Grundschulrektorin Sabine Gerhäußer belegt zunehmendes Desinteresse an der Ganztagsbetreuung in Schwabhausen mit Zahlen.
Schwabhausen – „Wir glauben, dass der gebundene Ganztageszug zu bröckeln beginnt“, hatte Schwabhausens Bürgermeister Wolfgang Hörl erst vor wenigen Wochen im Gemeinderat geäußert. In der jüngsten Sitzung blies er ins selbe Horn. Denn Grundschulrektorin Sabine Gerhäußer hatte zuvor Zahlen präsentiert, die Hörl dazu veranlassten, seine Befürchtung zu wiederholen.
Eltern möchten mehr Flexibilität
Gerhäußer registriert zunehmende Desinteresse, eine wirkliche Erklärung, warum der früher so begehrte Ganztageszug immer unattraktiver zu werden scheint, konnte auch sie nicht liefern – nur Vermutungen. „Die Eltern wünschen sich eine flexible Betreuung“, weiß die Rektorin aus Gesprächen. Und im Gegensatz zum Hort oder der Mittagsbetreuung bietet der gebundene Ganztageszug keine Ferienbetreuung, wie Gerhäußer den Gemeinderäten erklärte.
Derzeit sind 233 Kinder in elf Klassen an der Grundschule Schwabhausen, davon gibt es drei Klassen mit 57 Kindern im gebundenen Ganztageszug, der in Kooperation mit dem „Kinderschutz“ gestaltet wird. Im Hort sind es 70 Kinder, die Mittagsbetreuung kümmert sich derzeit um 47 Buben und Mädchen, entweder bis 14 oder bis 15.30 Uhr. Im Hort können die Grundschüler sogar bis 17 Uhr bleiben. In den Ganztagesklassen werden die Kinder von Montag bis Donnerstag bis 15.30 Uhr, Freitags aber nur bis 13 Uhr betreut. „Für viele Eltern ist 15.30 Uhr zu knapp“, erklärte die Schulleiterin dem Gremium.
Nicht nur in Schwabhausen nimmt das Interesse am Ganztageszug ab, den Gerhäußer als „pädagogisch ganz oben“ ansiedelt, weiß die Schulleiterin von Kollegen. Außerdem könnten aufgrund des Lehrermangels die AGs nicht mehr angeboten werden. Für das Schuljahr 2025/2026 hat sie gerade einmal fünf Anmeldungen für den Ganztageszug – bei 67 Neuanmeldungen insgesamt. Sabine Gerhäußer und ihr Team jonglieren beinahe täglich mit den Zahlen.
Ist der Ganztageszug bereits abgefahren?
„Das Ganztageszug-Konzept gerät ins Trudeln und Kippen“, resümiert Bürgermeister Wolfgang Hörl und fragt sich sogar, ob der „Zug abgefahren“ sei. Für das Schuljahr 2025/26 ist er laut Gerhäußer aufgrund der geringen Anmeldezahlen ohnehin abgefahren.
Ein Problem sieht das Gemeindeoberhaupt in der Vielfalt des Angebots der Schwabhauser Schule: Ganztagesklassen, Hort und Mittagsbetreuung. Über diesen „Blu㈠menstrauß“ schüttelten Bürgermeisterkollegen im Landkreis nur den Kopf. Diese böten in ihren Gemeinden oft nur eine Variante an.
Ob man den Ganztagszug nicht irgendwie attraktiver machen könne, fragte Gemeinderat Markus Arnold. Die Schulleiterin versicherte ihm, dass sie ohnehin kräftig Werbung mache und ihn bei den Eltern immer wieder vorstelle, diese jedoch offenbar flexibler bleiben wollten.
Probleme bei Klassenzusammenstellung
Ein weiteres Problem dabei sieht Gerhäußer im Thema Klassenzusammenstellung im Ganztageszug. „Das sind 14 Kinder, die nicht unbedingt zusammenpassen“, beschreibt sie die derzeitige Klasse. Hier gebe es „fünf bis sechs schwierige Kinder“. Ein Mädchen wolle deshalb sogar aus dem Ganztageszug heraus, berichtete die Schulleiterin offen.
Ob der Ganztageszug denn nicht aufgrund des neuen Rechtsanspruchs im Schuljahr 2026/2027 sogar Pflicht werde, wollte Gemeinderat Josef Reischl (CSU) wissen. „Nur die Betreuung ist Pflicht, es muss kein Platz im Ganztageszug sein“, stellte Sabine Gerhäußer klar. Es steht jedenfalls in der Sternen, wie es mit den gebundenen Ganztagesklassen an der Grundschule Schwabhausen weitergeht.
von Simone Wester