Weil der wichtigste Lieferant Insolvenz anmelden musste, ist auch ein deutsches Schuhhaus zu diesem Schritt verdammt gewesen. Wie geht es für die Mitarbeiter und die Filialen weiter?
Stuttgart – Durch den Onlinehandel und die immer weiter steigenden Preise für Immobilienmieten, Personal, Energie und Rohstoffe mussten bereits einige Schuhhändler Insolvenz anmelden oder sogar ganz aufgeben. Im vergangenen Jahr meldete beispielsweise eine Schuhhandelskette mit insgesamt 27 Filialen Insolvenz an, und kurz vor dem Jahreswechsel wurde bekannt, dass ein Schuhhändler sein Geschäft in einer zentralen Innenstadtlage aufgibt. Nun hat es auch ein Schuhhaus getroffen, das auf Über- und Untergrößen spezialisiert ist. Allerdings nicht durch eigenes Verschulden.
Wie aus den Insolvenzbekanntmachungen hervorgeht, hat die Schuhhaus Georg Horsch GmbH mit Sitz in Stuttgart am 28. Januar am zuständigen Amtsgericht einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das Unternehmen ist, wie bereits gesagt, auf Schuhe in Über- und Untergröße spezialisiert und betreibt Filialen in Stuttgart-Wangen sowie in Düsseldorf. Jüngst hatte auch ein Herrenausstatter mit Filialen in Stuttgart und München Insolvenz angemeldet.
Schuhhaus Horsch in der Insolvenz – Filialen und Online-Shop bleiben zugänglich
Das Schuhhaus Horsch blickt laut Firmenseite auf eine über 75-jährige Geschichte zurück und befindet sich noch immer in Familienhand. Wie Geschäftsführer Felix Horsch dem Branchenmagazin Shoez erklärte, war der Ausfall eines wichtigen portugiesischen Lieferanten für die Schieflage des Unternehmens verantwortlich. „Der Lieferantenausfall in Portugal hat uns in einer Phase getroffen, in der der gesamte Handel in Deutschland mit Kaufzurückhaltung und hohen Kosten zu kämpfen hat“, sagte er. „Wir haben in den vergangenen Monaten alles unternommen, um die schwierige Absatzsituation abzufedern.“
Das war aber offenbar nicht von Erfolg gekrönt, weshalb der Schritt zum Amtsgericht notwendig wurde. Dieses hat laut Bekanntmachung die Rechtsanwältin Nora Sickeler von der Anwaltkanzlei Grub Brugger zur vorläufigen Insolvenzverwalterin berufen. Die operativen Filialen in Stuttgart und Düsseldorf bleiben geöffnet und auch der Online-Shop des Unternehmens ist weiterhin zugänglich. „Entscheidend ist, dass die Kundinnen und Kunden weiterhin zuverlässig bestellen und einkaufen können“, erklärte Sickeler laut Shoez.
Kunden können Schuhhaus Horsch durch Einkäufe direkt unterstützen
Dadurch, dass die Kunden von Schuhhaus Horsch weiterhin in den Filialen und Online einkaufen können, können sie das Unternehmen finanziell unterstützen. „Wer jetzt bei Horsch einkauft, unterstützt das Unternehmen zu stabilisieren und die Grundlage für eine erfolgreiche Sanierung zu schaffen“, sagte Rechtsanwältin Sickeler laut der Stuttgarter Zeitung (StZ). Die Löhne und Gehälter der insgesamt 15 Mitarbeiter sind über das Insolvenzgeld für drei Monate abgedeckt, derweil sollen tragfähige Zukunftslösungen entwickelt werden.
Die Lage im Einzelhandel, und damit auch im Schuhhandel, ist seit einiger Zeit prekär. Im vergangenen Jahr musste beispielsweise auch ein anderes traditionsreiches Schuhhaus nach über 65 Jahren schließen. (Verwendete Quellen: shoez.biz, stuttgarter-zeitung.de, neu.insolvenzbekanntmachungen.de, horsch-shop.de, eigene Recherche)