Crans-Montana: Helikopter-Sanitäter berichten über Feuer-Einsatz

Die Brandkatastrophe von Crans-Montana hat den Rettungskräften alles abverlangt. Beim Trauermarsch am Sonntag hat sich gezeigt, wie sehr auch sie das Desaster mit rund 40 Toten und mehr als 100 Verletzten mitgenommen hat. Dem Schweizer Blick hat jetzt ein Helikopter-Team Einblick in ihren Einsatz gegeben. „Diese Nacht werde ich nie vergessen“, sagt Rettungssanitäterin Jaël Messerli.

Die 30-Jährige und ihr Notarzt-Kollege Michael Mann hatten bereits am 31. Dezember ein straffes Programm mit neun Einsätzen. Um 1:32 Uhr erhielt die Zentrale der Air Zermatt den Alarm, wenige Minuten später werden auch Messerli und ihr Team angefordert. „Großereignis, Brandverletzte, Explosion, Crans-Montana“, so die ersten Informationen in einer noch unklaren Lage.

13 Helikopter und 42 Ambulanzen im Einsatz

Vor Ort sind noch zwölf weitere Helikopter-Crews im Einsatz. Ein Schwesterunternehmen der Air Zermatt übernimmt die Triage und Koordination auf dem Landeplatz in Crans-Montana. Für Michael Mann bedeutet das: „Wir können uns voll und ganz um die Patienten kümmern.“

Wie dramatisch der Einsatz in der Bar „Le Constellation“ tatsächlich werden wird, können die Rettungskräfte noch nicht einmal erahnen. „Dieses Ausmaß erlebte ich noch nie und viele andere auch nicht. Was ich an diesem Morgen erlebte, will ich nie wieder sehen“, sagt Rettungssanitäterin Messerli dem Blick.

Video soll Moment nach Explosion in Bar in Luxus-Skiort zeigen
Ein Video soll den Moment nach der Explosion in Crans-Montana zeigen X (ehemals Twitter)

Verbrennungen erschweren Stabilisierung

Bereits bei der ersten Patientin seien die Verletzungen extrem gewesen. „Als wir die Ambulanz-Tür öffneten, bin ich erschrocken“, beschreibt Messerli die Szene. Angesichts der äußeren und inneren Verbrennungen sei die Erstversorgung für Notarzt Mann herausfordernd gewesen, um die Patientin zu stabilisieren. Nach 32 Minuten konnte sie nach Bern ins Krankenhaus geflogen werden. Durch die Koordination der kantonalen Rettungsorganisation hätten die Sanitäter schnell und effizient reagieren können.

Für das Helikopter-Team ging der Katastropheneinsatz damit erst richtig los. „Als ich unsere erste Patientin sah, hoffte ich nur, dass nicht alle so schwere Verletzungen aufweisen“, so Messerli zum Blick. Doch es sollten noch weitere folgen, teilweise in noch kritischerem Zustand. Zwei weitere Flüge nach Lausanne und Bern bewerkstelligte das Helikopter-Team von Messerli , bis es um 9:30 Uhr zur Basis zurückkehrte.

Bergdorf wird zum Blaulicht-Meer

Durch die Eindrücke aus der Luft wurde den Rettungskräften klar, welches Ausmaß der Brand haben würde. „Während dem Flug übers Rhonetal sahen wir überall blinkende Blaulichter auf den Straßen am Boden“, sagt Messerli. Immerhin ließ das sternenklare Wetter die Helikopter-Transfers zu, bei Nebel wäre nur die Straße eine Option gewesen. „Unvorstellbar bei diesem Ausmaß“, sagt Mann. Auch so waren schon 42 Ambulanzen im Einsatz, um möglichst viele Menschenleben zu retten.