Im Norden Deutschlands hat der heftige Wintereinbruch vom Wochenende zum Teil zu Chaos auf den Straßen und Schienen geführt. Bei Schnee und Glätte kam es am Wochenende bereits zu zahlreichen Unfällen mit teils schwer verletzten Menschen und Verkehrseinschränkungen.
Bus rutscht in Straßengraben — Schwerverletzte bei Glätteunfällen
Auf der Bundesstraße 199 zwischen Dorfstraße und Schafflund im Kreis Schleswig-Flensburg rutschte am Montagmorgen ein Linienbus in den Straßengraben. Der Bus war mit 21 Passagieren besetzt, sechs Mitreisende wurden leicht verletzt.
In Waldbröl (NRW) ist am Sonntagvormittag ein 34-jähriger Mann mit seinem Wagen von einer glatten Straße abgekommen und gegen einen Baum geprallt, teilte die Polizei des Oberbergischen Kreises mit. Seine ebenfalls 34 Jahre alte Beifahrerin sei dabei lebensgefährlich verletzt worden, der Mann schwer. In NRW beschäftigten gleich mehrere Unfälle mit Schwerverletzten die Retter.
Strafanzeigen gegen Drifter
Bereits am Freitag waren am Nürburgring in Rheinland-Pfalz mehrere Strafverfahren gegen Drifter eingeleitet worden. Diese waren mit ihren Fahrzeugen illegal an der Rennstrecke gedriftet und hatten dabei Unfälle verursacht. Beim Driften können die Fahrzeuge schnell außer Kontrolle geraten und andere Verkehrsteilnehmer gefährden. Gegen sie wird wegen Verkehrsunfallflucht ermittelt. Möglicherweise werde ihnen die Fahrerlaubnis entzogen.
Lastwagen mit Lachs kippt um: Autobahn stundenlang gesperrt
Auch in Bayern krachte es vielfach. Auf der schneebedeckten Autobahn 93 in der Oberpfalz geriet laut Polizei ein mit 20 Tonnen Lachs beladener Lastwagen ins Schleudern und kippte um. Die Ladung verteilte sich demnach auf der Fahrbahn, sieben weitere Autos stießen beim Versuch, dem Unfall bei Wernberg-Köblitz (Landkreis Schwandorf) am Freitagabend auszuweichen, zusammen. Die Autobahn wurde rund zwölf Stunden lang gesperrt.
Bei einem Lastwagenunfall in Mittelfranken ist am Montagmorgen eine Straße mit tonnenweise Rindenmulch überschüttet worden. Der Lkw war inklusive Anhänger bei Leutershausen umgekippt, wie die Polizei mitteilte.
Auf der A9 bei Berlin verunglückte am Freitag ein gasbetriebener Lkw bei Glätte und prallte in die Leitplanke, so die Feuerwehr. Zwei Personen erlitten leichte Verletzungen. Weil der verunglückte Lkw gasbetrieben war, trat Gas aus dem Fahrzeug aus. Eine Gefahr für Menschen, Tiere oder die Umwelt bestand laut Einsatzkräften nicht, die Bergung gestalte sich dadurch jedoch schwierig.
Ebenfalls auf der A93 bei Marktredwitz (Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge) stießen laut Polizei acht Autos zusammen. Demnach geriet der Wagen eines 50-Jährigen auf der verschneiten Fahrbahn ins Rutschen und drehte sich. Sieben weitere Fahrzeuge konnten nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhren einander auf. Ein Beteiligter kam mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus. Bei weiteren Unfällen gab es auch mehrere Schwerverletzte.
Ausfälle bei Bus und Bahn im Norden
Pendlerinnen und Pendler müssen wegen des Schnees weiter mit Verspätungen und Ausfällen im Regionalverkehr im Nordwesten rechnen. Noch bis Mittwoch könnten Regionalzüge in Niedersachsen und Bremen wetterbedingt zu spät kommen oder vereinzelt nicht fahren, wie die Deutsche Bahn (DB) und das Eisenbahnunternehmen Metronom mitteilten. So fahren etwa auf den Strecken zwischen Hamburg und Kiel und zwischen Hamburg und Flensburg weniger Züge, wie NDR 1 Welle Nord berichtet.
Auch im Fernverkehr waren Bahnen betroffen. Unter anderem gab es heftige Verspätungen bei Zügen zwischen Köln und Berlin, hieß es auf der DB-Seite.
In den Stadtverkehren in mehreren Städten fielen viele Straßenbahnen und Busse aus oder waren langsamer unterwegs — so in Kiel, Hamburg und Hannover. Am Montag normalisierte sich die Lage aber wieder weitestgehend.
Flüge starten verspätet wegen Winterwetter
Das Winterwetter wirkte sich auch auf den Flugbetrieb aus. An den Flughäfen Düsseldorf und Dortmund kam es zu zahlreichen verzögerten Abflügen. Einige Flieger starteten mehr als eine Stunde später als geplant. Viele Maschinen seien bereits mit Verzögerung eingetroffen, hieß es. Flugausfälle seien nicht zu befürchten. Am Flughafen BER in Berlin kam es ebenfalls witterungsbedingt zu Verspätungen. Einige Flüge mussten gestrichen werden.
An den Flughäfen war der Winterdienst im Einsatz. Er befreite Start- und Landebahnen, Rollwege und Vorfeld von Schnee und Eis. Zudem wurden Flugzeuge vor dem Abflug enteist. Am Flughafen Münster/Osnabrück traf am Vormittag eine Maschine ein, die ursprünglich am Airport Weeze landen sollte. Dies sei jedoch witterungsbedingt nicht möglich gewesen, sagte eine Sprecherin. Bereits am Samstag hatte das Wetter an einigen NRW-Flughäfen für Verspätungen gesorgt.
Freude im Harz über bestes Rodelwetter
Neben den Einschränkungen brachte der Wintereinbruch aber auch Freude: In Hamburg nutzten viele Menschen die Schneedecke für Freizeitaktivitäten. Besonders im Jenischpark waren zahlreiche Familien und Kinder mit Schlitten unterwegs, auch Spaziergänger zog es in die verschneiten Parks und Grünanlagen.
Im Harz sind die Rodelhänge rund um Schierke nach Angaben der Touristeninformation geöffnet. Im nördlichen Mittelgebirge lagen zum Teil bis zu 40 Zentimeter Neuschnee. Viele Familien mit Kindern kamen bei bereits am Wochenende bei Schneefall in den Oberharz, um das erste Winterwochenende des Jahres auszunutzen, wie Webcams im Ort zeigten. Langlaufloipen waren am Wochenende nach Angaben der Touristeninformation allerdings noch nicht gespurt. Lediglich in Benneckenstein war demnach Skilanglauf möglich. Grund dafür sei der teils starke Wind gewesen, der immer wieder zu Verwehungen geführt hatte.
Besser sah es dagegen im Westharz aus. Dort standen neben mehreren gespurten Langlaufloipen auch geöffnete Skilifte für Wintersportler zur Verfügung.
20 Zentimeter Neuschnee auf Winterberger Skipisten
Auf den Winterberger Skipisten in NRW lägen aktuell 20 Zentimeter Neuschnee, hieß es auf wintersport-arena.de. Damit betrage die Schneehöhe auf dem Winterberg 70 Zentimeter. Es seien 39 Lifte geöffnet und sieben Lifte für die Rodelbahnen. Es gebe 37 Kilometer an geöffneten Pisten.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet damit, dass es auch in den kommenden Tagen noch winterlich kalt bleibt.