Kurz vor Fristende hat sich in Waakirchen noch Gisela Hölscher (FW) zur Bürgermeisterkandidatur entschlossen. Amtsinhaber Norbert Kerkel (FWG) bekommt es somit mit drei Gegenkandidaten zu tun.
Waakirchen – „Es war eine kurzfristige Entscheidung“, sagt Gisela Hölscher (60). Kurz vor dem Jahreswechsel reifte die Entscheidung, doch als Bürgermeisterkandidatin der FW gegen den seit 2020 amtierenden FWG-Bürgermeister Norbert Kerkel anzutreten. Und das nicht nur, damit die Waakirchner Bürger im Sinne der Demokratie wirklich eine Wahl treffen können. „Es ist nicht alles Sonnenschein in Waakirchen“, sagt Hölscher, ohne weiter in die Tiefe zu gehen.
Bekannt ist: Waakirchen hat sich große Projekte vorgenommen. Der Rathausbau, ein Gasthof für Schaftlach, mehrere Wohnprojekte. „Mein Fokus wird auf den Finanzen und auch auf der Transparenz liegen“, erklärt Hölscher. Dabei spreche sie von gelebter Transparenz, nicht nur von einem Schlagwort.
Unterschwellige Kritik an Kerkels Amtsführung hatte auch Rudi Reber (ABV) durchklingen lassen, der ebenfalls als Bürgermeisterkandidat antritt. „Es läuft nicht alles rund“, hatte er wissen lassen. Eine weitere Kandidatin ist Cornelia Riepe (Grüne).
Alle drei Gegenkandidaten gehören dem jetzigen Gemeinderat an. Riepe und Reber hatten sich schon 2020 um das Amt beworben. Für die FW war damals Rainer Hölscher angetreten, der Ehemann von Gisela Hölscher. Die hatte vor sechs Jahren Höheres im Sinn: Sie wollte Landrätin werden. Waakirchen punktete 2020 übrigens mit der höchsten Zahl von Bürgermeisterkandidaten im ganzen Landkreis: Sechs Männer und Frauen wollten die Nachfolge von Sepp Hartl (FWG) antreten. Die CSU bot Markus Liebl (CSU) auf, die SPD Andreas Kilian. Letzterer ist umgezogen, Liebl bleibt Gemeinde-Geschäftsführer und ist diesmal wieder Wahlleiter.
Hölscher hatte länger gezögert, ob sie ihren Hut in den Ring werfen sollte. „Das i-Tüpfelchen war die Initiative Bavaria ruft“, berichtet sie. Ziel der Kampagne unter der Schirmherrschaft von Landtagspräsidentin Ilse Aigner ist es, mehr Frauen in die Kommunalpolitik zu holen. Das habe sie animiert, sagt Hölscher. In Waakirchen treten nun zwei Frauen und zwei Männer für den Chefposten im Rathaus an.
Fürs Amt fühlt sich Hölscher gut gerüstet: „Ich bin projekterfahren.“ Sie war die treibende Kraft für die Schaffung des Oberland-Hospizes in Bad Wiessee, und dies neben ihrem Beruf als Crew-Managerin bei der Lufthansa. „Das waren eigentlich zwei Vollzeit-Jobs gleichzeitig“, meint Hölscher. Nun laufe das Hospiz, um dessen Finanzen sie sich weiterhin kümmere. Das eröffne Raum für eine neue Aufgabe: „Das passt jetzt gut in mein Leben.“
jm