Bürgergeld-Verwaltungskosten werden für Bund und Kommunen jährlich teurer. 2025 kletterten sie auf einen bislang ungeahnten Höchststand, zeigt eine neue Analyse.
München – Kosten für die Durchführung der Grundsicherung für Arbeitssuchende unterliegen bereits seit Jahren dem Trend, Bund und Kommunen immer mehr Geld zu kosten. Im Vorjahr erreichten die Bürgergeld-Verwaltungskosten jedoch einen völlig neuen Höhepunkt. Resultat ist eine immer größere Finanzierungslücke, die den Staat auch in den kommenden Jahren weiter beschäftigen dürfte.
Bürgergeld-Verwaltungskosten stiegen 2025 auf neuen Höchstwert
Die Verwaltungskosten, die im Zusammenhang mit Bürgergeld-Empfängern fällig werden, erreichten 2025 einen neuen Höchststand: Wie eine Analyse des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) zeigt, beliefen sich die staatlichen Verwaltungsausgaben im Zusammenhang mit Bürgergeld-Empfängern auf 7,97 Milliarden Euro. Zunächst hatte die Bild-Zeitung über die Ergebnisse der BIAJ-Berechnungen berichtet, unter anderem griffen aber auch Euronews und das Handelsblatt das Thema auf.
Wie sehr die Verwaltungskosten im Laufe der letzten Jahre stiegen, wird im Zehnjahresvergleich unmissverständlich deutlich: 2015 lagen die Verwaltungsausgaben noch bei 5,64 Milliarden Euro, was in Differenz zum heutigen Wert einem Anstieg von 41 Prozent entspricht. Herunter gerechnet auf einen einzelnen Bürgergeld-Empfänger bedeutet es, dass der Staat für jeden von ihnen 2046 Euro jährlich für die Betreuung ausgibt. Die 2000-Euro-Marke wurde dabei erstmals in der Historie überschritten: vor zehn Jahren lagen die Kosten noch bei 1303 Euro jährlich.
Gerechnet hat der Bund mit einer derartigen Zunahme der Bürgergeld-Verwaltungskosten nicht
Erwartet worden war eine so deutliche Zunahme der Bürgergeld-Verwaltungsausgaben jedoch nicht, wie Euronews informiert. So gaben Bund und Kommunen im Vorjahr 29,3 Prozent mehr für die Verwaltung aus, als ursprünglich geplant. Vorgesehen waren für den Bereich der „Verwaltungskosten für die Durchführung der Grundsicherung für Arbeitssuchende“ 5,25 Milliarden Euro für den Bund. Letztlich trug der Bund von den insgesamt 7,97 Milliarden Euro 6,788 Milliarden Euro, also mehr als 1,5 Milliarden Euro mehr als geplant.
Um die höheren Kosten auszugleichen, hätten finanzielle Mittel umgewidmet werden müssen, die eigentlich für „Leistungen zur Eingliederung in Arbeit“ eingeplant waren, berichtet das Handelsblatt. Im Umkehrschluss bedeutet es, dass wegen höherer Verwaltungsausgaben weniger Geld für Weiterbildungsmaßnahmen, Bewerbungen oder andere Unterstützungsangebote zur Arbeitsaufnahme zur Verfügung steht.
Auch für den Haushalt 2026 sind erneut nur 5,25 Milliarden Euro für die Verwaltung der „neuen Grundsicherung“, wie das Bürgergeld ab Mitte des Jahres heißen wird, angesetzt. Nach Einschätzung des BIAJ ist es „vollkommen unrealistisch“, dass die Jobcenter mit diesem Betrag auskommen. Etwa ein Drittel der rund 100.000 Beschäftigten der Bundesagentur für Arbeit ist mit der Auszahlung von Bürger-, Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld befasst. Als Hauptgrund für die gestiegenen Verwaltungskosten nennt das BIAJ höhere Gehälter infolge der jüngsten Tariferhöhungen. (Quellen: Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe, Bild, Handelsblatt, Euronews) (fh)