Gasspeicher deutlich leerer als in Vorjahren – aber nicht nur Reiche bleibt entspannt

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Der aktuelle Füllstand der Gasspeicher scheint zu alarmieren. Die Bundesnetzagentur sieht die Versorgung aber gesichert und wünscht sich ein Umdenken.

Berlin – Katherina Reiche gab sich entspannt und fasste sich kurz. „Sorgen sind nicht angebracht“, erklärte die Wirtschaftsministerin von der CDU, als sie während einer Saudi-Arabien-Reise auf den aktuellen Füllstand der Gasspeicher angesprochen wurde. Dass die Frage überhaupt aufkam, hat mit den nackten Zahlen zu tun, die die Bundesnetzagentur veröffentlicht. Und die dürften durchaus so manche Augen größer werden lassen.

Wenig Gas in den Speichern, aber kein Problem: Nicht nur Wirtschaftsministerin Katherina Reiche gibt sich beim Blick auf die Füllstandsanzeigen entspannt. © Peter Kneffel/dpa, IMAGO / photothek

Mit Stand vom 2. Februar sind die Gasspeicher den Angaben zufolge noch zu 31,15 Prozent gefüllt. Zum Vergleich: Exakt ein Jahr zuvor lag der Wert bei 54,43 Prozent. Der niedrigste Stand in den Jahren 2018 bis 2021 betrug zu diesem Jahrestag 43,44 Prozent.

Gasspeicher in Deutschland: Bundesnetzagentur beurteilt Versorgung als stabil

Es waren die letzten Jahre, in denen sich Deutschland das Gas sorglos aus Russland liefern ließ. Dann überfiel Kreml-Chef Wladimir Putin die Ukraine und Berlin sowie andere europäische Partner suchten sich alternative Lieferanten. Gefunden wurden sie in Norwegen, den USA oder Aserbaidschan.

Gerade in der Anfangszeit wurde umso genauer auf die Füllstände der Gasspeicher geschaut. Die Befürchtung ging um, der Vorrat könnte nicht den gesamten Winter über reichen. Bislang war aber immer genug vorhanden.

Doch so niedrig wie aktuell waren die Füllstände zu diesem Zeitpunkt des Jahres eben nie. Dass Reiches Aussage trotzdem nicht nur ihrer Position geschuldetem Zweckoptimismus entsprang, verdeutlicht die Einschätzung der Bundesnetzagentur. „Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil. Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet. Die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung im Augenblick als gering ein“, teilt die Behörde mit.

Hat Deutschland genug Gas gespeichert? Monatlicher Verbrauch zuletzt meistens niedriger als früher

Betont wird aber auch, dass „angesichts des weiterhin erhöhten Preisniveaus“ sparsam mit Gas umgegangen werden sollte. Interessant: Im Vergleich mit dem Durchschnitt in den Jahren 2018 bis 2021 fiel der monatliche Gasverbrauch in den vergangenen Monaten durchweg geringer aus. Einzige Ausnahme war der Januar mit 2,6 Prozent über dem Durchschnittswert.

Zurückzuführen ist dieses Plus vor allem auf die Industriekunden, die 5,8 Prozent mehr Gas benötigten als im Schnitt im Vergleichszeitraum. Womöglich ein Zeichen, dass sich der Trend fortsetzt und die Auftragslage weiter positiv entwickelt. Gerade erst hatte das Statistische Bundesamt darüber informiert, dass der reale Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe im Dezember im Vergleich zum Vormonat um 7,8 Prozent gestiegen ist. Gegenüber dem Dezember 2024 war sogar ein Plus von 13 Prozent zu verzeichnen.

Diagramm zu Speicherfüllständen von Gas
Blau über Orange: Im Vorjahr waren die Gasspeicher deutlich mehr gefüllt als im aktuellen Umlauf, wie die Grafik der Bundesnetzagentur offenbart. © AGSI+, Bundesnetzagentur

Bundesnetzagentur über Gasvorrat in Deutschland: „Niedrige Füllstände kein Indiz für Mangellage“

Mit Blick auf die Gasspeicher erklärte Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur, im Interview mit der internationalen Nachrichtenagentur Reuters, deren Rolle habe sich gewandelt. Dies hänge mit dem Ausbau der LNG-Infrastruktur für Flüssigerdgas und neuen Gasflüssen zusammen. „Niedrige Speicherfüllstände sind kein automatisches Indiz für eine Gasmangellage“, betonte der 54-Jährige, der einst für die Grünen im Bundestag saß.

Müller geht jedoch davon aus, dass Deutschland „mit sehr niedrigen Speicherfüllständen aus dem Winter rausgehen“ werde. Die Bundesnetzagentur beobachte die Lage genau. Es sei festzustellen, dass Händler und Versorger ihren Verpflichtungen nachkämen.

Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sprach sich Müller zudem für eine strategische Gasreserve aus. Zwar solle die Verantwortung für eine ausreichende Versorgung weiter in privater Hand bleiben, doch es sei zu beachten, dass es „eben externe Schocks geben“ könne. Es brauche eine Absicherung, um darauf reagieren zu können. „Bisher sind das die Füllstandsvorgaben“, erinnert Müller. Diese hätten sich jedoch als eher sperriges Instrument erwiesen, was den Markt verzerre.

Klaus Müller sitzt an einem Tisch und spricht
Führt die Bundesnetzagentur seit vier Jahren: Klaus Müller sieht die Füllstandsvorgaben für die Gasspeicher kritisch. © IMAGO / Oliver Langel

Wann sollte Deutschland die Gasspeicher auffüllen? Preis im Sommer teilweise höher als im Winter

Die Gasspeicherfüllstandsverordnung legt fest, dass die Speicheranlagen zum 1. November im Regelfall zu 80 Prozent und zum 1. Februar zu 30 Prozent gefüllt sein sollen. Dieses Ziel wurde also auch im Winter 2026 knapp erreicht. Auf dem Markt haben die Vorgaben einen paradoxen Effekt, auf den die Süddeutsche Zeitung (SZ) hinweist. Denn zu erwarten wäre, dass der Preis für Erdgas im Sommer niedriger ausfalle als im Winter, da in der wärmeren Jahreszeit die Nachfrage geringer sei.

Doch die Realität sieht anders aus, wie Natasha Fielding von der Preisberichtsagentur Argus Media in dem Artikel berichtet: „Wir beobachten das Gegenteil, die Sommerpreise sind teilweise sogar höher als im Winter.“ Daher falle der Anreiz weg, Gas im Sommer günstig einzuspeichern.

Die Expertin für den globalen Gasmarkt bleibt mit Blick auf die Füllstände ebenfalls gelassen: „Deutschland könnte sich mit den eingespeicherten Mengen allein noch mehrere Wochen komplett versorgen.“ Wobei für komplette Entspannung noch kein Anlass sei: „Kritisch könnte es im Frühjahr werden, wenn die Speicherstände weiter sinken und es doch noch mal kalt werden sollte.“ (Quellen: Bundesnetzagentur, Statistisches Bundesamt, Reuters, dpa, Gasspeicherfüllstandsverordnung, SZ) (mg)

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