Verdächtige Drohnen spionierten Arrow-3-System aus – Bundeswehr scheitert mit Abschuss

Im Dezember sollen Drohnen ein neues Flugabwehrsystem der Bundeswehr ausspioniert haben. Dabei misslang der Truppe der Versuch, eine der Drohnen abzuschießen.
Am 3. Dezember wurde das neue Flugabwehrsystem Arrow 3 der Bundeswehr in Annaburg in Sachsen-Anhalt offiziell in Betrieb genommen. Bereits zwei Tage zuvor war das System offenbar Ziel eines Ausspähversuchs aus der Luft.

Nach Informationen von WDR und NDR näherten sich am 1. Dezember gegen 16.40 Uhr drei verdächtige Drohnen „unbekannten Typs“ dem Arrow-3-System – nur kurze Zeit, bevor Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) die Anlage einweihte.

Bundeswehr scheitert beim Abschussversuch

Die unbemannten Fluggeräte sollen in rund 100 Metern Höhe über eine Radaranlage des Waffensystems geflogen sein. Entdeckt wurden sie durch ein technisches Detektionssystem der Bundeswehr. Laut einem Dokument der Streitkräfte wurde daraufhin „umgehend das Schnelle Reaktionselement (SRE) Heer aktiviert“. Der mobile Einsatztrupp des SRE setzte eine eigene Aufklärungsdrohne ein und konnte damit eine der fremden Drohnen optisch erfassen.

Anschließend versuchte die Bundeswehr, diese Drohne mit einem Sturmgewehr, ausgestattet mit einer speziellen Zieloptik, abzuschießen – ohne Erfolg. In dem Bericht heißt es, die Drohne habe „nicht durch die eingesetzten Drohnenabwehrmittel bekämpft werden“ können.

Die Drohnen entfernten sich daraufhin aus dem Gebiet. Wohin sie flogen und wer sie steuerte, ist bislang unbekannt. Die Bundeswehr informierte nach dem Vorfall sowohl die Feldjäger als auch den Militärischen Abschirmdienst. Gegenüber WDR und MDR wurde der Zwischenfall offiziell bestätigt. 

Verdacht auf gezielte Ausspähung

In dem internen Bericht wird zudem darauf hingewiesen, dass es sich bereits um den zweiten Vorfall dieser Art in Annaburg handelt. Aufgrund der Zahl der eingesetzten Drohnen und des konkreten Ortes des Geschehens hält die Bundeswehr eine „beabsichtigte Ausspähung wahrscheinlich“. Die mutmaßliche Drohnenspionage erinnert an ähnliche Beobachtungen im vergangenen Jahr, als an mehreren Bundeswehrstandorten – unter anderem in Schleswig-Holstein – Drohnen gesichtet worden waren.

So wichtig ist Arrow 3 für Deutschland

Mit dem Flugabwehrsystem Arrow 3 erweitert die Bundeswehr ihre Fähigkeiten zur Abwehr von Raketenangriffen. Die Anschaffung des israelischen Systems gilt als Reaktion auf die von Russland ausgehende Bedrohung. Arrow 3 soll dabei eine bestehende Lücke in der Luftverteidigung schließen. Erstmals verfügt die Bundeswehr damit über die Möglichkeit, anfliegende ballistische Flugkörper außerhalb der Erdatmosphäre zu bekämpfen.

Stationiert ist Arrow 3 auf dem Fliegerhorst Holzdorf. Dieser befindet sich am Bundeswehrstandort Schönewalde, südlich von Berlin, an der Landesgrenze zwischen Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Bis zum Jahr 2030 soll das System vollständig einsatzbereit sein und dann zusätzlich an zwei weiteren Standorten in Schleswig-Holstein und Bayern betrieben werden.