Trump schickt eindringliche Warnung an Kanada: „Jetzt wendet sich das Blatt“

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Trump nimmt Mega-Projekt in Geiselhaft und warnt Kanada eindringlich: „Jetzt wendet sich das Blatt“

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Donald Trump schießt sich derzeit auf Kanada ein. Bei seinem neuesten Plan geht es dem US-Präsidenten um Respekt und viel Geld.

Washington – Die Grenze zwischen den USA und Kanada gilt mit einer Länge von fast 9000 Kilometern als längste militärisch nicht überwachte Grenze der Welt. Sie soll demnächst einen weiteren Übergang bekommen. Denn der im Herbst 2018 begonnene Bau der Gordie Howe International Bridge, der Windsor im kanadischen Bundesstaat Ontario mit Detroit im US-Bundesstaat Michigan über den Detroit River verbindet, befindet sich in den finalen Zügen.

Sind derzeit nicht gut aufeinander zu sprechen: US-Präsident Donald Trump stellt Forderungen an Kanadas Premierminister Mark Carney (kl. Foto) für die Eröffnung der neuen Grenzbrücke. © Samuel Corum / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP, Sean Kilpatrick/The Canadian Press/dpa

Das Projekt, in das laut der offiziellen Homepage umgerechnet knapp vier Milliarden Euro fließen, ist auch für Donald Trump interessant. In seinem Streit mit Kanada. Der US-Präsident scheint es als Möglichkeit auserkoren zu haben, um den Druck auf den nördlichen Nachbarn zu erhöhen, der sich ihm zuletzt deutlich widersetzte. Nun nimmt er die Brücke quasi in Geiselhaft, wie auf Truth Social zu erfahren ist.

Trump schimpft auf Kanada: „Nun wendet sich das Blatt für die USA“

In einem ausführlichen Post moniert Trump zunächst: „Wie jeder weiß, behandelt Kanada die Vereinigten Staaten seit Jahrzehnten sehr unfair. Nun wendet sich das Blatt für die USA – und zwar schnell.“ So kommt er auf die Grenzbrücke zu sprechen, deren große Schwäche in seinen Augen direkt erwähnt wird: Sie komme ganz ohne Komponenten aus den USA aus. Wer daran die Schuld trage, sei klar. Denn der einstige US-Präsident Barack Obama habe Kanada „dummerweise“ zugesichert, dass es den „Buy American Act“ umschiffen dürfe.

Laut dieser Vorschrift sind Bundesbehörden dazu verpflichtet, inländische Materialien und Produkte zu beschaffen. Die Bedingungen: Sie müssen für den öffentlichen Gebrauch innerhalb der Vereinigten Staaten bestimmt sein und die genutzten Teile müssen „in ausreichenden und angemessenen Mengen und von zufriedenstellender Qualität“ im US-Handel verfügbar sein.

„Nun erwartet die kanadische Regierung von mir, dass ich ihnen als US-Präsident erlaube, ‚Amerika einfach so auszunutzen‘“, klagt Trump in seinem Post sein Leid: „Was haben die USA davon? Absolut nichts!“

Trump kritisiert Kanadas China-Pläne: „Wir bekommen nur die Reste ab“

Auch das von Kanadas Premierminister Mark Carney geplante Abkommen mit China erwähnt der Republikaner. Sein Urteil lautet: Damit werde der Regierungschef sein Land ruinieren. Auch zum Schaden der USA: „Wir bekommen nur die Reste ab!“ Einmal mehr schürt Trump zudem die Angst, Peking werde dafür sorgen, dass das in Kanada so beliebte Eishockey verboten werde.

Nach der Exkursion geht es aber schnell zurück zum aktuellen Beziehungsstatus der beiden nordamerikanischen Nachbarn. So bezeichnet Trump die kanadischen Zölle auf US-Milchprodukte als „inakzeptabel“. Dadurch würden Landwirte „einem großen finanziellen Risiko“ ausgesetzt werden. Ein Vorwurf, den er schon häufiger anbrachte.

Trump und die Kanada-Zölle: Exporte von Milchprodukten wirklich so teuer?

Das Büro des US-Handelsbeauftragten verweist grundsätzlich auf eine Einigung zwischen den USA, Mexiko und Kanada, von der US-Landwirte, -Viehzüchter und -Agrarunternehmen profitieren würden. Demnach wurden die Möglichkeiten ausgeweitet, Milchprodukte nach Kanada zu verkaufen, zudem würden Zölle auf Molke und Margarine abgeschafft.

Brücke führt über Fluss
Sie verbindet die USA und Kanada über den Detroit River: Die Gordie Howe International Bridge soll 2026 nun endlich freigegeben werden. © IMAGO / imagebroker

Dem Thema nimmt sich auch die Vereinigung der kanadischen Milchbauern (DFC) an. Diese betont auf ihrer Homepage, dass es immer eine Menge an Milchprodukten gebe, die zollfrei importiert werde. Ein höherer Zollsatz falle erst an, wenn diese Menge erreicht sei. Weiter heißt es in diesem Zusammenhang: „Tatsächlich werden die Länder, die Produkte nach Kanada exportieren, den hohen Zollsatz jedoch nicht zahlen, da sie schlichtweg nicht mehr exportieren, als im Handelsabkommen, auf dessen Grundlage sie Zugriff haben, vereinbart wurde.“

Trump über Grenzbrücke zu Kanada: US-Präsident vermisst „Fairness und Respekt“

Nach dem Milchbauern-Exkurs findet Trump in seinem Post aber schnell zurück zu seinem Hauptanliegen: sein Problem mit der Gordie Howe International Bridge. „Ich werde nicht erlauben, dass diese Brücke eröffnet wird, ehe die USA für alles kompensiert werden, was wir ihnen gegeben haben, und – was ebenfalls wichtig ist – Kanada die USA mit der Fairness und dem Respekt behandelt, den wir verdienen“, setzt er den Ton und kündigt sofortige Verhandlungen an.

Daten zur Gordie Howe International Bridge

Baubeginn: 5. Oktober 2018

Auftragsvolumen: 6,4 Milliarden kanadische Dollar

Länge: 2,5 Kilometer

Breite: 37,50 Meter

Höhe der beiden Brückenpfeiler: 220 Meter

Abstand zwischen Wasseroberfläche und Fahrbahn: 46 Meter

Abstand zwischen den Spitzen der Brückenpfeiler: 853 Meter

Anzahl Fahrbahnen: sechs für Fahrzeuge und eine für Fußgänger und Radfahrer

Quelle: Homepage der Gordie Howe International Bridge

Außerdem weckt der 79-Jährige Hoffnungen auf einen Geldregen für die US-Wirtschaft: „Nach allem, was wir ihnen gegeben haben, sollten wir vielleicht zumindest die Hälfte dieses Vermögenswertes bekommen. Die durch den US-Markt generierten Einnahmen werden astronomisch sein.“

Trump nimmt Grenzbrücke in Geiselhaft: Wird Gordie Howe International Bridge 2026 eröffnet?

Kanada und Carney waren zuletzt häufiger ins Visier Trumps geraten. Nachdem der liberale Politiker angesichts der aggressiven Handelspolitik auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos klar auf Distanz zu Washington gegangen war, kassierte der mächtigste Mann der Welt seine Einladung für eine Mitgliedschaft in seinem dort gegründeten Friedensrat ein. Auch mit neuen und höheren Zöllen drohte er wie gewohnt.

Dass Kanada nun sein Ziel aufgibt, ab 2035 nur noch Elektroautos zu verkaufen, dürfte Trump zudem als Erfolg verbuchen. Auch wenn er dank Tesla-Chef Elon Musk überraschend ein Herz für E-Mobilität zu entwickeln scheint. Bei der Verkündung der Entscheidung betonte Carney sogar „die enge Verflechtung der kanadischen und amerikanischen Wirtschaft“ gerade in der Auto-Branche.

Ob diese sich schon bald über die neue sechsspurige Verbindung über den Detroit River freuen darf, liegt wohl letztlich in Trumps Händen. Zwar wurde der Zeitpunkt der Eröffnung der Gordie Howe International Bridge bereits mehrmals verschoben – aber eben wegen baulicher Verzögerungen, die solche Mega-Projekte für gewöhnlich mit sich bringen. 2026 sollen aber Fahrzeuge rollen. Möglichst schon früh im Jahr. Es sei denn, Trump macht seine Drohung war. (Quellen: Homepage der Gordie Howe International Bridge, Truth Social, Buy American Act, Office of the United States Trade Representative, DFC) (mg)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/politik/trump-schickt-warnung-an-kanada-jetzt-wendet-sich-das-blatt-94162927.html