Russen foltern eigenen Propaganda-Krieger Russell Bentley zu Tode

Im besetzten Donezk in der Ostukraine nahmen am 8. April 2024 drei russische Soldaten einen Zivilisten fest und folterten ihn, wie das Nachrichtenportal "t-online" schreibt. Russell "Texas" Bentley wurde vorgeworfen, ein ukrainischer Kollaborateur zu sein. Was die russischen Soldaten nicht wussten: Der Mann, den sie folterten, war einer von Ihnen.

Denn Bentley gab sich als Kriegsreporter aus und sprach nicht fließend Russisch. Der US-Amerikaner wurde so heftig gefoltert, dass er starb.

Bentley war unter Spitzname "Donbass-Cowboy" bekannt

Bentley erlangte als Separatistenkämpfer im Donbass Bekanntheit in der russischen Informationssphäre. Später trat er als Propagandist für westliches Publikum auf und versuchte, dort russische Narrative zu verbreiten.

Dabei arbeitete Bentley, der auch unter dem Spitznamen "Donbass-Cowboy" bekannt war, eng mit Alina Lipp zusammen. Die ebenfalls als Infokriegerin für Putin auftretende Deutsche lebte mit Bentley und seiner Ehefrau zu Beginn des Angriffskrieges 2022 einige Wochen in Donezk. Lipp filmte ihn oder sprach Texte auf Deutsch zu seinen Videos. Zusammen machten sie eigenen Angaben zufolge immer wieder Touren an der Front. 

Im April 2024 verschwand Bentley dann plötzlich. Das Innenministerium der "Volksrepublik Donezk", 2022 von Russland annektiert, leitete eine Suchaktion ein. Später berichteten Augenzeugen seiner besorgten Frau, Soldaten der 5. Panzerbrigade hätten den "Donbass-Cowboy" mitgenommen.

Alina Lipp dreht Propaganda-Videos für Russland.
Alina Lipp dreht Propaganda-Videos für Russland. Screenshot Telegram/Alina Lipp "Neues aus Russland"

Täter in Strafkolonie geschickt

Andere russische Kämpfer kannten Bentley und versuchten in der Folge noch davor zu warnen, einem ihrer wichtigsten Propaganda-Krieger Schaden zuzufügen. Doch jeder Appell kam zu spät, Bentley wurde zu Tode gefoltert.

Dass ein Propagandist und Ex-Soldat von den eigenen Leuten umgebracht wurde, ließ sich in Russland nicht vertuschen. Der Generaldirektor der staatlichen Nachrichtenagentur Rossija Sewodnja, Dmitri Kisseljow, schaltete sich ein und verlangte öffentliche Aufklärung. Die Täter wurden festgenommen, vor Gericht gestellt und zu langen Jahren in einer Strafkolonie verurteilt. 

Lipp, die sonst öffentlich nie ein schlechtes Wort über Russland verliert, äußerte sich nun in einem Video zu dem Vorfall um ihren befreundeten Propaganda-Kollegen. "Idioten gibt es überall", so die 32-Jährige. Bewegt über Bentleys Tod sagt sie: "Ich habe ihm viel zu verdanken".