Die Bundeswehr bestellt laut einem Bericht tausende KI-Kampfdrohnen. Schon Ende des Jahres soll die NATO-Brigade in Litauen damit ausgestattet sein.
Berlin – Deutschland will seine Verteidigungsfähigkeit im Zeitalter digitaler Kriegsführung stärken: Das Bundesverteidigungsministerium unter der Leitung von Boris Pistorius (SPD) plant einen umfangreichen Einkauf von hochmodernen Kamikazedrohnen mit künstlicher Intelligenz (KI). Die Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg zeigen, dass Drohnen in der modernen Kriegsführung eine immer wichtigere Rolle einnehmen.
Bisher nutzt die Bundeswehr Drohnen nur zur Aufklärung. Laut einem Exklusiv-Bericht des Spiegel will das Verteidigungsministerium für insgesamt rund 536 Millionen Euro Tausende sogenannte „Loitering Munition“ bestellen. Diese unbemannten Kampfdrohnen können mit Sprengköpfen bewaffnet werden und auch weit entfernte Ziele erreichen. Bezeichnet werden sie oft auch als Kamikazedrohnen. Die Beschaffung soll im Eiltempo erfolgen, mit einer geplanten Lieferung bis Ende 2026.
Zwei deutsche Start-ups sollen Tausende KI-Drohnen an die Bundeswehr liefern
An der Entwicklung und Produktion der Drohnen sind nach Informationen des Spiegel zwei deutsche Start-ups beteiligt:
- Stark Defence: Das deutsche Start-up bietet die Virtus-Drohne an, die 1,80 Meter lang ist, 30 Kilogramm wiegt und mit verschiedenen Sprengköpfen ausgestattet werden kann. Die Virtus-Drohne kann selbstständig senkrecht abheben und benötigt keine Startrampe oder ein Katapult. Ihr Akku soll für mindestens 100 Kilometer Flug reichen. Das Unternehmen hat laut Handelsblatt eine 5000 Quadratmeter große Produktionsstätte im Großraum München aufgebaut und plant, seine Stückzahlen massiv zu erhöhen.
- Helsing: Der etablierte Rüstungskonzern bietet das KI-Drohnen-Modell HX-2 an. Es ist mit 1,13 Metern Länge und 12 Kilogramm Gewicht kompakter und besitzt laut einer Pressemitteilung ebenfalls eine Reichweite von rund 200 Kilometern. Sie kann mit einem Sprengstoff bestückt werden. Die HX-2 startet von einem Katapult und soll laut Hersteller „immun“ gegen elektronische Kampfführung sein. Helsing stellt laut einem früheren Bericht des Münchner Merkur bereits 1000 HX-2-Drohnen pro Monat her und plant mittelfristig eine Verzehnfachung der Produktion in Bayern. Deutschland lieferte HX-2-Drohnen von Helsing bereits tausendfach an die Ukraine.
KI-Kamikazedrohnen sollen zur deutschen NATO-Brigade in Litauen gehen
Der Spiegel berichtet zudem, dass auch Rheinmetall plant, in den Markt der Kamikazedrohnen einzusteigen und der Bundeswehr in den kommenden Wochen ein eigenes Modell vorstellen will. Seine Informationen bezieht das Blatt aus Unterlagen, die dem Bundestag aktuell zur Genehmigung vorliegen würden. Demnach plane die Merz-Regierung die Beschaffung von „Lenkwaffen, die zunächst ohne bestimmtes Ziel gestartet werden und über dem Zielgebiet kreisen“. Danach bekämen sie von einem Drohnenpiloten am Boden ein Angriffsziel zugewiesen.
Die KI-Kamikazedrohnen sollen laut dem Bericht künftig zur Ausstattung der Panzerbrigade 45 in Litauen gehören, die bis 2027 vollständig aufgestellt sein soll. Die Stationierung an der NATO-Ostflanke solle zeigen, dass das militärische transatlantische Bündnis auf eine Bedrohung durch Russland reagieren könne, soll es in dem Papier heißen, das als Verschlusssache eingestuft ist.
Milliarden-Bestellung im Rekordtempo: KI-Drohnen sollen schon Ende 2026 bereitstehen
Würden die KI-Drohnen bereits bis Ende des Jahres zu deutschen NATO-Brigade in Litauen geliefert, wäre dies für Bundeswehr-Verhältnisse eine enorme Geschwindigkeit bei der Beschaffung neuer militärischer Ausrüstung. Die Bundeswehr habe seine normalerweise trägen Beschaffungsmodelle für den Drohnenkauf komplett überarbeitet, heißt es. Sei dieses Modell erfolgreich, könne es als Muster für weitere Einkäufe der Bundeswehr dienen. (Quellen: Spiegel, Handelsblatt)