Wegen Starkregen sind am Dachauer Waldfriedhof bis zu 70 Gräber eingesunken. Die Angehörigen müssen die Erde selbst nachfüllen.
Auch einen Monat nach dem Starkregen Anfang Juni sind hier und dort im Dachauer Stadtgebiet noch die Auswirkungen zu erkennen – so auch am Waldfriedhof. Gräber sind mit weiß-rotem Flatterbändern umspannt. Eine Markierung dafür, dass das Grab abgesunken ist und eine Stolperfalle sein kann.
Heimatzeitungs-Leserin Evi Liebl, welche kurz nach dem Starkregen vom ersten Juniwochenende mit ihrem Mann durch den Friedhof spazierte, berichtet der Heimatzeitung von fürchterlichen Bildern: „Es war erschreckend. Wir haben bestimmt 20 eingesunkene Gräber gesehen.“ Es sei Wahnsinn, was da alles durchgebrochen sei, auch bei schon aufgelösten Gräbern. „Schade vor allem um die frisch bepflanzten Gräber“, so die 70-jährige Dachauerin.
Moritz Reinhold, Dachaus Stadtbaumeister, bestätigt auf Nachfrage: „Es waren etwa 50 bis 70 Gräber auf dem Dachauer Waldfriedhof betroffen.“ Mittlerweile seien die meisten Gräber aber wieder von Grabbesitzerin selbst oder beauftragten Friedhofsgärtnern aufgefüllt worden. Reinhold erklärt die Szenerie wie folgt: „Es sind Schäden, die aus Setzungen des nassen und schweren Bodens resultieren. Durch die massiven Regenfälle von bis zu 150 Liter pro Quadratmeter in wenigen Tagen, ist der sandig-lehmige Boden im Waldfriedhof bis in größere Tiefen stark durchnässt worden.“
Der Boden sei dadurch schwerer geworden und habe mit mehr Gewicht auf die im Boden bestatteten Särge gedrückt. „Dies hatte zur Folge, dass einmal der aufgeschüttete Boden über dem Sarg stärker verdichtet wird, die noch vorhandenen Hohlräume sacken zusammen und zweitens bricht bei manchen Gräbern der Sarg ein“, erklärt Reinhold weiter. Der Boden gebe von oben her nach. So entstanden laut Reinhold Einbrüche von etwa bis zu 40 Zentimeter Tiefe am Grab und in der unmittelbaren Umgebung.
Auch er bestätigt, dass davon aber nicht nur belegte, sondern auch längst aufgelöste Gräber in der Freifläche betroffen gewesen seien. Einzig Urnengräber seien vom Einsinken verschont geblieben. Zwar entstehen Bodensetzungen laut Reinhold durch die Sargbestattung immer, durch den vielen Regen und der schweren Erde seien die Setzungen nun aber in sehr kurzer Zeit vermehrt aufgetreten. Das Phänomen habe sich nach dem Starkregen allerdings nicht nur auf dem Waldfriedhof gezeigt. Auch zwei Gräber beim Stadtfriedhof seien betroffen gewesen.
So entstehen Einbrüche von etwa bis zu 40 Zentimeter Tiefe am Grab und in der unmittelbaren Umgebung.
Für die Gräber selbst sind die Grabnutzungsberechtigten verantwortlich. „Ob diese das Grab auffüllen oder jemanden damit beauftragen, bleibt jedem selbst überlassen“, so der Stadtbaumeister. Damit Grabbesitzer aber ihre abgesunkenen Gräber besser und schneller wieder auffüllen können, habe die Stadt zusätzlich zu den sieben dauerhaften Erdlagern ein weiteres, provisorisches Erdlager errichtet. Dieses werde laut Reinhold immer wieder aufgefüllt. Denn viele Familien hätten betroffene Gräber bereits fleißig wieder aufgefüllt oder auffüllen lassen.
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Die weiß-roten Absperrbänder rund um die Gräber auf dem Friedhofsgelände werden daher langsam weniger. Reinhold: „Sicherlich werden die Angehörigen versuchen, das Grab in kurzer Zeit wiederherzustellen.“ Sollte dies nicht der Fall sein oder die Stadt „feststellen, dass Gräber weiterhin eingesunken bleiben“, würden die Angehörigen von der Stadtverwaltung informiert.