Oberland Hospiz: Zuversicht und Dankbarkeit prägen Start

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Wegbereiter und Motoren des Oberlandhospizes: (v.l.) Franziska Gräfin von Drechsel, Ines und Joachim Groh, Klaus Fresenius, Alexander Schwägerl, Stefan Lorenzl, Gisela Hölscher, Winfried Frohwerk, Karl Josef Deisler, Manfred Lechner, Petra Obermüller, Jasper von Hoerner und Josef Bogner. © Thomas Plettenberg

Am 3. November empfängt das Oberland Hospiz in Bad Wiessee die ersten Gäste. Initiatoren und Team feierten den Meilenstein der Hospizbewegung im Landkreis bei einem Festakt in Rottach-Egern.

Bad Wiessee/Rottach-Egern – Das Glück und die Freude waren ihr ins Gesicht geschrieben. Zusammen mit anderen Vertretern der Hospizbewegung im Landkreis stand Gisela Hölscher vom Förderverein Oberland Hospiz am Aufgang des Rottacher Seeforums, begrüßte jeden der zahlreichen Gäste persönlich. Nicht zuletzt ihrer Ausdauer ist es zu verdanken, dass an diesem Freitag überhaupt gefeiert werden konnte. Beharrlich, nach eigenen Worten sogar stur, hatte die Piesenkamerin in den vergangenen Jahren das Projekt Oberland Hospiz verfolgt. Als „unseren kleinen Terrier“ bezeichnete sie später am Abend dann auch Franziska Gräfin von Drechsel, die Vorsitzende des Hospizkreises im Landkreis, und meinte das durchaus liebevoll.

Eröffnungsakt Oberlandhospiz Bad Wiessee in Rottach Egern Foto tp
Knapp 400 Gäste waren im Rottacher Seeforum beim Festakt zur Eröffnung des Oberland Hospizes dabei. © Thomas Plettenberg

Ein Projekt wie das Oberland Hospiz, das sich am Freitag und Samstag nach rund eineinhalb Jahren Bauzeit der Öffentlichkeit vorstellte, hat freilich viele Mütter und Väter. Das wurde deutlich, als Drechsel und Fördervereinsvorsitzender Josef Bogner auf die Entstehungsgeschichte blickten und nach und nach ihre wichtigsten Mitstreiter auf die Bühne holten. Da waren neben Hölscher die Mediziner Ines und Joachim Groh, Stefan Lorenzl und Klaus Fresenius, der Banker Winfried Frohwerk, die verlässlichen Unterstützer Karl Josef Deisler, Manfred Lechner und Petra Obermüller, der Vorsitzende der Marion von Tessin-Stiftung, Jasper von Hoerner, und nicht zuletzt Alexander Schwägerl. Letzterer wollte eigentlich nur beratend tätig sein, verließ das Anwesen der Gräfin nach einer abendlichen Besprechung dann aber als Hospiz-Geschäftsführer. „Er macht das für einen Minijob-Lohn“, stellte Drechsel anerkennend fest. Oder wie es Bogner formulierte: „Mit diesen Leuten kann man Pferde stehlen.“

Absage an Leader

Das Oberland Hospiz in Bad Wiessee wird auf die beantragten Gelder aus dem EU-Förderprogramm Leader verzichten. Das gab Geschäftsführer Alexander Schwägerl gegen Endes des Eröffnungsfestakts im Rottacher Seeforum bekannt. „Diese bürokratischen Hürden sind unglaublich, ein Ausschreibungswahnsinn“, sagte Schwägerl kopfschüttelnd. „Hätten wir auf die Zusage gewartet, würden wir vermutlich erst im Sommer 2027 eröffnen.“ Laut aktuellem Projektmonitoring der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Kreisentwicklung Miesbacher Land hatte die Oberland Hospiz gGmbH rund 50 400 Euro beantragt, knapp 22 000 Euro wurden am 7. Juli als Zuwendung beschlossen. Einen Bewilligungsbescheid gibt es aber noch nicht. Wie mehrfach berichtet, war das Leader-Projekt zuletzt wegen personeller Engpässe beim für die Prüfung und Bewilligung zuständigen Landwirtschaftsamt in Rosenheim ins Stocken geraten. Auch andere Antragsteller haben bereits hingeworfen. Inzwischen wurde die Abteilung personell aufgestockt. „Es soll jetzt besser werden“, entgegnete Landrat Olaf von Löwis etwas betroffen aus dem Publikum.

Von allen Seiten gab es an diesem Abend Lob für die Akteure, gepaart mit Anerkennung und Dankbarkeit für ein Projekt, dessen Realisierung anfangs kaum jemand für möglich gehalten hatte. Als „unglaubliche Leistung und großen Glücksfall“ bezeichnete es Landtagspräsidentin Ilse Aigner, als „etwas Besonderes und Bewegendes“ der Wiesseer Bürgermeister Robert Kühn. Landrat Olaf von Löwis erinnerte an die lange Standortsuche, der Stiftungsratsvorsitzende der Tessin-Stiftung, Franz-Stephan von Gronau, an den Großmut Marion von Tessins: „Sie wäre sehr zufrieden mit dem, was wir mit ihren Mitteln erreicht haben.“ Wie berichtet, hat die Stiftung den Erwerb des Grundstücks und den Bau finanziert. Haushams Bürgermeister Jens Zangenfeind nannte das Hospiz ein „Haus der Würde und der Menschlichkeit“. Er ist Schirmherr der Einrichtung – als langjähriges Fördervereinsmitglied und Vertreter derjenigen Gemeinde, die einst als Erste dem Förderverein beigetreten war. „Ich hoffe, es folgen noch weitere“, sagte Bogner.

Langen Applaus gab es von den knapp 400 Gästen für den Festvortrag von Claudia Bausewein. Die LMU-Professorin und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin zeigte die Herausforderungen auf, vor denen eine immer älter werdende Bevölkerung bei der Versorgung und Betreuung sterbender Menschen steht. Ohne eine „sorgende Gemeinschaft“ werde es nicht funktionieren, Einrichtungen wie ein Hospiz machten nur einen sehr kleinen Anteil aus. Dennoch seien sie wichtig. „Mit der Eröffnung haben Sie einen großen Schritt in die Zukunft getan“, lobte Bausewein, die jedem Einzelnen dazu riet, zur richtigen Zeit seinen „Schreibtisch des Lebens aufzuräumen“.

Ich freue mich, dass er unser Bauamt gelobt hat.

Nach der Schlüsselübergabe durch Projektleiter Herbert Wagenpfeil, der an diesem Abend auch für seinen Architektenkollegen Johannes Wegmann sprach, bedankten sich Co-Geschäftsführer und Hospiz-Leiter Alexander Daxenberger sowie Pflegedienstleiterin Jutta Weigel bei den Vertreterinnen der Hospize in Kempten und Erding für die Begleitung beim Aufbau der Wiesseer Einrichtung. „Mit Eurer Unterstützung haben wir es geschafft, dass dieses Hospiz an den Start gehen kann“, sagte Daxenberger. Am 3. November empfängt das rund 20-köpfige Team dort die ersten Gäste. Ist die positive, fast fröhliche Stimmung beim Festakt ein Gradmesser, wird es tatsächlich ein Haus des Lebens werden.