbike-Hersteller hat sein Europageschäft aufgenommen.

Hausham – Aus den Lautsprechern wummern leise Bässe, an den Wänden hängen massive Mountainbike-Rahmen. In der Mitte des Showrooms stehen nagelneue Bikes, drumherum mehrere Amerikaner, Techniker und Manager, in sportlichem Outfit. „Welcome to the new headquarter in Europe“, ruft der General Manager Axel Brosch, „willkommen in der neuen Europazentrale.“

Die Szene könnte sich wohl ebenso gut in einem schicken Münchner Büroviertel abspielen, wo sich große Unternehmen ansiedeln, die aus den Staaten nach Deutschland expandieren. Doch der US-Mountainbike-Hersteller Yeti Cycles hat sich ganz bewusst für den Landkreis entschieden. Im ehemaligen Impfzentrum in Hausham eröffnete die Kultmarke gestern ihr neues Hauptquartier. Damit geht der Hersteller einen ungewöhnlichen Weg, wie Brosch erklärte.

„Viele aus der Industrie haben gesagt: Was macht ihr da?“, sagte der Mann, der mit dem Aufbau des Europa-Geschäfts beauftragt ist. Keine leichte Aufgabe: Nach der Corona-Zeit, in der Fahrräder extrem gefragt waren und vielfach nachbestellt wurden, haben viele Händler und Geschäfte bis heute ihre Lager voll. Entsprechend schwer ist es, neue Räder und Marken in den Verkauf zu bringen. „Aber die Wende kommt“, ist sich Brosch sicher. Mai, Juni, Juli – die stärksten Monate – sollen den nötigen Aufschwung bringen.

40 Jahre nach der Gründung: Yeti expandiert

Dass Yeti 40 Jahre nach der Gründung überhaupt nach Europa will, bezeichnete Geschäftsführer Chris Conroy, der mit einem Team aus Colorado angereist war, als natürlichen Schritt. „Wir konnten, wir wollten und wir mussten expandieren“, ergänzte Brosch. Nachdem die Räder bisher nur über Distributoren verkauft wurden, will sich der Hersteller künftig selbst um den Verkauf übers Internet und Fachgeschäfte kümmern. Anders als Distributoren, die nur ausgewählte Bikes containerweise bestellt hatten, kann Yeti innerhalb weniger Tage die gesamte Palette an Händler liefern – entweder aus den USA oder aus einem Warenlager in den Niederlanden. Auch der Service soll von Hausham aus besser werden: Wer Premium-Räder verkauft, soll auch Premium-Service bieten.

Verkauft wird im ehemaligen Impfzentrum außer Zubehör und Bekleidung nichts; der Showroom dient der Präsentation für Fahrradhändler und Journalisten. Auch Konsumenten kommen aber oft zur Tür rein. „Die schmeißen wir natürlich auch nicht raus“, scherzte der General Manager. Als „headquarter“ sei Hausham aus gleich mehreren Gründen ideal: Die Berge stehen vor der Tür, legale Trails können für Ausfahrten genutzt werden und die Marke sei auf der Durchfahrt in Richtung Schliersee gut sichtbar. Dass Yeti mit dem Einbruch im Februar einen schlechten Start hatte, daran erinnerte noch einmal Vize-Bürgermeister Sepp Schaftari. „Ich wünsche Ihnen viel Glück und Erfolg“, sagte er.

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Das kann die Marke sicher brauchen. Brosch zufolge wird es dauern, bis sich das Geschäft rechnet. „Noch ist es zäh“, räumte er ein. Die Preise beginnen bei 5000 Euro und reichen bis gut 16 000 Euro pro Bike. Dafür bekommen Kunden aus Sicht der Marke besondere Leistungen: Die Räder lassen sich aus „Kits“ zusammenstellen und personalisieren, erklärte Peter Zawistonski, Vize-Chef der Entwicklungsabteilung.

Zusammen mit ihrem Motor-Zulieferer TQ aus München, vertreten von Simon Hoffmann, will Yeti nicht Marktsegmente bedienen, sondern individuell Kunden ansprechen. Eine Fahrt auf den Bikes solle sich anfühlen wie der beste Tag im Leben, kündigte er an. Viele der geladenen Gäste wollten das gleich ausprobieren: Sie brachen zur ersten Probefahrt auf. nap

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