Die Hochschule erprobt in Petershausen ein Verfahren zum Abbau von Mikroplastik in Abwasser.
Wäsche waschen, Auto fahren oder auch nur spazierengehen: Permanent entsteht in unserem Alltag Mikroplastik – etwa durch den Abrieb von Fasern, Reifen oder Schuhsohlen. Die winzigen, schwer abbaubaren Teilchen finden sich inzwischen überall und verursachen Probleme für Mensch wie Umwelt. Auch in modernen Kläranlagen können die Kunststoffteilchen bisher nicht herausgefiltert werden. Das soll sich ändern – so das Ziel des Forschungsprojekts „Plastic Worms“, das aktuell an der Hochschule Weihenstephan Triesdorf (HSWT) läuft. Und bei dem Petershausen und die örtliche Kläranlage des Eigenbetriebs (EGP) eine wichtige Rolle spielen werden.
Das erfuhren die Gemeinderäte in der Juni-Sitzung, als Professorin für Verfahrenstechnik Sabine Grüner-Lempart und Doktorand Julian Eckert ihr vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördertes Projekt „Plastic Worms“ vorstellten. Ins Rathaus mitgekommen war auch Markus Mostegel von der Bayreuther Firma ZWT Wasser- und Abwassertechnik, die im Forschungsprojekt die praktische Umsetzung betreut.
Die Natur wird eingesetzt, um die Natur zu schützen.
Wie läuft nun im Projekt „Plastic Worms“ der Abbau von Mikroplastik ab? In einem Behälter fließt das bereits in der Kläranlage gereinigte Abwasser über Lavagestein. Die poröse Oberfläche dieses Materials bietet einen optimalen Lebensraum für Mikroorganismen und Würmer. Und auf diese natürlichen Helfer kommt es entscheidend an. Denn Egel und Fadenwürmer zerkleinern das Mikroplastik, Bakterien und Pilze wiederum zerlegen den Kunststoff dann in seine Bestandteile und bauen ihn vollständig ab.
Alle beteiligten Organismen sind in keiner Weise speziell gezüchtet oder gar verändert, alle kommen so in unserer Umwelt vor, betonte Professorin Grüner-Lempart. Denn die HSWT setze „als grüne Hochschule natürlich auf ein biologisch basiertes Verfahren“. Hier werde „Natur eingesetzt, um unsere Natur zu schützen“, betonte Bürgermeister Marcel Fath (FW).
Im Labor hat dieses Verfahren bereits überzeugt, nun soll eine praxisnahe Testphase folgen. In der Kläranlage Petershausen wird das Unternehmen ZWT die Pilotanlage eines sogenannten Biorieselbettreaktors errichten. Durch den zylinderförmigen Behälter mit einem Volumen von fünf Kubikmetern wird dann ein Teil des gereinigten Abwassers der Kläranlage strömen. Dort werden – so das Ziel – Mikroorganismen ihre Arbeit tun und das enthaltene Mikroplastik zerlegen und entfernen. In diesen Tagen wird mit dem Bau der Anlage begonnen, die im August in Betrieb gehen. Warum aber Petershausen? „Dort ist man bereit, sich auf Innovationen einzulassen“ betonte Markus Mostegel von ZWT.
Forschungsziel des Projekts „Plastic Worms“ ist es, im bereits gereinigten Abwasser 99 Prozent des Mikroplastiks abzubauen und so zu entfernen. Wenn das klappt, könnte die Technik des Biorieselbettreaktors künftig als vierte Reinigungsstufe in der Abwassertechnik etabliert und damit Standard werden. Die Testphase in Petershausen geht bis Frühjahr 2025.
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Und dann? Wenn es gut läuft, könnten die Anlage entweder stehenbleiben und in der Kapazität ergänzt werden, so dass in Petershausen als einer der ersten Kläranlagen auch Mikroplastik im Klärprozess entfernt wird. Auch für weitere, neue Forschungsfelder ließe sich die Anlage nutzen. Denn Problemstoffe, die bisher noch nicht aus dem Abwasser herausgefiltert und abgebaut werden können, gibt es genug. Doktorand Julian Eckard nannte Arzneimittel, Röntgenkontrastmittel oder Weichmacher – Stichwort Bisphenol Al. Auch die Phosphatrückgewinnung wäre ein lohnenswertes Forschungsfeld, um mit Mikroorganismen an Lösungen zu arbeiten.
Damit auch die Petershausener erfahren, welch innovatives Forschungsvorhaben in ihrer Gemeinde läuft, wird es verschiedene Informationsangebote geben: Eine Info-Tafel wird an der Kläranlage installiert, in der nächsten Ausgabe des Bürgerjournals, die Mitte Juli erscheint, wird berichtet. Auch die Bau-Radtour mit Bürgermeister Fath, die nun auf Samstag, 20. Juli, terminiert ist, wird als erste Station die Kläranlage ansteuern. Dort stehen die beteiligten Wissenschaftler dann für Fragen zum Projekt „Plastic Worms“ bereit.